Johannes Feldmann will als Politik-Neuling für die FDP in den Landtag einziehen. Foto: Felix Biermayer

Quereinsteiger Johannes Feldmann kandidiert bei der Landtagswahl für die FDP. Geht es nach ihm, soll sich der Staat vor allem raushalten.

Johannes Feldmann ist ein Neuling in der Politik. Bisher ist er vor allem Geschäftsführer der Luftfahrtsparte von SFS, dem Althengstetter Ableger eines Schweizer Unternehmens, gewesen. Vor einem Jahr hat der 60-jährige Vater von vier Kindern gemerkt, dass er politisch „etwas beitragen möchte“, erinnert sich Feldmann.

 

Die FDP entspreche seiner Vorstellung von Liberalität und Eigenverantwortung. Er schrieb den baden-württembergischen FDP-Chef Hans-Ulrich Rülke an – und bekam prompt eine Einladung.

Feldmann hält Vorträge zu Wirtschaftsthemen

Warum er nicht erst Kontakt zum Kreisverband suchte, sondern direkt die Spitze sprechen wollte? „Wenn es um strategische Fragen geht, musst du mit dem Strategieboss reden“, sagt Feldmann. Der Geschäftsführer findet, es sei zielführender, direkt an relevanter Stelle einzusteigen. Er wurde FDP-Mitglied, hielt für die Partei Vorträge zu Wirtschaftsthemen. Und als Rainer Semet seine Kandidatur aus gesundheitlichen Gründen zurückzog, kürte die FDP kurzerhand Feldmann zum Landtagskandidaten.

Praxisnahe Bildung für wirtschaftlichen Erfolg

Nun ist der Geschäftsmann Politiker im Wahlkampf. Das bringt ihn in neue Situationen: einen Stuhlkreis etwa. An einem Montagabend sitzt er da mit rund 20 Personen, darunter ein paar Schüler.

Es geht um Bildung. Die ist für Feldmann „das Fundament“ für persönlichen und gesamtwirtschaftlichen Erfolg. Er selbst ist studierter Wirtschaftsinformatiker und Volkswirt. Er war der erste Akademiker in seiner Familie. Über Stationen bei Firmen wie Siemens landete er 2015 in Althengstett. „Schluss mit Experimenten“, fordert er für das Bildungssystem.

Feldmann fordert mehr Praxisnähe

Im Zentrum müssten Werkreal-, Realschule und Gymnasium stehen.

Feldmann fordert mehr Praxisnähe, will ein Schulfach „Real Life“. Das soll Schülern vermitteln, wie Verträge und Steuererklärungen funktionieren, und generell besser auf ein wirtschaftlich selbstbestimmtes Leben vorbereiten. Im bisherigen Lehrplan sei „viel alter Shit“. Bei den Schülern kommt Feldmann an.

Eine Schülerin fordert aber, dass der Bildungserfolg nicht vom Geldbeutel der Eltern abhängen dürfe. Darauf geht Feldmann nicht ein. Er befürwortet zwar, dass Kindergartengebühren abhängig vom Einkommen der Eltern erhoben werden. Menschen wie er könnten hohe Gebühren ruhig bezahlen, findet Feldmann. Die Gebühren abschaffen, um so die Hemmschwelle für frühkindliche Bildung zu verringern, lehnt er aber ab. Dafür fehle dem Staat das Geld. Und er sei nicht sicher, dass Kindergärten überhaupt Bildungseinrichtungen sind, so Feldmann.

Wirtschaft mit Regeln überfrachtet

Wirtschaft und Politik hätten ein durch die Wohlstandsjahre geprägtes „Mindset“. Es mangele an Dynamik und Wettbewerbsfähigkeit. Regeln und Normen überfrachteten, ja fesselten die Wirtschaft. Aber Firmen hätten auch selbst Fehler gemacht. Früher habe Deutschland vom Know-How im Auto- und Maschinenbau profitiert. Aber: Exporte in die USA schwächelten. Die Chinesen hätten aufgeholt und heute „bessere Produkte zu niedrigeren Kosten“, zum Beispiel bei E-Autos.

Feldmann macht die Politik verantwortlich

Das Verbrenner-Aus sei ein Fehler gewesen. Deutschland habe damit wirtschaftlich am „eigenen Ast gesägt“. Zumal Verbrenner global gefragter seien als E-Autos. Die Chinesen hätten in ihrem kommunistischen System einen Zehn-Jahres-Plan ohne Geldlimits für E-Autos aufgestellt. Hätte Deutschland da nachziehen müssen? Nein, findet Feldmann. Das E-Auto müsse sich am Markt ohne Subventionen durchsetzen. Aktuell hält er E-Autos für ein „Versuchsobjekt“ und eine umwelttechnische „Mogelpackung“. Denn wer mit Strom aus fossilen Energien lade, spare kein CO2. Bei Antrieben wie Energie fordert er Technologieoffenheit. Es brauche einen Mix. Windräder seien nützlich, AKWs aber auch. Ein Endlager im Landkreis sei in Ordnung, wenn technologisch vertretbar.

Mehr Geld vom Land gefordert

Für die Krankenhausinvestitionen fordert er mehr Geld vom Land: „Wer bestellt, bezahlt“. Auch für die Polizei will er mehr ausgeben. Das sei eine staatliche Kernaufgabe. Dafür könne das Land beim Wohnungsbau sparen.

Regierungspräsidien sollen abgeschafft werden

Den könnten private Firmen ohnehin besser, so Feldmann. Dass diese Strategie in den letzten Jahrzehnten die Wohnungsnot verschärft hat, sieht er nicht. Er macht dafür hohe Auflagen und Standards verantwortlich. Und die bringen Feldmann zu einem FDP-Kernpunkt: dem Bürokratieabbau. Die Partei will die Verwaltungsebene der Regierungspräsidien und Regionalverbände komplett abschaffen.

„Das macht die Prozesse schneller“, glaubt er. Das könnte Handwerker und Mittelständler im Landkreis direkt entlasten. Und wenn die Wirtschaft laufe, sei das eine gute Erfolgsgrundlage für die arbeitende Bevölkerung.

Feldmann befürwortet Koalition mit CDU und SPD

Feldmann hofft auf mehr als zehn Prozent für die FDP. Er befürwortet eine Koalition mit CDU und SPD. Die Grünen hätten das Land bei Bildung und Wirtschaft ins Mittelmaß geführt. Eine Zusammenarbeit mit Linken und AfD schließt er aus.

Feldmann selbst wird vermutlich nicht in den Landtag einziehen. Er steht nicht auf der FDP-Landesliste, müsste also das Direktmandat gewinnen. Und in Umfragen liegt die FDP bei fünf Prozent.

Als „anspruchsvolle Ausgangslage“ beschreibt das Feldmann. Bleibt also abzuwarten, ob sich die FDP-Vorschläge auf dem freien Markt der politischen Ideen durchsetzen können.

Kandidatenvorstellung

Dieser Artikel ist ein Teil der Serie.
Der Schwarzwälder Bote hat alle Direktkandidaten der Landtagswahl im Wahlkreis Calw kontaktiert. Aus diesen persönlichen Treffen entstehen Texte, in welchen die Kandidaten mit ihren Positionen vorgestellt werden. Die Artikel erscheinen in der Reihenfolge, in welcher die Treffen stattgefunden haben.