Der Vollblutstürmer – hier mit Mario Klotz (links) und Piero Saccone – bejubelte mehr als 100 Treffer für den FC 08 Villingen. Foto: Michael Kienzler

"Pelé war einfach meine Inspiration!" Im fernen Brasilien trauert Rodrigo Stasiak, fast schon legendärer Stürmer des FC 08 Villingen, um sein großes Vorbild. Nicht nur in Sachen Fußball.

Rodrigo Stasiak ist nach vielen Jahren in Europa, darunter nahezu fünf unvergesslichen beim FC 08 Villingen, schon lange wieder im südbrasilianischen Guarapuava angekommen. Genauer in Entre Rios, einem Distrikt etwa 30 Kilometer entfernt von der 175 000-Einwohner-Stadt in der südlichen Mitte des Bundesstaates Paraná. Dort erfuhr er vom Tod des "Fußball-Königs", des einzigen Spielers, "der mit den Sternen spielte und immer auf dem Boden geblieben ist", so Franz Beckenbauer.

 

"Pelé war komplett"

"Für mich war er einfach der größte Fußballer aller Zeiten, mein großes Vorbild", betont Rodrigo Stasiak. Toco, so sein Spitzname ("In meiner Jugendmannschaft gab es noch einen Rodrigo. Da ich kleiner war, wurde ich ab diesem Zeitpunkt Toco genannt"), stellt auch klar, dass selbst ein Maradona nicht auf einer Stufe mit Pelé stand. "Hier gibt es immer Vergleiche zwischen Pelé und Maradona, ja eine große Rivalität. Aber Pelé war komplett", denkt Rodrigo Stasiak nicht nur an die fußballerischen Verdienste des dreifachen Weltmeisters, sondern auch an die soziale Sensibilität von Pelé, der, so Neymar, "alles verändert hat. Er verwandelte Fußball in Kunst, in Unterhaltung. Er gab den Armen, den Schwarzen und vor allem den anderen eine Stimme. Sie verschaffte Brasilien Sichtbarkeit." Dies kann Toco nur unterschreiben. "Pelé wird deshalb immer in unseren Herzen bleiben. Leider habe ich ihn nie getroffen."

Weiter beim A.E. Danubio

Der frühere Nullachter fühlt sich in Guarapuava wohl. "Ich bin weiter als Koordinator beim A.E. Danubio tätig", wird dem früheren Stürmer in dieser Rolle nicht langweilig. Nächste Aufgabe beim traditionsreichen Fußballclub: "Am 5. Januar geht es wieder mit der U17 los. Ich arbeite daran, dass es junge Spieler von uns in höherklassige Teams schaffen", hat Toco vor allem die fußballerische Entwicklung von Talenten im Blick. Fast genauso wichtig ist ihm aber, dass sich die Nachwuchskicker auch abseits des Fußballs bewähren. Der große Rückhalt? Natürlich Frau Stefanie, Tochter Rebekka (9) und Sohn Eric (3). "Sie sind mein großes Glück."

Die Zeit in Villingen – und das Karriereende

Der Vollblutstürmer zeigte von Januar 2004 bis zum Ende der Runde 2007/08 im Friedengrund sein Können. "Zaubern kann ich zwar auch, aber damit schießt man selten Tore", hatte sich Toco zu Beginn seiner Villinger Zeit charakterisiert. Es blieb nicht nur bei Worten. Mehr als 100 Treffer erzielte der Brasilianer für die Nullachter, die er als Verbandsliga-Torschützenkönig (24 Treffer) nach der Saison 2005/06 in die Oberliga führte. "Ich hatte beim FC 08 die wohl schönste Zeit als Fußballer, hänge immer noch mit meinem Herzen an diesem Verein", erinnert sich der Brasilianer noch gerne an die Jahre in der Doppelstadt. Diese waren nach zwei Runden in der Oberliga, Toco trug sich dabei 35 Mal in die Torschützenliste ein, vorbei. Die Nullachter hatten den angestrebten Aufstieg verpasst, den Brasilianer zog es so nach Österreich in die dortige zweithöchste Liga. In Lustenau wollte der abschlussstarke Stürmer so richtig durchstarten. Doch eine Verletzung machte ihm einen Strich durch die Rechnung. Ganze elf Spiele absolvierte der Angreifer für die Österreicher, das letzte am 28. November 2008 beim 1:1 gegen Vöcklabruck. Eine Kniearthrose verhinderte nicht nur weitere Einsätze, sondern führte sogar zur Sportinvalidität. Am 11. Dezember 2009 gab die Austria die Trennung vom damals 29-Jährigen bekannt.

Die Anfänge

Rodrigo Stasiak wurde am 16. Dezember 1979 geboren. Der Stürmer erlernte beim AA Batel (1986 bis 1996) das Fußball-Einmaleins, bevor er sich in seiner Heimatstadt dem FC Guarapuava (1996 bis 1998) anschloss. Zur Saison 2001/02 wagte Toco den Sprung nach Übersee, schloss sich erst in der Schweiz dem FC Kreuzlingen, dann dem FC Schaffhausen an. Im Januar 2004 wechselte er zum FC 08 Villingen.