1. Juni 2024: Jonas Busam liegt am Boden, Physiotherapeutin Alica Cristilli kümmert sich um den verletzten Innenverteidiger. Foto: Eibner/Tobias Baur

Hiobsbotschaft Kreuzbandriss. Am 1. Juni, an einem für den FC 08 Villingen ganz besonderen Tag, erwischt es Abwehrchef Jonas Busam. Der 26-Jährige nimmt uns nach einem „ekelhaften Gefühl“ mit auf seinen langen Weg in Richtung Genesung. Am Ende soll das Comeback in einem Stadion steigen, in dem er schon als Balljunge Erfahrungen sammelte.

„Das war ein ekelhaftes Gefühl“, wird Jonas Busam nie den 1. Juni 2024 vergessen. Dabei hatte dieser Samstag im Frühsommer perfekt begonnen. „Wir sind ja eine Woche davor im Freiburger Dreisamstadion Pokalsieger geworden. Und nun peilten wir mit einem Sieg gegen Pforzheim die Oberliga-Meisterschaft und den direkten Regionalliga-Aufstieg an“, wollte der Abwehrchef der Nullachter unbedingt am Abend zusammen mit seinen Teamkameraden das Double so richtig ausgelassen feiern.

 

Der „ekelhafte“ Moment

Doch es sollte anders kommen. Es läuft die 40. Minute, da geht ein Raunen durch die mit 4100 Zuschauern sehr gut gefüllte MS Technologie-Arena. Jonas Busam liegt im eigenen Strafraum mit schmerzverzerrtem Gesicht auf einmal auf dem Rasen. „Ich wollte dann wieder aufstehen, doch das klappte nicht“, blickt der 26-Jährige auf den Moment des Schreckens zurück. „Ich habe sofort gewusst, dass da etwas so im Knie gekracht ist“, so der Innenverteidiger.

Zuvor war Busam in einen Zweikampf mit Pforzheim-Sturmroutinier Konstantinos Markopoulos verwickelt gewesen. „Eigentlich war alles im Rahmen, obwohl er mich schon leicht geschubst hatte“, kam der Villinger aber anschließend aus dem Gleichgewicht. Der Bewegungsapparat versagte, Busam musste per Trage in Richtung Sanitätsraum gebracht werden. „Meine Frau und mein Sohn, die auch unseren Aufstieg in Villingen miterleben wollten, kamen sofort dazu“, wurde der Abwehrmann dann von Mannschaftsarzt Dr. med. Tarek Schlehuber untersucht.

Jonas Busam bejubelte in 111 Spielen für den FC 08 vier Tore. Foto: Eibner/Thomas Hess

Nach der ersten Diagnose war klar, dass das Gefühl Busam nicht getrügt hatte. „Im Knie war etwas kaputt, wohl das Kreuzband betroffen“, ging es für den Nullachter dann mit dieser niederschmetterten Nachricht erst einmal in die Kabine.

Die zweite Halbzeit

Eine schnelle Dusche, dann schnappte sich der in Offenburg wohnende Innenverteidiger bereitgestellte Krücken. „Ich habe mich dann runter zur Spielerbank geschleppt“, wollte Busam unbedingt in dieser entscheidenden zweiten Halbzeit seinen Jungs nahe sein.

„Das war dann einfach unglaublich“, sah der 26-Jährige nach dem zwischenzeitlichen 1:2-Rückstand, wie die Nullachter durch zwei Treffer von Tevfik Ceylan in der Schlussphase noch das Spiel drehten. „Nie mehr Oberliga“, sangen Spieler und begeisterte Fans wenig später gemeinsam auf dem grünen Friedengrundrasen.

Der Abend, die Nacht

Klar, dass Jonas Busam auch die Meisterschale in die Höhe stemmte. Doch während es die restlichen Spieler so richtig krachen ließen, ging es für Jonas Busam mit Schmerzen und unguten Gedanken („Ich wusste, dass auf mich nun ein langer und schwerer Weg wartet“) zurück in die heimische Ortenau. „Zum Glück war meine Frau ja in Villingen und konnte fahren. Sonst hätte ich ein weiteres Problem gehabt“, versuchte der 08-Abwehrchef und Ersatzkapitän dann zu schlafen. „Doch daran war nicht zu denken. Ich habe kein Auge zugemacht“, lag dies auch an den Schmerzen.

Im Sommer 2021 wechselte Jonas Busam vom SV Oberachern in den Friedengrund. Foto: Eibner/Hahne

Da war es selbst für seine Frau Michele und die Kinder Louis (8) und Leano (2) schwer, den Ex-Nachwuchsspieler des SC Freiburg aufzumuntern.

Der Sonntag danach

Der nächste Tag, der Sonntag, begann mit dem nächsten Schock. Busam löste den Druckverband. „Darunter war alles geschwollen“, tauschte sich der im Sommer 2021 vom SV Oberachern nach Villingen gewechselte Abwehrmann intensiv mit Arzt Tarek Schlehuber und mit 08-Physiotherapeutin Alica Cristilli aus. „Sie haben alles gegeben, damit ich sehr schnell per MRT untersucht werden kann“, war Busam sehr erleichtert, als die Nachricht kam, dass er sich schon am Montag im Freiburger Orthozentrum, dort arbeitet Tarek Schlehuber, einfinden soll.

„Ich bin unserem Arzt und unserer Physiotherapeutin sehr dankbar, dass ich so schnell einen Termin bekommen habe“, sieht Busam dies nicht als eine Selbstverständlichkeit an.

Der Montag danach

Am Vormittag machte sich Jonas Busam auf nach Freiburg. Angekommen in der dortigen Heinrich-von-Stephan-Straße 8 standen intensive Untersuchungen, vor allem das MRT, an. Wenig später ist nicht nur der Riss des vorderen Kreuzbandes bestätigt. „Auch der Innen- und der Außenmeniskus waren angerissen“, begannen nun für den Innenverteidiger endgültig die langen Wochen und Monate der Wiederherstellung des schwer getroffenen Knies.

Die Operation

Wenig später stand bereits der OP-Termin fest. „Am 18. Juni sollte ich in Freiburg unter das Messer“, hatte Busam aber bis dahin jede Menge Vorarbeit zu leisten. „Dreimal pro Woche hatte ich Physio-Termine“, ging es zunächst auch darum, die enorme Schwellung in den Griff zu bekommen.

Jonas Busam spielte auch für die deutsche Nachwuchsnationalmannschaft. Foto: Eibner/Weiss

Zweieinhalb Wochen nach dem „ekelhaften Gefühl“ machte sich Busam dann erneut auf in die Stadt, in der er nicht nur Nachwuchsspieler des Sportclubs war, sondern auch als Balljunge für die Profis agierte.

„Ich war schon etwas nervös, das war meine erste OP überhaupt“, war der Nullachter am Abend erleichtert, dass der Eingriff ohne Komplikationen verlief. Auch die Bedingungen in Freiburg waren perfekt. Doch trotz gutem Essen, bester Betreuung und einem Einzelzimmer: Busam hatte mit Blick auf die kommenden Wochen Zweifel. „Ich wusste einfach nicht, was mich genau erwarten wird. Ganz wichtig war die Unterstützung durch meine Familie und die Freunde. Sonst wäre es noch schwerer geworden.“

Die Wochen nach der OP

Nach zwei Tagen im Orthozentrum ging es zurück nach Offenburg. Wieder standen drei Physioeinheiten pro Woche an. Langsam stellten sich die ersten (kleinen) Erfolge ein. Die Lymphdrainage machte sich bezahlt, die Elektrostimulation der Oberschenkelmuskulatur schlug an. „Ganz wichtig war auch, dass wir als Familie zusammen im August zehn Tage im Urlaub auf Mallorca waren“, sammelte Jonas Busam auf der spanischen Insel Kraft für die folgenden Wochen, die von weiteren Fortschritten („Der Bewegungsradius wurde immer etwas größer“) geprägt war.

So langsam rückte auch der nächste Fixpunkt im Genesungsprozess näher. „Es war aber klar, dass ich erst eine Reha mache, wenn sicher ist, dass ich dann dort in Sachen Belastbarkeit schon weit bin“, hatte Busam längst die Krücken wieder in die Ecke gestellt. Für die steilen Stufen der Sitztribüne in der MS Technologie-Arena kramte er die Laufhilfen aber dann doch wieder heraus. „Ich wollte ja meine Mannschaft bei den Heimspielen unterstützen“, sah der Abwehrchef aber von der Tribüne oder der Spielerbank aus so manche unnötige Niederlage des Regionalliga-Aufsteigers.

Die erste Reha

Im November war der Innenverteidiger dann so weit. Die Reha im nahen Berghaupten begann. „Muskelaufbau, vor allem am rechten Oberschenkel, Joggen auf dem Laufband und Outdoor oder Aquatraining: Busam arbeitete hart, mit immer größerer Zuversicht, am Comeback. Nach den sechs Wochen in Berghaupten ist klar, „dass ich dort noch einmal hin möchte“.

Die zweite Reha

Seit Montag ist Jonas Busam nun wieder im Top-Life-Gesundheitszentrum in Berghaupten angekommen. Wieder hat er drei Anwendungen pro Tag, dieses Mal soll aber auch der Ball wieder mit im Mittelpunkt stehen.

„Ich war schon zuvor mit einem Freund, der auch einen Kreuzbandriss hatte, auf dem Platz und habe etwas gekickt“, geht es nun auch darum, ballspezifische Übungen mit immer mehr Dynamik durchzuführen.

Das Comeback

Ins Mannschaftstraining, Coach Adam Adamos bittet am Samstag zur ersten Einheit des Jahres, kann Jonas Busam also noch nicht einsteigen.

Doch der Innenverteidiger hat einen Plan, besser großen Wunsch, wann er sein Comeback im schwarz-weißen Trikot feiern will. „Am 22. März spielen wir ja beim SC Freiburg II im Dreisamstadion“, würde Busam genau dort erstmals wieder zumindest im Villinger Kader stehen, wo er früher Dennis Aogo und Co. die Bälle zurückgebracht hatte.

Die Zukunft

Jonas Busam ist zudem zuversichtlich, dass die Nullachter bis dahin die Ausgangslage im Nichtabstiegskampf verbessert haben. „Noch ist alles möglich. Wir brauchen aber einen guten Start. Ich bin zuversichtlich, dass wir diesen hinlegen“, weiß der 26-Jährige, dass es beim FSV Mainz 05 II (11. Platz/22. Februar), gegen Hessen Kassel (17./1. März) und bei Eintracht Frankfurt II (16./8. März) gleich gegen Mitkonkurrenten geht.

Und wird Jonas Busam auch nach dem Sommer ein Nullachter sein? „Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass ich in Villingen bleibe, weil der Verein mir sehr am Herzen liegt. Aber es muss auch alles passen“, hat sich der Innenverteidiger in den vergangenen knapp vier Jahren zu einem echten Leistungsträger und Führungsspieler entwickelt.

„Wichtig ist aber, vor allem wegen der Familie und der Pendelei, dass bald Planungssicherheit besteht“, hofft der Abwehrspieler, dass bald dann erste Vertragsgespräche anstehen.

Die Zielgerade

Zunächst stehen aber noch bis zum Ende der kommenden Woche die weiteren Rehamaßnahmen in Berghaupten im Mittelpunkt. Jonas Busam ist auf der Zielgeraden auf dem langen und oft beschwerlichen Weg zurück nach einem Kreuzbandriss angekommen.