Der Kaiser ist tot. Die Welt nimmt Abschied von Franz Beckenbauer, der im Alter von 78 Jahren gestorben ist. Was wohl nur noch wenige Freudenstädter wissen: Beckenbauer und die legendäre Mannschaft des FC Bayern München hatten in den 70er-Jahren auch ein Gastspiel im Hermann-Saam-Stadion – vor einer Rekordkulisse.
An diesen einen Sonntag im Sommer 1971 erinnert sich der Freudenstädter Gastronom Harald Kläger noch gut. Es war der 25. Juli, als Kläger mit der ersten Mannschaft der Spielvereinigung Freudenstadt zu einem Spiel in Wittlensweiler antrat. Soweit nichts ungewöhnliches. Anpfiff war allerdings schon um 14 Uhr, denn am Abend, um 17 Uhr, wartete in Freudenstadt ein einmaliges Spektakel, das sich die Fußballer nicht entgehen lassen wollten: Im Hermann-Saam-Stadion trat der FC Bayern München in einem Freundschaftsspiel gegen den MSV Duisburg an. Damaligen Medienberichten zufolge verfolgten 10 000 Zuschauer die Partie, bei der Legenden wie Sepp Maier, Gerd Müller und Franz Beckenbauer auf dem Platz standen. Eine Kulisse, die es laut Kläger bei einem Fußballspiel in Freudenstadt seither nicht mehr gab.
Kläger, der eine Viertelstunde nach Anpfiff schließlich im Stadion eintraf, beobachtete jedoch, wie Beckenbauer zu diesem frühen Zeitpunkt im Spiel bereits ausgewechselt wurde – und verpasste somit den Auftritt des legendären Liberos. „Wie, sind Sie schon fertig?“, fragte Kläger den ausgewechselten Beckenbauer. Es sei nicht sein Tag gewesen, soll der Kaiser geantwortet haben. Doch der wahre Grund war wohl ein anderer: Obwohl es sich um ein Freundschaftsspiel handelte, soll es auf dem Feld ruppig zugegangen sein, wie es auch in Medienberichten zum Spiel heißt. Die Konsequenz: Aus Sorge vor Verletzungen wurden die Stars nach und nach ausgewechselt, schon nach der Halbzeit stand bei den Münchenern laut Kläger nur noch eine B-Elf auf dem Feld.
Eine einmalige Gelegenheit
Für Kläger bot sich dadurch aber eine einmalige Gelegenheit: Er konnte sich eine halbe Stunde lang mit dem Kaiser unterhalten und bekam Autogrammwünsche erfüllt. Dass die Bayern den MSV Duisburg mit 5:2 besiegten, wurde für den Freudenstädter zur Nebensache.
Schon damals erlebte Kläger ihn als extrem charismatische Persönlichkeit – ein Eindruck, der sich zwei Jahrzehnte später bestätigen sollte. 1994, als Beckenbauer längst Europameister sowie Weltmeister als Spieler und Trainer war und nun als Präsident des FC Bayern fungierte, war Kläger über einen Freund zu den Banketten nach den Europapokalspielen der Münchener eingeladen. Dort sah er, wie die Spieler gebannt und teils ehrfürchtig den Reden des Präsidenten zuhörten.
Die Nachricht vom Tod Beckenbauers habe ihn schockiert, erzählte Kläger im Gespräch mit unserer Redaktion, an dem auch der Loßburger Benefizspiel-Organisator Marco Iantorno teilnahm. Auch er hat besondere Erinnerungen an Deutschlands Jahrhundertfußballer. Bei seinen Benefizaktionen für Kinder konnte Iantorno auf die Hilfsbereitschaft von Heidi und Franz Beckenbauer bauen, bekam von ihnen ein Trikot aus Österreich zugesandt, das er für den guten Zweck versteigerte.
Das Ehepaar stiftete für das Benefizspiel in Freudenstadt 2022 ein signiertes Dress in den Farben des FC Bayern, mit der Aufschrift „Kaiser“ und der legendären Nummer 5. In dem Paket entdeckte Iantorno auch eine Postkarte, in der ihm viel Erfolg für die Veranstaltung gewünscht wurde. Unterzeichnet ist sie von Heidi und Franz Beckenbauer.