„Wir wollen intensiv trainieren, erfolgreich sein und auch Spaß haben“, wünscht sich Reiner Scheu. Foto: Marc Eich

Der neue Coach möchte vor allem neue Spielfreude bei der Mannschaft wecken. Sogar vormittags soll trainiert werden. Warum er mit Mario Klotz schon telefoniert hat.

Die erste Trainingseinheit mit dem Villinger Oberliga-Team hat Reiner Scheu schon hinter sich. Am Samstag feiert der erfahrene Coach auf der Bank im Spiel gegen Bietigheim-Bissingen sein Comeback bei der ersten Mannschaft des FC 08. Wir sprachen mit dem 68-Jährigen über seine ersten Eindrücke vom Team, was er sich in den kommenden Wochen wünscht, wie für ihn der ideale Schlusspunkt in dieser Saison aussehen würde – und natürlich auch über Julian Nagelsmann.

 

Herr Scheu, sind Sie auch überrascht über die aktuellen Geschehnisse bei den Bayern?

Ja, bin ich sehr. Eine Entlassung von Julian Nagelsmann zum jetzigen Zeitpunkt hätte ich nicht für möglich gehalten, weil sportlich bei den Bayern alles im Soll liegt. Es wird aber interne Gründe geben, über die ich natürlich keinen Einblick habe.

Was trauen Sie Thomas Tuchel als Nachfolger zu?

Er ist natürlich ein Top-Trainer, der in den vergangenen Jahren auch menschlich weiter gereift ist. Thomas Tuchel wird sicherlich bei den Bayern einiges bewegen können.

Die Lage beim FC 08

Kommen wir aber zur Situation beim FC 08 Villingen. Warum haben Sie zugesagt, die Mannschaft nun bis zum Saisonende zu coachen?

Es geht mir allein darum, meinem Heimatverein zu helfen, nachdem mich der Vorstand darum gebeten hat. Natürlich hatte ich mir im Spätherbst meiner Trainer-Karriere so eine Situation nicht mehr vorgestellt. Nachdem auch meine Frau damit einverstanden war, habe ich zugesagt. Ich möchte mithelfen, dass unsere Oberliga-Mannschaft sportlich wieder in ein ruhiges Fahrwasser kommt. Für mich ist dies ein neunwöchiger Fulltime-Job, bei dem ich alles einbringen möchte. Am Freitagvormittag habe ich beispielsweise schon mit Mario Klotz, der ja Backnang trainiert, telefoniert. Ich möchte mir schnell möglichst viele Informationen über die Oberliga-Konkurrenz einholen.

Wie waren Ihre Eindrücke bei Ihrem ersten Training am Donnerstagabend?

Ich bin mit einem viel besseren Gefühl danach nach Hause gefahren, als ich zum Training gekommen bin. Natürlich ist man als Trainer in so einer Situation am Anfang auch etwas nervös. Aber die Jungs haben top mitgezogen. In meiner kurzen Ansprache habe ich Ihnen vor dem Training gesagt, dass ich eine eventuelle Skepsis bei ihnen nach diesen zuletzt turbulenten Wochen sehr verstehen kann. Nur die Mannschaft steht im Mittelpunkt. Ich möchte die Spieler einfach mit meiner Arbeit auf dem Platz überzeugen und ihnen helfen.

Sie hatten vor dem Training ein erstes Gespräch mit Kapitän Tevfik Ceylan. Wie haben Sie dieses erlebt?

Ich habe von ihm wichtige Informationen für meine Arbeit erhalten. Tevfik hat mir geschildert, wie die Mannschaft die vergangenen Wochen erlebt hat. Sehr gefreut habe ich mich dann auch am Freitagvormittag über den weiteren intensiven Austausch mit ihm. Tevfik macht sich sehr viele Gedanken. Wir haben uns beispielsweise besprochen, ob er am Freitag beim Training das Aufwärmen des Teams übernimmt und wann wir am Freitagabend mit dem Mannschaftsrat zusammensitzen.

Was in den nächsten Wochen wichtig ist

Was wollen Sie der Mannschaft nun vermitteln? Auf was kommt es in den kommenden Wochen an?

Ich wünsche mir vor allem, dass die Mannschaft wieder eine große Spielfreude bekommt. Deshalb haben wir am Donnerstag auch schon mit einigen Spielformen begonnen. Ich möchte mit dem Team intensiv arbeiten, aber der Spaß darf dabei nie zu kurz kommen. Wir werden das Pensum erhöhen. Mit den Spielern, die sich momentan nur auf den Fußball konzentrieren, will ich auch an manchen Vormittagen trainieren.

Wie zuversichtlich sind Sie in Sachen Klassenerhalt?

Es ist für uns keine einfache Aufgabe, aber wenn wir gut arbeiten, wird sich die Mannschaft in den nächsten Wochen auch belohnen. Wir wollen es jetzt Schritt für Schritt angehen.

Haben Sie sich den 3. Juni schon im Kalender angekreuzt? Es könnte ein besonderer letzter Arbeitstag für Sie beim Oberliga-Team werden.

(lacht). Stimmt. Das ist der Tag des Pokalfinales. Es wäre fantastisch, wenn wir die Saison nach noch erfolgreichen Wochen in der Oberliga dann mit dem Pokalsieg abschließen könnten. Aber auch dann wird allein die Mannschaft im Mittelpunkt stehen. Es wäre nur die Krönung von der Arbeit von Marcel Yahyaijan, der ja mit dem Team die ersten vier Pokalrunden geschafft hat, darunter das sensationelle 3:2 beim Bahlinger SC.