84. Minute: SGV-Abwehrmann David Pisot (rechts) bejubelt das 3:2 der Freiberger, die Nullachter um Georgios Pintidis (19) verstehen die Fußballwelt nicht mehr. Foto: Marc Eich

Elf gelbe Karten, ein Platzverweis, eine nicht belohnte Aufholjagd des FC 08, keine Punkte, viele Emotionen: Villingen kassiert eine bittere 2:4-Niederlage in Überzahl gegen Freiberg. 45 ordentliche Minuten sind zu wenig, um die Regionalliga zu erhalten.

Es ist kurz nach 16 Uhr in der MS Technologie-Arena. Die meisten der 912 Zuschauer haben sich an diesem nasskalten Samstagnachmittag – viele kopfschüttelnd – auf den Heimweg gemacht, die 08-Spieler den obligatorischen Mannschaftskreis gerade aufgelöst.

 

Die Enttäuschung über die am Ende unnötige Niederlage ist den auf den vorletzten Rang abgerutschten Villingern nach einem Wechselbad der Gefühle deutlich anzusehen. Wieder einmal hatten individuelle Fehler zu Gegentoren geführt, die nicht nur Coach Reiner Scheu später als „Geschenke“ ansah.

Zu viele Fehler

Kapitän Nico Tadic ärgerte sich: „Nach dem 0:2 waren wir klar die bessere Mannschaft, drehen das Spiel zum 2:2. Und dann passieren uns wieder individuelle Fehler, die uns das Genick brechen. Wir machen einfach in jedem Spiel zu viele Fehler – und die werden eben in der Regionalliga bestraft.“

Dies würde nicht nur die Defensive betreffen. Das Verteidigen „fängt vorne an. Wir müssen die Räume besser schließen, alle mit nach hinten arbeiten. Wir müssen also im Verbund besser verteidigen. Da fehlt uns in einigen Situationen auch die Cleverness.“

Das Momentum

In der Tat: Wer in Überzahl und einer erfolgreichen Aufholjagd noch in der Schlussphase zwei (unnötige) Buden hinnehmen muss, der hat das Momentum nicht genutzt. Der Freiberger Nico Moos hatte in einem trotz der vielen Karten nicht unfairen Spiel nach 68 Minuten – die Entscheidung des später vom Freiberger Coach Roland Seitz heftig kritisierten Schiedsrichters Dominik Genthner war richtig – die Ampelkarte gesehen.

Villingen drängte nach einer klaren Leistungssteigerung in allen Bereichen und einem Doppelpack von Marcel Sökler (50., 77.) auf das 3:2, doch dann köpfte SGV-Innenverteidiger David Pisot (84.) völlig frei am chancenlosen 08-Goalie Kevin Ehmann vorbei ins Villinger Netz ein. Vorausgegangen war die dritte – in der Entstehung völlig unnötige – Ecke der Gäste. Villingen sorgte dagegen bei sieben Ecken nicht für echte Torgefahr.

Die Tugenden

Kurz vor dem Ende machte der eingewechselte Iosif Maroudis (89.) nach einem kapitalen Fehlpass der Nullachter den Deckel drauf. In der ersten Hälfte hatte SGV-Stürmer Gal Grobelnik (45.) vorgelegt. „Ich glaube, dass wir das Spiel in der ersten Halbzeit verloren haben. Wir sind in den ersten 20, 25 Minuten gar nicht ins Spiel gekommen, haben die Räume nicht zugemacht und fast jeden Zweikampf verloren“, blickt Nico Tadic zurück.

Marcel Sökler versuchte gegen seine Ex-Teamkollegen alles. Foto: Marc Eich

Der FC 08, ohne Leon Albrecht (Oberschenkelzerrung im Training) und mit einer Abwehrviererkette angetreten, kam nach dem schnellen 1:2-Anschluss durch Sökler (50.) – zuvor hatte Domenico Alberico (48.) das 0:2 erzielt – besser in Schwung. Villingen rief nun endlich die Tugenden ab, welche das Trainerteam um Adam Adamos stets als Grundvoraussetzungen für Regionalliga-Siege des Aufsteigers nennt: Aggressives Verteidigen, gewonnene Zweikämpfe, Leidenschaft oder Laufbereitschaft.

Qualität und Cleverness

Doch es wurde am 15. Spieltag auch deutlich, dass es über ein ganzes Spiel gesehen insgesamt an der Qualität und der Cleverness (noch) fehlt. Freiberg nutzte so in der Schlussphase die Patzer der Nullachter eiskalt aus, hat nun im Vergleich zum FC 08 schon zehn Punkte (20) mehr auf dem Konto. 45 ordentliche Minuten, zehn vor der Pause und 35 nach dem 0:2-Rückstand, sind zu wenig, um auch in der Saison 2025/26 in der vierthöchsten Fußballklasse zu spielen.