Das Duell zwischen dem FC Holzhausen und den Young Boys Reutlingen hielt was es versprach. Wir haben Stimmen gesammelt und analysieren die packenden 90 Minuten.
Die ganze Bandbreite an Emotionen lieferte das Verbandsliga-Spitzenspiel zwischen dem FC Holzhausen und den Gästen aus Reutlingen. Gerade in den letzten Minuten überschlugen sich die Ereignisse und wechselten die Stimmungslagen in hohem Tempo.
Coach Daniel Seemann sprach von „einem Auf und Ab“. Der 34-Jährige wirkte aber bereits kurz nach dem Abpfiff sehr gefasst und klar in seiner Analyse: „Ich bin heute hergefahren und dachte mir, was ist denn wir verlieren. Wir stehen immer noch auf dem 2. Platz und ich kann der Mannschaft keinen Vorwurf machen.“
Plätze eins und zwei scheinen vergeben
Und in der Tat müsste schon ein sehr unerwarteter Leistungseinbruch kommen, um den 2. Platz und damit die Möglichkeit zur Oberligarückkehr über die Aufstiegsspiele noch zu verspielen. Die Meisterschaft, das ist nach dem Freitagabend aber ebenfalls klar, wird mit ähnlich hoher Wahrscheinlichkeit an die Young Boys Reutlingen gehen.
Diese setzen in der 96. Minute einen perfekten Konter und trafen mit dem Abpfiff durch Albert Silov zum 3:2-Siegtreffer. Dabei fiel das Tor just in jener Phase, in welcher der Primus nach dem 2:2 durch Leon Louis Hayer angeknockt wirkte. FCH-Angreifer Jovan Djermanovic, der sein Team per Elfmeter früh 1:0 in Führung brachte, erklärte: „Das tut extrem weh, es ist eine sehr bittere Niederlage. Ein 2:2 hätte uns im Titelrennen wohl auch wenig gebracht, aber es ist trotzdem schmerzhaft.“
Er stürmte zunächst nicht mit Tim Steinhilber als Nebenmann, denn dieser musste auf der Bank Platz nehmen. Stattdessen startete Kapitän Niklas Schäuffele erstmals nach seiner Verletzung und agierte in der Innenverteidigung. Carlos Konz rückte dafür auf die linke Abwehrseite. „Wir haben mit Ball heute wieder auf Viererkette umgestellt, das war bewusst so gewählt um in Ballbesitz Überzahl über außen und gegen den Ball eine klare Zuordnung zu haben“, erläutert Seemann.
Ein perfekter Freistoß
Die Young Boys suchten immer wieder auf schnellem Wege ihre Stürmer Ante Galic und Adil Iggoute und hatten zudem mit Christos Chatzimalousis einen herausragenden Spielmacher. Der 1,72 Meter große Grieche verwandelte wie schon im Hinspiel einen Freistoß direkt. Djermanovic musste zugeben: „Die zwei Gegentore kamen zu schnell nacheinander. Der Freistoß war überragend getreten, das ist brutale Qualität.“
Lennerth glänzt als Vorbereiter
Seemann analysierte: „Unser Plan ist in der 1. Halbzeit perfekt aufgegangen. Vor dem 1:1 dürfen wir den Ball nicht verlieren. Die Young Boys sind im Umschaltspiel sehr gefährlich und mit viel Personal dabei, das hat uns heute das Genick gebrochen.“ So gingen dem 1:1 und 3:2 jeweils tolle Hereingaben vom linken Schienenspieler Luca Lennerth voraus.
Sein Coach Volker Grimminger, der die Partie nach seiner Operation an der Patellasehne auf Krücken verfolgte, erkannte: „Holzhausen wurde in der Winterpause nach der Verletzung von Janik Michel für tot gehalten, ich kann der Truppe aber nur ein großes Lob aussprechen. Wir wären mit dem 2:2 auch zufrieden gewesen, aber den Sieg nehmen wir gerne mit.“
Beim FCH dürfte sich nach der ersten Enttäuschung schnell der Fokus auf Mittwoch richtet. „Da haben wir wieder ein Highlightspiel“, so Seemann. Man empfängt die Stuttgarter Kickers um 17.30 Uhr zum Halbfinale im WFV-Pokal. Deren Coach Marco Wildersinn verfolgte das Spitzenspiel am Freitagabend live vor Ort und dürfte einige Erkenntnisse gezogen haben. „Wir werden wieder alles reinhauen“, versprach Djermanovic.