Drei Siege in Folge, seit vier Spielen ungeschlagen: Villingen hat die Wende geschafft. Dennoch ärgert sich Marcel Yahyaijan. Der Sportchef der Nullachter wird wohl bleiben.
OBERLIGA „Das war ein tolles Fußballfest für die ganze Region – und dies in einem freundschaftlichen Rahmen“, blickt Marcel Yahyaijan auf das 2:1 gegen den Türk. SV Singen vor 1450 Zuschauern in der MS Technologie-Arena.
„Die erste Hälfte geht klar an uns“, ärgert den Geschäftsführer Sport der Nullachter aber der Auftritt in den zweiten 45 Minuten. „Da haben wir den roten Faden verloren. Wieder einmal“, sieht der 33-Jährige weiter die Konstanz über die komplette Spielzeit als das Problem des Tabellensechsten an.
Die Hauptbaustelle
Trotz der Serie beträgt der Rückstand zum Ende der Hinrunde auf den Aufstiegsrelegationsplatz, der VfR Mannheim ist Zweiter, bereits 14 Zähler.
„Wir könnten zumindest zehn Punkte mehr auf dem Konto haben“, denkt Yahyaijan besonders an die Heimspiele gegen Essingen (2:3 nach 2:0-Führung), Schlusslicht Denzlingen (3:3 nach einem 3:1), Aufsteiger Neckarsulm (0:2) oder Nöttingen (3:5). „Auch in Backnang dürfen wir niemals verlieren, das 1:6 in Bissingen war auch nicht eingeplant“, gibt der Sportchef zu. Oftmals, so auch gegen Singen am Freitagabend, würden (einfache) taktische Umstellungen des Gegners ausreichen, um das Spiel der Villinger „außer Gefecht“ zu setzen. „Das ärgert mich enorm“, sieht der 33-Jährige die fehlende Konstanz als Grund dafür an, dass Tabellenführer Aalen und Mannheim enteilt sind.
Türk. SV Singen
Unterdessen schwärmt Sükrü „Sigi“ Özcan trotz der Singener Niederlage vom Derby unter Flutlicht: „Bis auf das Ergebnis hat echt alles gepasst. Es war ein super Abend in Villingen. Das war eine tolle Kulisse, es war ein tolles Spiel. Wir haben ein sehr gutes Verhältnis mit den Nullachtern. Die Freundschaft hat gewonnen. Am Ende müssen wir die Niederlage akzeptieren, obwohl wir ein sehr gutes Spiel abgeliefert haben“, hofft der Teammanager des Türkischen SV, dass dies der erste Lokalkampf zwischen Villingen und Singen von noch vielen war.
Nur die Aussage von 08-Torwart Andrea Hoxha („Singen ist selbst schuld, wenn sie 88 Minuten lang ihren besten Spieler auf der Bank lassen“) konnte Özcan nicht nachvollziehen. „Jeder ist für seine Mannschaft verantwortlich, sollte nichts zum Gegner sagen.“ Der Villinger Goalie hatte nicht verstanden, weshalb Singen erst nach 88 Minuten seinen Bruder Denis Hoxha – für den Ex-Nullachter Mokhtar Boulachab – einwechselte.
Das Aufstiegsrennen
Unterdessen sorgte der VfR Mannheim mit dem 7:1 bei einem eigentlich defensivstarken SV Oberachern für einen Paukenschlag. Mit dem Schützenfest setzte Mannheim den Spitzenreiter aus Aalen unter Druck. Der löste aber am Sonntag mit dem 3:1 bei der TSG Backnang, der Ex-Nullachter Flavio Santoro hatte Backnang nach 34 Minuten in Führung gebracht, die Aufgabe. Der Tabellendritte aus Nöttingen hat bereits zwölf Punkte Rückstand auf Mannheim. Die beiden VfR-Teams werden die Meisterschaft also wohl unter sich ausmachen.
Der Abstiegskampf
War dies der Befreiungsschlag? Auf jeden Fall feierte Ex-Zweitligist SSV Reutlingen, am Samstag (14.30 Uhr) Gastgeber des FC 08 Villingen, unter Interimstrainer Marvin Petzschner beim überzeugenden 3:0 gegen den TSV Essingen einen wichtigen Sieg.
Damit verbesserten sich die Kicker von der Kreuzeiche auf den zwölften Rang. Auch Regionalliga-Absteiger 1. Göppinger SV atmete nach dem 2:0 im Kellerduell beim abgeschlagenen Südbaden-Aufsteiger FC Denzlingen erst einmal durch.
Türkspor Neckarsulm um den Ex-Villinger Cristian Giles holte beim 1:0 gegen die KSC-Reserve ebenfalls einen wichtigen Dreier. Bei den Karlsruhern sah Luis Dettling – ebenfalls ein ehemaliger Nullachter – kurz vor der Pause Rot.
Die Personalplanungen
Wie aber geht es mit den derzeitigen Villingern in der neuen Runde weiter? Viele Verträge laufen im Sommer 2026 aus. Marcel Yahyaijan geht von keinem großen Umbruch aus. „Wir nutzen die Winterpause zu Gesprächen mit den Spielern und den Trainern“, ist es dem Geschäftsführer Sport wichtig, dass möglichst früh die wichtigsten Personalien geklärt sind. „Das ist jeweils im beidseitigen Interesse.“
Und macht der Sportchef des FC 08 nach dem Ende der Runde 2025/26 weiter? „Natürlich müssen auch hier noch Gespräche geführt werden“, geht Marcel Yahyaijan aber davon aus, dass er an Bord bleibt. „Mit dem neuen Vorstandsteam gibt es bisher stets einen gemeinsamen Nenner. Es sollte passen.“