"Für uns wird es wichtig sein, dass wir die Vorrunde mit einem Erfolgserlebnis abschließen." Diesen Satz von Trainer Marcel Yahyaijan hätten Fans des FC 08 im Stadionmagazin "Schwarzweiß" am Samstag lesen können, genauso den Tipp von Maskottchen "Massai" (2:0 für Villingen).
Doch die Ausgabe für den 19. Spieltag wurde wenige Stunden vor dem Anpfiff der Heimpartie gegen den 1. FC Bruchsal eingemottet. Dichtes Schneetreiben hatte dafür gesorgt, dass die Nullachter das Ende ihrer Hinserie verschieben mussten. Für den Villinger Coach sowie für Sportvorstand Arash Yahyaijan war dies "bei diesem Wetter die einzige Option". Mit anderen Entscheidungen sind die beiden Nullachter allerdings nicht so einverstanden.
Arash Yahyaijan, zur Absage des Bruchsal-Spiels gab es keine Alternative. Oder?
(lacht). Nein, da braucht man ja nur auf den Platz zu schauen. Wahnsinn, da ist in kurzer Zeit sehr viel Schnee zusammengekommen. Es bringt ja auch nichts, man kann nichts erzwingen.
Marcel Yahyaijan, Schnee, schlechte Plätze, dazu die Coronasituation. Wäre es jetzt nicht eine Option, die Winterpause vorzuziehen?
Es ist kompliziert. Wir wollen natürlich so viele Spiele wie möglich absolvieren, die Saison regulär beenden. Ob dies aber so kommen wird, was unser großer Wunsch ist, ist fraglich. Das Spiel der Stuttgarter Kickers gegen Dorfmerkingen wurde ja aufgrund von Coronafällen abgesagt. Nächste Woche sollen wir daheim gegen Bissingen spielen. Da weiß auch niemand, ob diese Partie stattfinden kann. Genauso ist es offen, ob es aufgrund des Wetters oder der Pandemie zu Verzögerungen gerade zu Beginn der Rückrunde kommt. Dann wäre es schwer, die Runde wie geplant durchzubekommen. Aber die Hoffnung ist noch da.
Im Unterschied zu den Vorjahren ist es aber so, dass die Oberliga-Saison 2021/22 wohl auf alle Fälle gewertet wird, es also Auf- und Absteiger geben wird. Arash Yahyaijan, ist dies in Ordnung?
Bei uns sind alle entspannt. Wir stehen auf einem guten Tabellenplatz. Es war wichtig, dass wir eine starke Vorrunde gespielt haben, nie etwas mit der Abstiegszone zu tun hatten. Natürlich wäre ein dritter Saisonabbruch nicht gut. Wir hoffen alle, dass die Runde beendet werden kann.
Marcel Yahyaijan, vor dem abgesagten Bruchsal-Spiel belegte der FC 08 den vierten Platz. Zufrieden mit diesem Zwischenstand?
Ich will gar nicht so viel am Tabellenplatz festmachen. Ich glaube einfach, dass wir im Großteil der 18 Spiele gute Leistungen gebracht haben. Im Vergleich zur Vorsaison haben wir einen großen Schritt in die richtige Richtung gemacht, gerade fußballerisch und in Sachen Stabilität in der Abwehr. Wir haben weiter eine der besten Defensiven der Liga, zudem mehr Tore erzielt. Es freut mich vor allem, dass wir in den Duellen gegen direkte Kontrahenten – ich nehme mal die Topteams Stuttgarter Kickers und SGV Freiberg, die unter Profibedingungen trainieren, heraus, sehr gut ausgesehen haben. Es gibt aber auch noch viele Bereiche, in denen wir uns verbessern können. So haben wir als Favorit gegen vermeintlich schwächere Teams nicht immer gut ausgesehen.
Für Mittelfeldstratege Erich Sautner war es das Ziel bis zur Winterpause, dass der Rückstand auf die Kickers und Freiberg nicht zu groß ist. Arash Yahyaijan, diese beiden Teams scheinen aber unerreichbar. Oder?
Wir haben ja schon vor der Saison gewusst, dass diese beiden Mannschaften die absoluten Titelfavoriten sind, wenn die Kickers und Freiberg dann auch zu Beginn einige Probleme hatten. Das sind aber zwei Profimannschaften – und Qualität setzt sich am Ende durch. Schade, dass wir einige Punkte unnötig, so gegen Dorfmerkingen oder zuletzt in Ilshofen, abgegeben haben, sonst wären wir noch näher dran. Wir hätten da einfach noch dominanter auftreten, uns auch kämpferisch anders präsentieren müssen. Aber realistisch gesehen machen die Kickers und Freiberg die Meisterschaft unter sich aus. Ich bin wirklich insgesamt zufrieden mit unserer Vorrunde.
Und zur Rückrunde, sollte diese gespielt werden können, darf Ihr Sohn Marcel mit weiterer Offensivpower rechnen?
(lacht). Wir werden es zumindest versuchen, ihm diesen Weihnachtswunsch zu erfüllen. Es muss eben passen.
Marcel Yahyaijan, dieses Geschenk würden Sie gerne annehmen.
(schmunzelt). Ich glaube schon, dass wir im Offensivbereich noch Verstärkungen brauchen könnten. Man muss es aber auch immer realistisch sehen, es ist eine schwierige Thematik in unserer Region. Da haben es Vereine im Stuttgarter oder Freiburger Raum etwas einfacher. Wir haben da einen gewissen Standortnachteil, das soll keine Entschuldigung sein. Deshalb brauchen wir einen Glücksgriff, es muss ja das Gesamtpaket passen. Sonst müssen wir es eben über das Kollektiv machen, was wir bisher sehr gut geschafft haben. Um aber noch einmal einen großen Schritt weiterzukommen, müssen wir uns personell im Offensivbereich, ich rede da nicht nur über einen Stürmer, verbessern.
Arash Yahyaijan, der übernächste Schritt wäre der Sprung in die Regionalliga.
Zunächst einmal muss ich betonen, dass die Arbeit von Marcel und dem kompletten Trainerteam herausragend ist. Sie machen die Spieler besser. Man muss nur schauen, welche Entwicklung ein Mauro Chiurazzi gemacht hat. In 80 Oberliga-Spielen hatte er zuvor zwei Tore erzielt, jetzt als Innenverteidiger in 18 Partien sind es bereits fünf. Und dies ist nur ein Beispiel dafür. Es läuft zudem nicht nur sportlich gut. Wir Vorstände haben vor drei Jahren begonnen, jetzt ist der Verein schuldenfrei. Zweimal haben wir in dieser Zeit zudem den Pokal gewonnen. Dabei standen bis zu sieben Eigengewächse in der Startelf. Das ist wirklich außergewöhnlich. Zudem gibt es keinen Oberliga-Verein, dessen U21 in der Verbandsliga eine so gute Rolle spielt. Und dort spielen schon sechs A-Jugendspieler. Ich denke, dass wir insgesamt auf einem sehr guten Weg sind. Dass dieser mittelfristig in die Regionalliga führen soll, haben wir schon vor der Saison gesagt.
Zurück zur Gegenwart. Am Freitagabend verschärfte das Land die Coronaverordnung Sport. Arash Yahyaijan, was bedeutet dies für den FC 08?
Ich nehme diese Thematik nicht nur aus persönlichen Gründen sehr ernst. Was ich aber etwas unglücklich finde, ist der Zeitpunkt der jüngsten Coronaverordnung. Es ist für Vereine am Samstag nahezu unmöglich, neue Regeln anzuwenden, wenn diese erst an einem Freitagabend um 20.49 Uhr veröffentlicht werden. Es gibt doch derzeit gar nicht genügend Test- und Impfmöglichkeiten. Solche Veränderungen sollten früher kommuniziert werden. Vereine, gerade die im Breitensport, müssen also auch die realistische Chance haben, neue Regeln umzusetzen. Es darf nicht sein, dass Vereine wegen der Coronapandemie kaputtgehen.
Marcel Yahyaijan, wie gehen Sie als Trainer mit dieer Thematik um?
Allgemein ist es wirklich kompliziert, gefühlt ändert sich alle drei Tage was. Es ist schwierig, da die Übersicht zu behalten. Grundsätzlich muss man sich einfach fügen. Ich sehe die Problematik in der Oberliga- oder Verbandsliga bei uns weniger, doch bei den Klassen darunter – ja beim ganzen Amateursport – habe ich großes Bauchweh. Da könnte es auch sein, dass einige Spieler oder Trainer, wenn uns das Thema noch lange beschäftigt, aufhören.
Arash Yahyaijan, wird am kommenden Samstag das Heimspiel gegen Bissingen stattfinden?
Nein.
Marcel Yahyaijan, was glauben Sie?
Ich rechne nicht damit. Aber nicht wegen Corona, sondern wegen dem Wetter. Wir spielen ja im höchstgelegenen Stadion Deutschlands.