Kaffee (schwarz), Latte Macchiato, dazu eine Flasche Wasser – danach ist klar: Villingens neue Vorstände haben eine Mammutaufgabe vor sich. Es geht für den FC 08 „ums Überleben“.
Alexander Steudtner, Frederick Bruno und Dominik Falk hätten sich auch nicht vorstellen können, dass Coach Steffen Breinlinger ausgerechnet an dem Tag seinen Rücktritt erklärt, als wir uns im Villinger Café am Riettor treffen. Der Interview-Termin war lange zuvor ausgemacht. „Die Entscheidung von Steffen kam für uns alle überraschend“, gibt Alexander Steudtner zu.
Dies war nicht die einzige Überraschung, welche die drei neuen Vorstände des Oberligisten seit der Amtsübernahme („Heute kommen für jeden von uns lässig wieder fünf Stunden zusammen, die wir mit dem FC 08 beschäftigt waren“) erlebten.
Viele Altlasten müssen noch bereinigt werden, dazu bereitet die angespannte finanzielle Lage dem Trio große Sorgen. „Es geht für uns ums Überleben. Da gibt es nichts zu beschönigen“, betont Dominik Falk.
Doch das Vorstandsteam ist zuversichtlich, dass der FC 08 die Wende schafft. „Wir sind da für jede Unterstützung dankbar“, hofft Frederick Bruno, dass das Vereinsleben wieder viel mehr in Schwung kommt.
Wie geht es dem FC 08 zu Beginn des Jahres 2026?
Alexander Steudtner: Ganz klar, wir bewegen uns auf einem schmalen Grat. Wir kämpfen täglich, es geht immer wieder eine Tür auf. Es ist wirtschaftlich und finanziell ein echter Kraftakt, wir bekommen es aber hin. Das Ziel von uns ist ja, neue Strukturen aufzubauen und einmal über den Tellerrand zu schauen. Die Basis für neue Strukturen im ganzen Verein bildet natürlich die finanzielle Stabilität. Auf der Mitgliederversammlung wurden die Zahlen für 2024 ja präsentiert. Und da haben wir 130 000 Euro Verlust gemacht.
Auch für 2025, so hört man, sieht es wohl nicht besser aus.
Dominik Falk: Das Loch wird dann leider nicht kleiner. Ich habe zwar noch keine genauen Zahlen, aber wir werden für 2025 sicher keinen Gewinn schreiben. Es wird nicht besser. Damit haben wir also auch 2026 zu kämpfen. Wir sind dabei, Sparmaßnahmen einzuleiten. Aber Totsparen kann auch nicht die Devise sein. Erste Umstrukturierungen und Veränderungen greifen, benötigen aber auch Zeit. Jedoch gab es bereits Anpassungen im Bereich Jugend, Marketing und Infrastruktur.
Die finanziell sehr angespannte Lage hat natürlich auch Auswirkungen auf den Kader. Es stehen ja derzeit die Vertragsgespräche an. Wie ist der Stand der Dinge?
Frederick Bruno: Wir haben mit den Spielern in der Winterpause eine Analyse gemacht. Wir stehen in der Oberliga ganz solide da, das soll so bleiben. Wir wollen den Verein also auch sportlich stabilisieren. Und natürlich würden wir gerne den SBFV-Pokal holen. Klar ist, dass wir den Kern der Mannschaft halten wollen. Insgesamt wollen wir das Team noch regionaler aufstellen, noch mehr eigene Talente sollen eine Chance bekommen. Wir werden im Sommer eine schlagkräftige Mannschaft stellen.
Apropos Zukunft. Wie sieht allgemein der Plan aus?
Alexander Steudtner: Kurzfristig geht es – wie gesagt – um die finanzielle Stabilität. Zusätzlich möchten wir die Jugendstrukturen verändern. Wir wollen, und dies ist ganz wichtig, dass alle Trainer Lizenzen haben. Unser Ziel ist es, dass wirklich vermehrt eigene Talente in der ersten Mannschaft spielen. Die Entwicklung und Durchlässigkeit mit dem Weg aus der Jugend über die U21 hin zur 1. Mannschaft soll verbessert werden. Weiter möchten wir die Fangemeinschaften beleben, ein gutes Image aufbauen und attraktiven Fußball spielen. Wir wollen eine Top-Mannschaft auf dem Platz haben, die immer 100 Prozent Leidenschaft für den FC 08 gibt. Die Zuschauer sollen wieder gerne ins Stadion kommen.
Gibt es konkrete Maßnahmen, wie Sie diese Ziele erreichen wollen?
Frederick Bruno: In den vergangenen zwei Monaten sind viele Dinge auf uns eingeprasselt, mit denen wir gerechnet haben – und es gab eben auch Überraschungen. Deshalb geht es erst einmal darum, die vorhandenen Baustellen zu schließen. Wir wollen alle Leute wieder näher an den Verein bringen, nahbarer werden und eine positive Aufbruchstimmung entfachen. Ein erste Maßnahme war, dass der Eintritt im Derby gegen Singen für Nicht-Erwachsene umsonst war. Wir werden an den Spieltagen etwas machen, auch zusammen mit anderen Vereinen – und auch an der Fasnet. Wahrscheinlich gibt es ein 08-Stüble. Wir haben eine langfristige Strategie, welche auf der Verbindung zwischen Tradition und Zukunft basiert. Der Verein soll nachhaltig finanziell aufgestellt werden, durch eine starke Jugendarbeit, gesellschaftliche Identifikation sowie Integration gekennzeichnet sein. Wir möchten offen transparent und lösungsorientiert mit unseren Mitgliedern, Fans und Partnern kommunizieren.
Alexander Steudtner: Wir brauchen an Spieltagen wirklich jeden Mann, jede Frau. Wir müssen einfach schauen, dass die Leute wieder Spaß haben, beim FC 08 mitzuhelfen. Da wollen wir wieder hin. Das braucht aber eben auch Zeit, die Vergangenheit hat viel kaputtgemacht. Auch deshalb müssen wir in der Stadt mehr Präsenz zeigen, dazu mehr Mitglieder gewinnen. Wir wollen wieder attraktiv sein und als Einheit auftreten mit klarer Haltung, Stabilität und Leidenschaft für den Fußball.
Mehr Mitglieder bedeuten potenziell mehr Helfer, dazu Mehreinnahmen. Sollte der FC 08 den SBFV-Pokal gewinnen, würde aber gleich ein sechsstelliger Euro-Betrag auf das Konto kommen.
Dominik Falk: Der FC 08 überlebt sicher auch, wenn wir den Pokal nicht gewinnen. Wie aber – das ist die Frage! Man kann schon sagen, dass in der Restsaison der Pokal der Wettbewerb Nummer 1 für uns ist – ohne die Liga abzuwerten. Selbst wenn wir sportlich in die Regionalliga dürften, könnten wir aus struktureller und finanzieller Sicht gar nicht aufsteigen. Das muss man klar so sagen! Wir sehen dagegen eine realistische Chance, den Pokal wieder einmal nach Villingen zu bringen.
Sie sind für zwei Jahre gewählt. Wie steht der FC 08 Ende 2027 da, wenn es nach Ihren Wünschen läuft?
Alexander Steudtner: Wir hoffen, dass der FC 08 dann einen stabilen finanziellen Haushalt aufweisen kann. Sportlich wollen wir eine gute Rolle in der Oberliga spielen mit vielen jungen und regionalen Spielern. Dazu wollen wir die Strukturen schaffen, um irgendwann wieder über die Regionalliga nachdenken zu dürfen.
Frederick Bruno: Und ganz wichtig, wir wollen dann viel mehr echtes Vereinsleben haben. Es geht um mehr Identifikation zur Stadt, zur Region. Die Leute sollen wieder gerne wieder zu uns ins Stadion kommen. Fußball verbindet Generationen, schafft Begegnungen und Emotionen. Diese Werte wollen wir weiter vorleben, damit wir auch in Zukunft als Verein mit starkem „Wir-Gefühl“ auftreten. Wir wollen das die Mitglieder wieder stolz auf Ihren FC 08 sein können.
Dominik Falk: Dass wir der Leuchtturm der Region sind, der auch ein „netter und sympathischer Verein“ geworden ist. Es darf nicht mehr so sein, dass die Leute vom „arroganten FC 08“ reden. Es muss auch für Talente der benachbarten Vereine wieder toll sein, Spieler für die Entwicklung zu uns zu schicken. Wir stehen nicht in Konkurrenz, sondern die Vereine, von denen Spieler zu uns kommen, müssen einen Mehrwert haben. Es geht um das gute Miteinander.
Der langjährige Finanzvorstand Reinhard Warrle ist als Interimspräsident nun wieder an Bord. Was bedeutet das für Sie?
Dominik Falk: Reinhard war in der Vergangenheit eine Stütze und wird es nun wieder sein, darüber sind wir froh und dankbar. Reinhard kennt den Verein aus den letzten Jahren sehr genau, kennt die Höhen und Tiefen. Dies hilft uns sehr.
Frederick Bruno: So ist es. Wir freuen uns über jeden, der Bock hat, mit uns etwas zu bewegen. Wirklich jeder ist dazu eingeladen.
Alexander Steudtner: Wir sind offen für Ideen und natürlich auch für Kritik. Nur gemeinsam können wir es schaffen.