Ein Alzenberger Fan, der den Ball nicht zurückgab, soll Auslöser für die Tumulte gewesen sein. Foto: Eibner-Pressefoto/Ulrich Scherba

Der FC Alzenberg/Wimberg will nicht mehr gegen den Türkischen SV Calw spielen – aufgrund von Ereignissen im Oktober 2021. Erstmals erzählt der Verein nun, was damals genau vorgefallen ist.

Statt in der Staffel 2, in der normalerweise alle Calwer Vereine spielen, wechselt der FC Alzenberg/Wimberg in die Staffel 1 – die sogenannte Nagolder Staffel – der Fußball-Kreisliga B und nimmt dafür weite Wege zu den Auswärtsspielen in Kauf. Der Verein begründet das damit, nicht mehr gegen den Türkischen SV Calw spielen zu wollen, der aus der Kreisliga A in die Kreisliga B abgestiegen ist. Zu gravierend sei gewesen, was am 24. Oktober 2021 beim bislang letzten Aufeinandertreffen zwischen beiden Vereinen vorgefallen ist. Doch was genau passiert ist, hatte der FC Alzenberg/Wimberg nie genau gesagt. Nun bricht der Vorsitzende Norbert Splinter sein Schweigen.

Alzenberger Fan gibt Ball nicht zurück

Nachdem der Ball von einem Alzenberger Spieler ins Seitenaus geschossen wurde, habe ihn ein Alzenberger Fan aufgehoben. Doch anstatt den Ball dem herbeieilenden Spielern des Türkischen SV zum Einwurf zu übergeben, habe der vor der Bande stehende Fan ihn demonstrativ fallengelassen. Der Schiedsrichter soll den Fan daraufhin hinter die Bande verwiesen haben. Ein herbeieilender Ordner soll dem Nachdruck verliehen haben, woraufhin „ein Geschubse“ begann. Daraufhin sollen Fans, Funktionäre und Spieler des Türkischen SV auf den Platz gestürmt sein und die Alzenberger Fans „unter Androhung von Gewalt“ vom Platz gedrängt haben – „darunter selbst Frauen mit Kinderwagen und Kinder“, wie Splinter sagt. Die Szene seien von unbeteiligten Gästen der Stadiongaststätte auf Video festgehalten worden.

Das Sportgericht verurteilte damals den FC Alzenberg/Wimberg – wegen Zeitschinden und weil er der Auslöser der Tumulte war. Im Urteil hieß es: „Allerdings ist es auch unbestreitbar, dass das Verhalten der türkischen Zuschauer in keinster Weise dem Vorfall angemessen ist und deutlich überzogen war. Für dieses Verhalten ergeht ein gesondertes Urteil.“ Auf Nachfrage unserer Redaktion kann Reinhold Lange, Vorsitzender des Sportgerichts, jedoch nicht sagen, ob es tatsächlich zu diesem gesonderten Urteil kam und wie es ausfiel.

Zuschauer wollen Spielen aus Angst fernbleiben

Splinter weiß jedoch: „Das Ergebnis des Spieltages waren diverse Körperverletzungen, eine herbeigerufene Polizei, die keine Täter ermitteln kann, ein sichtlich verstörtes Team und traumatisierte Fans.“ Solche Zustände habe er in seiner Laufzeit als Amateurfußballer und Vorsitzender noch nicht erlebt. Viele Fans des Vereins hätten sich darauf bei ihm gemeldet und mitgeteilt, dass sie zumindest den Spielen gegen den Türkischen SV aus Angst fernbleiben würden. Die Vereinsleitung habe daraufhin zusammen mit den Spielern entschieden, das Rückspiel gegen den Türkischen SV nicht anzutreten und die dafür vorgesehene Strafe zu zahlen.

Da der Türkische SV in die Kreisliga A aufstiegen war, hatte sich das Problem zunächst von alleine gelöst. Durch den sofortigen Abstieg würde es in der neuen Saison aber zum Wiedersehen kommen. „Ja, wir wechseln in eine andere Kreisstaffel, da wir nicht gegen den Türkischen SV spielen wollen und unsere Fans und Spieler nicht erneut diesen Gefahren aussetzen wollen“, sagt Splinter, macht aber erneut deutlich: „Hier tragen wir als Verein die Verantwortung für unsere Fans und Spieler. Genauso hätten wir gewechselt, wenn es ein spanischer, ein portugiesischer, ein Gechinger oder ein Herrenberger Verein gewesen wäre.“ Die Nationalität spiele keine Rolle. Splinter: „Gerade wir als Verein haben viele türkisch-stämmige Jugendliche in der Jugendarbeit ausgebildet, die anschließend beim Türkischen SV gespielt haben. Wir lassen uns nicht in die Rassismus-Ecke drängen.“ Dennoch hofft Splinter auf eine Deeskalation der Situation, schließlich kennen sich doch alle Spieler der Liga persönlich.

Türkischer SV nennt Staffelwechsel lächerlich

Auch der Türkische SV hat sich inzwischen zu Wort gemeldet. Er verstehe die Entscheidung der Alzenberger überhaupt nicht. Man hätte sich zusammensetzen können und das Ganze regeln können, meint Pressesprecher Birol Calayir. Den Wechsel in die Staffel 1 finde er lächerlich. Er räumt allerdings ein, dass es unter den Fans seines Vereins durchaus schwarze Schafe gebe. Daher hätte man in der vergangenen Saison mehrere Stadionverbote erteilt. Ihm sei wichtig, dass das Vereinsheim des Türkischen SV nach wie vor allen Mitgliedern des FC Alzenberg/Wimberg offenstehe.