Julio Gourgel ist einer der Hauptgründe für die überragende Defensive des FC Holzhausen in dieser Saison. Foto: Kara

Der FC Holzhausen stellt mit nur 18 Gegentoren in 25 Spielen die beste Defensive der Verbandsliga. Trainer Daniel Seemann verrät, woran das liegt.

In seinen vergangenen fünf Verbands- und Landesliga-Jahren kassierte der FC Holzhausen im Durchschnitt 1,37 Gegentore pro Partie. In den beiden Oberliga-Spielzeiten von 2022 bis 2024 waren es 1,79. „In letzter Zeit waren wir immer für Spektakel bekannt – viele 4:3-Spiele“, meint auch Cheftrainer Daniel Seemann mit einem Lachen. Das scheint sich in der laufenden Saison jedoch grundlegend geändert zu haben. In bis dato 25 Ligaspielen kassierten die Holzhausener nur 18 Gegentore – oder 0,72 pro Partie. Dafür gibt es mehrere Gründe.

 

Das Fundament

„Als ich im Sommer gekommen bin, hatte ich von Anfang an eine klare Vorstellung von der Arbeit gegen den Ball. Und gerade nach den Abgängen von Fabio Pfeifhofer und Kevin Müller (zusammen 29 Saisontore 2024/25, Anm. d. Red.) war mir auch klar, dass wir uns defensiv stabilisieren müssen“, verrät Seemann. Auch wenn der 34-Jährige sein Amt mit einem klaren Plan antrat, stellt er klar: „Natürlich liegt es am Ende immer an den Spielern. Jeder einzelne versteht, was ich möchte und setzt das in jeder Trainingseinheit und in jedem Spiel auch um.

Seemann betont außerdem immer wieder die Wichtigkeit des Kollektivs bei der Arbeit gegen den Ball: „Es ist genauso der Job unserer Stürmer, schnell hinter den Ball zu kommen oder zu pressen, wie es der Job der Verteidiger ist, für Torgefahr zu sorgen. Wir machen das alles im mannschaftlichen Verbund. Jeder Spieler hat zu jeder Zeit Bock, den Ball zu erobern!“

Die Entwicklung

Während der FC Holzhausen zu Beginn der Saison während des gegnerischen Spielaufbaus noch deutlich tiefer agierte, sieht man den Tabellenzweiten dieser Tage auch immer häufiger in einem aggressiven Angriffspressing. „Am Anfang habe ich den Fokus zunächst auf die einfachen Dinge gelegt – also dass wir lernen, gut zu stehen“, so Seemann. Darauf aufbauend wurden dann langsam, aber sicher Dinge wie das Angriffspressing oder Grundordnungen mit einer Dreier- statt Viererkette einstudiert. „So etwas braucht eben auch seine Zeit“, weiß der Übungsleiter.

Die Vielseitigkeit

Inzwischen ist die Seemann-Elf ohne Probleme in der Lage, den Gegner auf verschiedene Arten und Weisen vor große Probleme zu stellen: „In Spielen wie im Pokal gegen Ravensburg können wir auch mal tief stehen und leiden. In anderen Spielen attackieren wir kollektiv früh. Unter anderem deshalb war der FCH in der Lage, trotz zahlreicher Verletzungen über die gesamte Saison hinweg eine gewisse Grundstabilität an den Tag zu legen.

Das Personal

Auch wenn Daniel Seemann betont, dass er niemanden hervorheben könne oder wolle, hat natürlich auch der FC Holzhausen einige defensive Schlüsselspieler. Julio Gourgel zum Beispiel, der im Sommer von der TSG Tübingen kam. „Mit seiner Geschwindigkeit erlaubt er uns oftmals, hoch zu pressen, weil er dann beispielsweise lange Bälle wegverteidigen kann“, so das Lob seines Cheftrainers für den 25-Jährigen. Bei Abwehrchef Carlos Konz „weiß man einfach, was man an ihm hat“, so Seemann. „Mit seiner Erfahrung ist er ein sehr wichtiger Stabilisator für uns.“

Zwischen den Pfosten funktioniert das von Beginn an klar kommunizierte „Jobsharing“ zwischen Henning Schwenk (15 Einsätze in Liga und Pokal) und Routinier Julian Hauser (14) exzellent. Und auch auf den offensiven Positionen bringen sich alle gegen den Ball ein, so zum Beispiel Winter-Neuzugang Jovan Djermanovic, der im Pressing ein starkes „Gefühl für Abstände und Momente“ hat, so Seemann.

Wenn es nach den Anhängern des FC Holzhausen geht, darf sich die neu entdeckte defensive Dominanz gerne fortsetzen – am besten bereits im Spitzenspiel gegen die Young Boys Reutlingen am Freitag (18.30 Uhr), um das Meisterschaftsrennen noch einmal spannend zu machen.