Die Nullachter – hier Admir Osmicic nach dem jüngsten 1:3 in Steinbach – warten seit Ende August auf den zweiten Saisonsieg. Foto: Eibner/ Wiegand

Ausgerechnet der BW-Mitaufsteiger macht es vor: Göppingen gewann jüngst die wichtigen Duelle gegen die Direktkontrahenten aus Villingen (3:1) und Gießen (5:4), hat damit den Turnaround geschafft. Dagegen leistet sich der FC 08 zumindest eine Ergebniskrise. Dies hat sieben Hauptgründe.

REGIONALLIGA

 

1:3 beim TSV Steinbach Haiger, 1:3 gegen den 1. Göppinger SV, 1:1 beim FC Astoria Walldorf, 1:1 gegen Mitaufsteiger FC Gießen, 2:5 gegen den SC Freiburg II, 0:6 beim FC Homburg: Villingen wartet seit Ende August (2:0 gegen Eintracht Frankfurt II) auf den zweiten Regionalliga-Dreier. Da verwundert es nicht, dass die Nullachter nach gut einem Drittel der Saison vor dem punktgleichen Südbaden-Rivalen aus Bahlingen den vorletzten Rang einnehmen.

Es gibt vor dem Hessen-Super-Doppelpack gegen die Topteams aus Offenbach (Samstag, 14 Uhr, MS Technologie-Arena) und FSV Frankfurt (26. Oktober) sieben Hauptgründe, weshalb die Schützlinge von Mario Klotz so weit hinten in der Tabelle zu finden sind.

Die Ausfälle

Das Fehlen der Leistungsträger Jonas Busam (Kreuzbandriss), Torhüter Andrea Hoxha (Kreuzbandriss), Kapitän Nico Tadic (stand nach mehrwöchiger Fußsohlenverletzung gegen Steinbach wieder im Kader), Fabio Liserra (Fraktur in der Wade) oder zuletzt Ergi Alihoxha (Sperre) konnte der Aufsteiger in diesem oft semiprofessionell, teilweise ganz professionell aufgestellten Haifischbecken Regionalliga Südwest nicht auffangen.

Bis auf Rückkehrer Hoxha war die Achse Busam – Liserra – Tadic – Alihoxha maßgeblich an der Oberliga-Meisterschaft und dem Sprung in die Viertklassigkeit beteiligt.

Die Transfers

Bis auf den nun schwer am Knie verletzten Goalie stellten sich die Neuen noch nicht als die Unterschiedsspieler heraus. Mittelfeldmann Ivo Colic verpasste zwar noch keine Spielminute – als einziger Nullachter – und zeigte immer wieder gute Spiele, doch der Ex-Kickers-Akteur wartet immer noch auf einen Treffer.

Stürmer Karlo Kuranyi arbeitet viel, doch auch der Sohn des Ex-Nationalangreifers Kevin Kuranyi hat sich noch nicht in die Torschützenliste eingetragen. Nachverpflichtung Christian Derflinger kommt so langsam in Schwung, kann aber noch mehr. Flavio Santoro, Abwehrtalent Admir Osmicic und Mustafa Fatiras bekamen ihre Chancen, so wirklich konstant überzeugen konnte aber noch keiner dieses Trios. Luis Dettling spielt bisher gar keine Rolle.

Der vermisste Abwehrchef

Aufgrund der vielen Ausfälle in der Abwehr gibt es keine eingespielte Innenverteidigung. Tim Zölle, Fabio Liserra, Admir Osmicic, Georgios Pintidis, Mustafa Fatiras oder sogar einmal beim 1:1 in Walldorf in der Schlussphase Stürmer Marcel Sökler versuchten sich im defensiven Zentrum. 19 Gegentore – viele davon viel zu einfach und absolut vermeidbar – gab es in den vergangenen sechs Spielen. Im Sechserpack zuvor waren es nur sechs.

Es fehlt hier ein erfahrener Innenverteidiger, der die Viertliga-Neulinge führt, die Kommandos gibt, für Stabilität sorgt. Wann und wie stark Jonas Busam, der dieser Abwehrchef in der vergangenen Saison war, wieder zurückkehrt, ist offen.

Das ungefährliche Mittelfeld

Erst zehn Tore – sieben davon durch Marcel Sökler (4) und Tevfik Ceylan (3) – haben die Nullachter erzielt. Auf je eines kommen die Defensivspezialisten Admir Osmicic, Georgios Pintidis und Mustafa Fatiras.

Mario Klotz hat noch viel Arbeit vor sich. Foto: Eibner/Florian Wiegand

Wenn man Ceylan als Stürmer und Pintidis als Abwehrmann sieht, dann hat das komplette 08-Mittelfeld noch keinen einzigen Treffer erzielt. Dies muss sich schleunigst ändern, wollen die Villinger mehr Spiele gewinnen.

Die fehlende Cleverness

Dass die Nullachter spielerisch oft mithalten können, davon können sich die Villinger nichts kaufen. Der Aufsteiger muss es schaffen, Führungen über die Zeit zu bringen. 2:0 hieß es gegen Freiburg II, 1:0 gegen Gießen, 1:0 in Walldorf, 1:0 in Steinbach Haiger und auch gegen Göppingen hatte der FC 08 nach dem 1:1-Ausgleich das Momentum auf seiner Seite. Hier fehlt noch die notwendige Cleverness, die Abgezocktheit.

Die Doppelbelastung

Es war klar, dass der FC 08 in allen Bereichen wachsen, sich gegen die finanziell und personell meistens ganz anders aufgestellte Regionalliga-Konkurrenz Schritt für Schritt professionalisieren muss.

Doch die Entlastung von Coach Mario Klotz – erst vor wenigen Wochen hat Marcel Yahyaijan die Klotz-Aufgaben als „Sportchef“ übernommen – kam spät. Die Klotz-Doppelfunktion als Trainer und Sportdirektor hätte bereits nach dem Aufstieg im Sommer Geschichte sein müssen. So musste der 40-Jährige bis Ende September zweigleisig fahren. Das war ein absolutes Novum in der vierthöchsten Fußballklasse Deutschlands.

Die verlorene Heimstärke

Der FC 08 Villingen hat ein treues Publikum, belegt mit 1201 Besuchern im Schnitt den neunten Rang in der bisherigen von Kickers Offenbach (7581) – am Samstag (14 Uhr) Gegner der Nullachter – angeführten Zuschauertabelle.

Doch ein echter Hexenkessel ist die MS Technologie-Arena nicht wirklich. Auch in dieser Hinsicht ist auf jeden Fall noch viel Luft nach oben. Der Friedengrund sollte mit der Unterstützung der Fans wieder zu einer Festung – wie eben in der Oberliga-Saison – werden.