- Beim entscheidenden letzten Spiel der Regionalliga 1966/67 präsentiert sich das 08-Team mit Trainer Hans Neumeier (ganz rechts) vor dem Kasseler Aue-Stadion, wo ein überraschender 6:3-Sieg und somit der Klassenerhalt geschafft wurde. Foto: Repro Michael Eich

Der FC 08 Villingen kämpft als Aufsteiger in der Regionalliga Südwest mit großen Anlaufschwierigkeiten und belegt nach acht Spieltagen einen Abstiegsplatz. Als der Traditionsverein vor 58 Jahren erstmals in die Regionalliga Süd, der damals zweithöchsten Spielklasse, aufstieg, war die Situation vor allem nach der Hälfte der Vorrunde noch prekärer. Was dann folgte, geht als eine der größten Geschichten in die Vereinshistorie ein.

Das Team aus dem beschaulichen Villingen mit seinen damals 37.000 Einwohnern, dem kleinsten Spielort der Liga, mischte plötzlich im Konzert der vor allem finanziell viel besser ausgestatteten Mannschaften aus Städten wie Frankfurt, Stuttgart, Augsburg, Mannheim, Offenbach oder Fürth mit.

 

Zwar gelang zum Start zuhause gegen Darmstadt 98 vor 7000 Zuschauern nach Toren von Klaus Winterhalder und Robert Nies ein 2:0-Sieg, doch dann folgte für das Team von Trainer Hans Neumeier eine schlimme Negativserie.

8000 Fans im Friedengrund

Eine Woche nach dem Auftakterfolg musste man sich im südbadischen Derby beim Freiburger FC 0:2 geschlagen geben. Dann gab es gegen den bayrischen Mitaufsteiger BC Augsburg eine bittere 1:3-Heimniederlage. Und es wurde nicht besser. Beim VfR Mannheim gelang Gerd Büker zwar der 1:1-Ausgleich, aber am Ende hatten die Nullachter mit 1:3-Toren ebenfalls das Nachsehen.

Ausgerechnet am darauffolgenden Spieltag war der heiße Titelanwärter und spätere Meister Offenbacher Kickers im Friedengrund zu Gast. Vor der tollen Kulisse von 8000 Zuschauern gingen die Hessen 2:0 in Führung. Doch Günther Reinders und Jürgen Rauß glichen für die kampfstarken Nullachter aus. Am Ende gaben die Offenbacher nochmals Gas und gewannen 4:2.

Baur bietet Rücktritt an

Nach einem 0:2 bei Schweinfurt 05 rutschte der Neuling immer tiefer in den Abstiegsstrudel. Und es wurde noch schlimmer. Im Kellerduell bei Germania Wiesbaden setzte es eine 0:3-Niederlage, zuhause gegen den Tabellendritten SpVgg Fürth eine 1:6-Schlappe. Als Konsequenz bot der erste Vorsitzende Ernst Baur Präsident Oskar Kaiser gar seinen Rücktritt an.

Ein erster Lichtblick war am neunten Spieltag Mitte Oktober 1966 ein 0:0 bei der FSV Frankfurt. Als es eine Woche später gegen den Tabellenneunten Opel Rüsselsheim zuhause vor 5500 Zuschauern nach Treffern von Büker und Reinders zu einem 2:1-Sieg reichte, schöpften die Nullachter wieder Hoffnung.

Die Heimstärke und das „Wunder von Kassel“

Zudem hielten die einheimischen Fans ihrem FC 08 weiter die Treue, unterstützten das Team in der „Kampfbahn“ Friedengrund immer lautstark. Das war mit ausschlaggebend, dass ungeachtet von Rückschlägen zumindest zuhause gepunktet wurde. So blieb die Mannschaft nach der Winterpause bis zum Saisonfinale in Schlagweite zu einem Nichtabstiegsplatz.

Dann aber schien die Aufgabe nach einer 2:4-Heimniederlage vor 10.000 Zuschauern gegen den Tabellenzweiten Bayern Hof schier unlösbar zu sein. Denn Hans Neumeier und seine Mannen, die auswärts noch nie gewonnen hatten, mussten am letzten Spieltag in Kassel alle Punkte holen, um in der Regionalliga zu bleiben.

Dass, was später als „Wunder von Kassel“ in die FC 08-Historie einging, wurde wahr. Die Nullachter gewannen im Aue-Stadion sensationell mit 6:3 und schafften doch noch den nicht mehr erwarteten Klassenerhalt.