24 Grad, da kann ein schöner Sitzplatz auf der Terrasse im Schatten nicht schaden. Dazu ein Kaffee. Es ist Montagvormittag in der Villinger Hammerhalde. Nicht ein Montag, sondern DER Montag vor dem so enorm wichtigen SBFV-Pokalfinale des FC 08 Villingen in Emmendingen gegen den SV Oberachern (Samstag, 14.15 Uhr. Liveticker auf www.schwarzwaelder-bote.de/sport).
„Da geht es für beide Mannschaften um enorm viel“, ist es für Coach Reiner Scheu ein ganz besonderes Finale. Und dieses findet an einem Ort statt, an dem sich sein Trainerkreis schließen könnte.
Herr Scheu, wie sehen die letzten Stunden vor dem Anpfiff durch Schiedsrichter Stefan Ebe aus?
Wir werden uns am Samstag um 10.15 Uhr im Friedengrund zum gemeinsamen Essen treffen. Dann werden wir auch noch eingehend über den SV Oberachern sprechen, einige wichtige Dinge herausstellen. Beide Teams kennen sich natürlich gut – wir haben dazu ja mit Jonas Busam einen echten SVO-Kenner in unseren Reihen. Zudem gibt es auch noch Videos des Gegners – aber vor allem von unserer letzten Saisonphase. Da haben wir gezeigt, wie gut wir in der Offensive waren. Wir haben in den vergangenen elf Spielen 32 Tore erzielt, Meister Stuttgarter Kickers “nur“ 31. Damit waren wir zuletzt das gefährlichste Oberliga-Team. Es wird aber auch Bilder zu guten Szenen in Sachen Abwehrarbeit oder Raumaufteilung geben.
Es geht also darum, in der finalen Vorbereitungsphase die eigenen Stärken herauszustellen?
So ist es. Und wir haben es ja in der Offensive sehr gut gemacht. Das stimmt mich zuversichtlich für das Finale gegen den SV Oberachern. Dass wir dieses erreicht haben, ist auch der Verdienst meines Vorgängers Marcel Yahyaijan. Ohne Marcel, mit dem der FC 08 ja die hohe Viertelfinalhürde Bahlingen übersprungen hat, wären wir nicht im Endspiel.
Auf der anderen Seite standen zuletzt einige Gegentreffer und verspielte Führungen.
Ja, aber zum Fußball gehören eben auch Fehler. An der Abwehrleistung müssen wir aber schon noch ein bisschen etwas drehen. Das ist eine Sache, über die wir noch reden müssen. Aber große Veränderungen sind da natürlich nicht mehr möglich. Ich habe dazu ja schon mehrfach gesagt, dass mir ein 4:4 lieber als ein 0:0 ist. Es ist einfach sehr positiv, dass wir uns auch zuletzt gegen Mutschelbach so viele Chancen herausgespielt haben. In Sachen Gegentore in der Schlussphase habe ich noch keine richtige Antwort gefunden. Da hatten wir oft Überzahlsituationen, waren aber zu weit weg vom Gegenspieler.
Dass war im Sommer 2009 anders. Damals holten Sie mit dem FC 08 mit einem 3:1-Sieg nach Verlängerung gegen Offenburg den Pokal nach Villingen.
Ja, daran erinnere ich mich gerne. Es war übrigens bisher mein einziger SBFV-Cupsieg als Trainer, dazu kamen noch zwei, drei als Spieler.
Coolness gefragt
Und auf was kommt es in einem Endspiel besonders an?
Oberachern und wir sind auf Augenhöhe. Ganz klar ist die Tagesform deshalb sicher entscheidend. Dazu geht es um die besseren Nerven. Wir müssen – bei aller Anspannung – cool in das Spiel gehen, auch bei Rückschlägen cool bleiben. Das wird nicht einfach, weil die Bedeutung des Finals für beide Vereine enorm ist. Beide wollen unbedingt an den großen DFB-Pokal-Topf kommen. Wir dürfen nicht verkrampfen.
In Sachen Startaufstellung gibt es ja wenige Fragezeichen. Aber wer steht zwischen den Pfosten?
Beide Torhüter haben gut gehalten. Es ist noch offen, ob Dennis Klose und Kevin Ehmann spielt.
Und wer darf zu Beginn auf der rechten Außenbahn ran? Leon Albrecht feierte gegen Mutschelbach sein Comeback, Mokhtar Boulachab erzielte zuvor viele Tore.
So ist es. Mokhtar ist einfach ein Allrounder. Er ist einer der Spieler, die Feuer machen, wenn sie eingewechselt werden. Dies könnte wichtig sein. Aber Moki könnte auch von Beginn an spielen, eventuell auf einer zentraleren Position. Er hat sich enorm entwickelt, ist ein sehr wichtiger Bestandteil des Teams und wird auf jeden Fall zum Einsatz kommen.
Zu diesem entwickelt sich auch der junge Felix Zeiser.
Nico Tadic (Kreuzbandriss, Anm. d. Red.) fehlt uns natürlich sehr. Felix hat es aber echt gut gemacht. Vielleicht spielt aber auch eben Boulachab in Emmendingen neben Georgios Pintidis auf der Doppelsechs.
Der Trainerkreis
Apropos Emmendingen. Dort begann ja Ihre Trainerkarriere.
Dort habe ich nach dem Erwerb der Fußballlehrerlizenz im Jahr 1990 das erste Team betreut – als Nachfolger des großen Lutz Hangartner. Ich war drei Jahre in Emmendingen, das war eine schöne und erfolgreiche Zeit. Da fällt mir noch eine kleine Anekdote ein. Die Fans wollten mich immer auf ein paar Weinschorle einladen. Ich wollte aber nicht damit anfangen, da ich wenig Alkohol trinke und ja noch zurückfahren musste. Ich habe dann gesagt, dass ich immer in Villingen abgeholt und natürlich auch wieder zurückgefahren muss, wenn mein Führerschein deshalb weg ist. Dann war das Thema erledigt. Es ist sehr schade, dass der FCE nun in der Bezirksliga spielt.
Und nun könnte sich im Elzstadion Ihr Trainerkreis schließen? Anders gefragt: Sie werden – wie angekündigt – nach diesem Endspiel Ihre Trainerkarriere beenden?
Daran hat sich nichts geändert. Ich freue mich schon auf den 4. Juni, wenn die ganze Anspannung abfällt.