94. Minute: Niko Dobros lässt 08-Torwart Dennis Klose beim Elfer keine Chance. Foto: Eibner/Schüller

Kurz vor 17.30 Uhr in der Kleiner-Arena. Marcel Yahyaijan schaut am Samstag auf die Uhr. Der FC 08 führt in Nöttingen mit 1:0, es läuft die vierte Minute der Nachspielzeit. Dann zeigt Schiedsrichter Marco Öttl auf den Punkt.

Wenige Augenblicke zuvor. Der eingewechselte Nico Rodewald – der Offensivmann feierte nach langer Leidenszeit in der 84. Minute sein Oberliga-Debüt im schwarz-weißen Trikot – passt auf den ebenfalls kurz zuvor gekommenen Yannick Spät.

 

Doch FCN-Keeper Kenan Mujezinovic ist etwas schneller. Ein letzter Abwurf, ein letzter Angriff, die letzte Chance: Nöttingen wirft noch einmal alles nach vorne. „Dann kommt Frederick Bruno nicht so richtig in ein Kopfballduell, danach muss Tim Zölle in den Zweikampf“, konnte Marcel Yahyaijan schon nachvollziehen, dass der Oberpollinger Referee anschließend auf den Punkt zeigte. „Das war eine 50:50-Situation“, sah der 30-Jährige, wie Nikolaos Dobros mit seinem elften Saisontreffer den Villingern noch den schon sicher geglaubten Dreier klaute.

Die Analyse

Insgesamt sei der Punktgewinn für die Nöttinger, die nun seit acht Spielen auf einen Dreier warten, aber nicht unverdient gewesen. „Das war im Vergleich zum 1:2 von uns gegen Neckarsulm von beiden Mannschaften ein viel besseres Oberliga-Spiel“, sah der Villinger Trainer bei seiner Elf vor allem eine klare Steigerung im Spiel mit dem Ball. „Das Passspiel war besser, präziser. Zudem hatten wir mehr Anspielmöglichkeiten“, sprach Marcel Yahyaijan von einer ausgeglichenen ersten Halbzeit. „Da hat sich vieles im Mittelfeld abgespielt. Wenn Nöttingen mal gefährlich wurde, war unser Torwart Dennis Klose zur Stelle“, blickt der 30-Jährige zurück.

Der Torjäger

Als dann Ibrahima Diakité einen Querpass eines Nöttingers erahnte und das Leder traumhaft aus gut 30 Metern ins Netz chippte, lagen die Villinger nach 43 Minuten mit 1:0 in Front. Damit hat der Franzose nicht nur zehn Saisontore auf dem Konto, sondern auch alle fünf Treffer der Nullachter – inklusive dem Pokalcoup in Bahlingen – im Jahr 2023 erzielt. Und wird der Torjäger auch in der kommenden Runde das 08-Trikot tragen? Erste Gespräche hätten stattgefunden. „Doch mit einer zeitnahen Entscheidung rechne ich derzeit nicht“, erinnert Marcel Yahyaijan – nun in seiner Rolle als Noch-Sportdirektor des Oberligisten – an das Vorjahr. Damals hatte der Franzose Ende Mai seinen Vertrag verlängert.

Die zweite Hälfte

Die 1:0-Führung der Nullachter hielt also bis in die Nachspielzeit. Zuvor hatte Fabio Liserra nach rund 60 Minuten aus zehn Metern das 2:0 der Villinger auf den Fuß. „Wir haben sehr gut gegen den Ball gearbeitet“, notierte der 08-Trainer keine herausgespielten Chancen der Nöttinger. Nur bei Standards wurde es gefährlich. Und dann schaute Marcel Yahyaijan kurz vor 17.30 Uhr in der Kleiner-Arena auf seine Uhr...

Die Trainerstimmen

Michael Wittwer, FC Nöttingen: „Wir haben ein ordentliches Oberliga-Spiel gesehen. Natürlich sind wir glücklich, dass wir in der letzten Minute das Tor gemacht haben. Man sieht von Woche zu Woche, dass unsere Mannschaft gerade das Selbstvertrauen nicht hat. Wir waren optisch überlegen – ohne in der ersten Halbzeit die ganz großen Torchancen zu haben. Die Jungs haben nie aufgegeben.“

Abdelrahman Medhat Mohamed wird von Matthias Stüber (links) attackiert. Foto: Eibner

Marcel Yahyaijan, FC 08 Villingen: Wir haben sehr leidenschaftlich gespielt – und vor allem über 90 Minuten gut verteidigt. Nöttingen wurde selten gefährlich und wenn, dann meistens über Standardsituationen. Aber sie hatten schon mehr Spielanteile und haben uns vor allem gegen Ende durchaus unter Druck gesetzt. Das Unentschieden müssen wir am Ende des Tages eben akzeptieren, auch wenn es durch den späten Ausgleich natürlich enorm bitter ist.“

08-Topspieler

Matthias Stüber
Der offensivstarke Linksverteidiger bekam von Coach Marcel Yahyaijan nach dem 1:1 beim FC Nöttingen ein Sonderlob. „Stübi hat es über 90 Minuten echt gut gemacht“, freute sich der Villinger Übungsleiter, dass der Spieler mit der Rückennummer 20 in der Kleiner-Arena auch im Spiel gegen den Ball einen überzeugenden Auftritt hinlegte. „Er hat gut gearbeitet“, sieht der 08-Trainer beim 25-Jährigen Fortschritte im Defensivverhalten. „Zudem hat Stübi seine Stärken im Spielaufbau eingebracht“, war der Abwehrmann auch für die spielerische Steigerung der Nullachter im Vergleich zum 1:2 gegen Neckarsulm entscheidend beteiligt. Nun hofft Marcel Yahyaijan, dass Matthias Stüber („Stübi ist ein super Junge“) am kommenden Samstag (14 Uhr) im Derby gegen den Offenburger FV wieder sein großes Potenzial abruft. „Wenn wir die Leistung vom Nöttingen-Spiel wiederholen, bin ich zuversichtlich, dass wir dann einen Heimsieg einfahren“, blickt der Trainer voraus. Aber aufgepasst: Offenburg schlug in einem Kellerduell am Samstag die Sport-Union Neckarsulm mit 1:0, hat damit seine Klassenerhaltschancen verbessert.