Auf Stürmer-Neuzugang Marcel Sökler (links), hier mit Gabriel Cristilli,ruhen viele Hoffnungen der Nullachter. Foto: Eibner/Hipp

Maradona, Zico, Lineker – nun FC 08 Villingen: Ryszard Komornicki hat mit seinen 63 Jahren schon sehr viel erlebt. Kein Wunder, dass der frühere WM-Teilnehmer genau weiß, was er von seinen Spielern in der Oberliga-Runde sehen will.

Gut eine Woche vor dem Oberliga-Auftakt der Nullachter am Samstag (15.30 Uhr) in der MS Technologie-Arena gegen den stark eingeschätzten Aufsteiger VfR Mannheim. Ryszard Komornicki holt sich erst einmal einen Kaffee.

 

90 Minuten später hält es den neuen 08-Trainer nicht auf dem Stuhl im Büro von 08-Sportvorstand Denis Stogiannidis. Der 63-Jährige schnappt sich kurzerhand einen roten Edding, zeigt am Firmenboard mit einfachen Zeichnungen auf, was er von den Nullachtern erwartet. Und was nicht. Zu diesem Zeitpunkt ist längst klar: Komornicki mag vieles, aber keine Schnörkel. Vor allem auf dem grünen Rasen. Auch Denis Stogiannidis hat klare Vorstellungen.

Herr Komornicki, erinnern Sie sich noch an den 11. Juni 1986?

(lacht) Ein wenig, da haben wir bei der WM in Mexiko gegen England gespielt.

Nach 14 Minuten lag durch den späteren Hattrick-Schützen Gary Lineker ihr Team mit 0:2 zurück, wenig später wurden Sie ausgewechselt.

Ich hatte zuvor gegen Marokko und Portugal gespielt, war gegen Portugal schon angeschlagen. Ich war also gegen England nicht wirklich fit, dazu müde.

Deshalb musste ich raus. Dies lag auch daran, dass wir nach der Meisterschaft in Polen vor der WM-Vorbereitung keinen Tag frei hatten.

Die WM war dann für Polen im Achtelfinale nach einem 0:4 gegen Brasilien um Zico und Sócrates vorbei. Was waren weitere Höhepunkte in Ihrer Zeit als Mittelfeldspieler?

Also da gehört auf jeden Fall die Qualifikation mit Polen eben für Mexiko dazu. Vor 80 000 Zuschauern und Millionen Fans am Fernseher haben wir in Warschau mit einem 0:0 gegen Belgien das WM-Ticket gelöst. Das werde ich nie vergessen. Dazu kommen die Meisterschaften mit Górnik Zabrze und mit dem FC Aarau in der Schweiz.

Und als Trainer?

Mit dem FC Aarau sind wir mit einem der niedrigsten Etats in der Schweiz zweimal Fünfter geworden, haben bis zum Ende der Runde um einen Europacupplatz gekämpft. Zudem bin ich mit Amateurvereinen mehrfach aufgestiegen.

08-Trainer Ryszard Komornicki hat klare Vorstellungen. Foto: Marc Eich

Nun werde ich alles dafür tun, dass auch der FC 08 Villingen und ich zusammen eine erfolgreiche Geschichte schreiben. Es geht immer um den Erfolg des Vereins, der Mannschaft.

Das Ziel: Heimmacht

Denis Stogiannidis, und was wäre für den Sportvorstand ein großer Erfolg in der neuen Saison?

Da muss ich auch etwas ausholen. Für mich ist es ein erster Erfolg, dass dieser Trainer nun beim FC 08 ist. Dies war nicht einfach. Unser Wunsch ist es, dass der Trainer mit seiner großen Qualität das Team schnell erreicht und die Spieler seine Vorstellungen schnell umsetzen, so noch besser werden. Die Handschrift des Trainers soll so schnell wie möglich auf dem Platz zu sehen sein. Und ich habe das Gefühl, dass dies unter diesem Trainer gerade passiert. Ryszard Komornicki bringt die Fußballsprache und die Mentalität mit, die notwendig sind, um mit den richtigen Charakteren erfolgreich zu sein. Wenn die Mannschaft versteht, was sie umsetzen soll, dann wird dies der Fall sein.

Aber eine Zielvorgabe in Sachen Platzierung gibt es nicht?

Nicht in diesem Sinne, es gibt viele Unterziele. Klar ist zum Beispiel, dass wir in der MS Technologie-Arena wieder eine Heimmacht werden wollen. Ein weiteres Unterziel ist ein guter Saisonstart.

Herr Komornicki, und was hat der Coach mit dem FC 08 vor?

Wie gesagt, der Erfolg der Mannschaft steht über allem. Es geht um die Resultate. Deshalb geht es auch nicht

um das Alter oder das Talent der Spieler, sondern darum, ob diese mit ihrer Leistung die Mannschaft weiterbringen, zum Erfolg führen können. Unsere Aufgabe ist, dass wir uns damit auseinandersetzen, wie wir ein Spiel gewinnen. Ich kann das Niveau der Liga und der Gegner noch nicht komplett einschätzen.

Champagner

Welche Baustellen gibt es noch?

Wir haben Qualität, gute Spieler. Aber noch passt nicht alles ganz zusammen. Vor allem müssen wir als Mannschaft noch viel besser verteidigen, mehr Zweikämpfe gewinnen. Das hat mit körperlicher Fitness und Mentalität zu tun. Es geht also um das Selbstvertrauen, den Glauben an sich, dass die Spieler Verantwortung übernehmen wollen. Wir schauen noch viel zu viel auf den Gegner. Unser Ziel muss es sein, dass sich dieser mehr nach uns ausrichtet. Dazu müssen wir auch mehr ins Risiko gehen. Hinten zu stehen und nur kein Tor zu bekommen, das ist doch auch langweilig. Nur mit Sicherheit gibt es keinen Champagner. Die einzige Sicherheit beim Fußball ist, dass der Schiedsrichter irgendwann ein Spiel abpfeift.

Es geht also um Spielkontrolle.

Ja, nicht aber zu verwechseln mit Dominanz. Kontrolle kann auch bedeuten, dass man tiefer steht, als Team sich zurückzieht. Wir müssen flexibel sein, es kommt immer auf die Situation an. Ob hohes Anlaufen oder tiefes Pressing, die Spieler müssen mit Selbstvertrauen und situativ richtig agieren. Da sind wir wieder beim Thema Mentalität und Fitness. Diese sind entscheidend, wenn man in der Schlussphase noch die ganz langen Wege machen muss – in der Offensive und in der Defensive. Das tut weh, ist aber extrem wichtig.

Marcel Sökler

Denis Stogiannidis, ein großes Puzzleteil im Kader war die Verpflichtung von Torjäger Marcel Sökler.

Ich denke, dass Marcel Sökler in der Kombination mit dem Trainer extrem wichtig für den FC 08 werden. Marcel schießt nicht nur Tore, sondern setzt auch seine Mitspieler gut ein.

Herr Komornicki, wie sehen Sie Marcel Sökler?

Marcel ist eine echte Persönlichkeit, ein Torjäger mit einer super Mentalität und extremer Qualität. Er kann sich auch fallen lassen, Bälle festmachen. Marcel kann also auch einmal als hängende Spitze agieren. Aber auch er wird Spiele nicht im Alleingang entscheiden.

Und wie wirkt sich ein Marcel Sökler in Sachen Spielsystem aus?

Da uns noch etwas die defensive Stabilität fehlt, müssen wir mit zwei Sechsern anfangen. Los geht es also mit einem 4–2–3-1. Die Außenstürmer sollen aber sehr offensiv agieren, ja müssen sehr offensiv agieren.

Sportvorstand Denis Stogiannidis hofft auf eine starke 08-Saison. Foto: Eibner/Stoll

Das ist auch für Marcel sehr wichtig. Wichtig ist zudem, dass die Abstände zwischen den Mannschaftsteilen geringer werden. Jeder hat klare Aufgaben: „Aber, aber, aber“, das ist Vergangenheit. „So, so und so“, das ist die Gegenwart. Das gilt auch für die Körpersprache. Wir gewinnen zusammen, wir verlieren zusammen. Und ich als Trainer trage die Hauptverantwortung.

Herr Komornicki, noch einmal zurück zur Ihrer Spielerzeit. Haben Sie ein besonderes Trikot daheim in der Vitrine hängen?

(lacht) Nein, aber Maradona wollte meines. Im Ernst: Ich habe kein Trikot daheim, habe alle verschenkt. So habe ich das Trikot von Bernd Schuster, als wir gegen Real Madrid im Europacup der Landesmeister gespielt haben, auch an Górnik Zabrze für das Vereinsmuseum abgegeben.