Der SV Oberachern verschaffte sich mit dem SBFV-Cup-Sieg gegen Villingen neue Möglichkeiten. Foto: Marc Eich

Trainerchaos in Holzhausen, ein Ex-Europacupspieler in Hollenbach, ein Ex-WM-Teilnehmer in Villingen und zwei große Meisterschaftsfavoriten: Vorhang auf für die Oberliga-Saison 2023/24.

Wenn am Freitagabend um 18 Uhr die Oberliga-Saison 2023/24 in Ravensburg (gegen Großaspach) eröffnet wird, dann gibt es im Gegensatz zu den vergangenen Jahren nicht den ganz großen Meisterschaftsfavoriten. Allerdings hat mit den Stuttgarter Kickers, die endlich den lange ersehnten Regionalliga-Aufstieg feierten, auch das größte Zugpferd (Heimzuschauerschnitt: 3457) die höchste Fußball-Amateurklasse Baden-Württembergs verlassen. Dies hat sich bei den Kontrahenten des FC 08 Villingen um Starneuzugang Marcel Sökler getan, das sind die wichtigsten Neuzugänge, das meinen die 17 Trainer, das sind die Ziele der 08-Gegner.

 

SG Sonnenhof Großaspach (2. der Vorsaison)

Erst Schockstarre nach der unglücklich verpassten (und angepeilten) Rückkehr in die Regionalliga über die Relegation, dann der überraschende Abgang von Coach Laki Sbonias zur U21 des 1. FC Köln, dann die Verpflichtung des bisherigen Holzhausen-Coaches Pascal Reinhardt als neuen Mann auf der Bank: Bei den nahezu unter Profibedingungen arbeitenden Sonnenhof-Kickern war im Sommer viel los. „Natürlich wollen wir jedes Spiel gewinnen. Aber das wollen andere Teams auch“, sieht Reinhardt vor allem den 1. CfR Pforzheim als größten Kontrahenten im Kampf um den Titel an. Der neue Großaspacher setzt in der neuen Saison auf einige hoffnungsvolle Neuzugänge. „Christian Mistl (SGV Freiberg, Anm. d. Red.), Benedikt Landwehr, Marius Kunde (beide Bissingen), Mert Tasdelen (SSV Ulm), der junge Lorenz Ender, der aus den USA kam, und Co. bringen uns weiter“, betont Reinhardt. Den FC 08 Villingen kann der SG-Coach noch nicht einschätzen. „Doch ein Marcel Sökler erhöht natürlich die Qualität enorm.“

1. CfR Pforzheim (3.)

Eine starke Rückrunde führte die Goldstädter noch auf Rang drei. „Damit waren wir überglücklich. Schade war nur, dass wir – wie der FC 08 Villingen – das Pokalfinale verloren (0:2 gegen Astoria Walldorf) haben“, will Alex Freygang vom Pforzheimer Trainerteam in der Runde 2023/24 nun voll angreifen. „Unser Ziel ist ein Platz zwischen 1 und 5“, betont der CfR-Coach. Neben Großaspach und Göppingen hat Freygang auch die Nullachter auf der Rechnung. „Villingen kann mit den starken Neuen vorne mitspielen“, freut sich der Pforzheimer, dass sich sein Team mit den Neuzugängen Yannick Sagert (Reutlingen), Mehmet Güzelcoban (Oberachern), Niklas Hofmeister (Fellbach) und Elvin Kovac (Ahlen) qualitativ verstärkt hat.

1. Göppinger SV (4.)

Konstanz zeichnet die Göppinger auf der Trainerbank aus: Gianni Coveli verlängerte seinen Vertrag gleich bis zum 30. Juni 2025. „In Sachen Kader gab es bei uns aber einen großen Umbruch. Acht, neun Spieler haben uns seit der Winterpause verlassen. Sechs, sieben Neue sind gekommen“, hofft Gianni Coveli, dass vor allem hoffnungsvolle Talente wie Mohamed Baroudi (Freiberg), Noah Hirth (Offenburg) oder Emmanuel McDonald (Neckarsulm) ihr großes Potenzial konstant auf den Rasen bringen.

Pforzheim um Coach Alexander Freygang ist einer der beiden großen Titelfavoriten. Foto: Eibner/Schüller

„Auf jeden Fall wollen wir wieder einen Platz in den Top 6 erreichen“, schiebt der Göppinger aber ganz klar Großaspach und Pforzheim die Favoritenrolle zu. „Villingen ist für mich, wenn der FC 08 Konstanz in seine Leistungen bringt, auch ein Top-6-Kandidat.“

ATSV Mutschelbach (5.)

Der Aufsteiger war die Überraschung der vergangenen Runde. Coach Dietmar Blicker will mit starken Neuzugängen wie Mert Yörükoglu (Astoria Walldorf), Jannis Rabold (1. FC Schweinfurt 05) oder Felix Kendel (24 Tore für Verbandsligist FC Zuzenhausen) auch in der neuen Runde für Furore sorgen. Doch der ATSV-Trainer stellt auch klar: „Für uns geht es erst einmal um den Klassenerhalt. Wir haben wichtige Spieler verloren“, hofft Blicker, der ebenfalls Pforzheim und Großaspach am Ende vorne sieht, dass die Neuzugänge schnell einschlagen.

SV Oberachern (6.)

„Villingen hat ein gutes Spiel gemacht, aber vielleicht waren wir einen Tick besser.“ So fasste SVO-Erfolgstrainer Fabian Himmel den verdienten 3:0-Sieg der Ortenauer gegen den FC 08 im südbadischen Pokalfinale zusammen. „Trotz der Pokaleinnahmen geht es für uns zunächst um den möglichst vorzeitigen Klassenerhalt“, sieht Himmel nicht nur in Großaspach und Pforzheim ganz andere Möglichkeiten und Rahmenbedingungen. „Auch Göppingen und Villingen gehören für mich zu den Top-Teams.“ Nicht nur Roman Angot (Bahlingen) und Nill Hauser (Nöttingen) sollen das Team verstärken. „Viele junge Spieler sind gekommen“, weiß Himmel, dass die Talente erst zu Leistungsträgern heranwachsen müssen.

FC Holzhausen (7.)

Nach dem überraschenden Abgang von Pascal Reinhardt nach Großaspach zog Mario Estasi (zuvor in Böblingen) zunächst beim Vorjahresaufsteiger die Fäden. „Noch bin ich in der Kennenlernphase, das ist auch für mich eine neue Situation“, gab Mario Estasi am letzten Dienstag des Julis zu. Keine 24 Stunden später war der Ex-Freiberger von seinen Aufgaben entbunden. „Das war schon eine etwas turbulente Zeit, aber wir schauen nun zuversichtlich nach vorne“, sagt der vom Co.– zum Cheftrainer beförderte Benjamin Maier. Diese strebt den Klassenerhalt an. „Wir wollen uns stabilisieren und ein fester Bestandteil der Oberliga werden.“ Als Titelfavoriten nennt Maier ebenfalls Pforzheim und Großaspach. „Villingen, Neuzugang Marcel Sökler ist für 20 bis 30 Tore gut, ist für mich ein Kandidat für das vordere Tabellendrittel.“ Stürmer Harut Arutunjan, der Ex-Villinger Lars Czerwonka (beide 1. FC Rielasingen/Arlen) und Offensivallrounder Lysander Skoda (VfL Nagold) sind neu an Bord. Vorne soll es aber vor allem weiter Torjäger Janik Michel wieder richten.

FSV Hollenbach (8.)

Ex-Europacupspieler Martin Lanig (VfB Stuttgart, 1. FC Köln, Eintracht Frankfurt) ist nicht nach Hollenbach gekommen, um nur den Klassenerhalt zu feiern. „Mir macht es einfach viel Spaß, mit jungen Spielern zu arbeiten. Ich finde die Philosophie des Vereins gut. Wir wollen junge Spieler aus der Region hier weiterbringen. Sie können dabei auch von meiner Erfahrungen profitieren“, meinte Lanig, kurz bevor er sich mit den Hollenbachern auf in Richtung Lautenbach machte, um sich bei einem Trainingslager den Feinschliff für die neue Saison zu holen.

Bissinger Jubel, Reutlinger Frust – so sah es oft in der vergangenen Runde aus. Foto: Eibner/Baur

„Wir wollen dort die Abläufe weiter verfeinern.“ Dann geht es also auch darum die zahlreichen Neuen – darunter Marc Göltenboth und Niklas Breuninger aus Ilshofen – weiter zu integrieren. Auch der Ex-Profi nennt Großaspach und Pforzheim als seine Favoriten. Mit dem FC 08 „habe ich mich bisher noch nicht groß beschäftigt.“

FSV 08 Bietigheim-Bissingen (9.)

Markus Lang hofft auf mehr Konstanz in der neuen Runde. Neuzugänge wie Tim Häußermann (Großspach) sollen helfen, dies zu erreichen. „Es gab bei uns schon einen Umbruch“, freut sich Lang, dass gleich acht Neue den Weg an den Bruchweg fanden. Ziel sei es also, insgesamt eine im Vergleich zur vergangenen Runde konstantere Saison zu spielen. „Wenn uns dies gelingt, dann können wir auch in den Top 6 landen“, weiß der FSV-Trainer aber, dass dafür die jungen Talente schnell ihr ganzes Potenzial abrufen müssen. Hinter den Topfavoriten aus Großaspach („Dort gibt es ja Profistrukturen“) und Pforzheim traut Lang dem FC Villingen um Ex-WM-Spieler Ryszard Komornicki eine gute Rolle zu.

FC Nöttingen (10.)

Dirk Rohde soll es nun beim ambitionierten FC Nöttingen richten. Mittelstürmer Yannick Becker (Elchesheim) und Luca Egolf (zuletzt FC Astoria Walldorf) sind nur zwei von zahlreichen Neuzugängen. „Es gab schon einen größeren Umbruch“, spürt Rohde aber nicht den ganz großen Druck. „Aber natürlich wollen wir uns im Vergleich zur vergangenen Runde verbessern.“ Großaspach und Pforzheim würden die Plätze eins und zwei unter sich ausmachen. „Villingen hat mit Marcel Sökler natürlich einen überragenden Stürmer geholt.“

Offenburger FV (12.)

Dank einer starken Rückrunde feierte der OFV noch den Klassenerhalt. Sascha Ruf lauschte nicht nur beim Trainerkongress in Bremen Bundestrainer Hansi Flick zu, sondern blickt auch auf eine gute Vorbereitung zurück. „Ich bin zufrieden“, ging es auch darum, Neue wie Jakob Distelzweig (Bahlingen) oder Stürmer Jannik Schwörer (Hofstetten) zu integrieren. Vor allem stießen aber viele bisherige U19-Spieler des OFV in den Oberliga-Kader, dazu konnte der starke Stephane Dzikang Njike gehalten werden. „Die Talente haben sich in der Vorbereitung gut geschlagen“, blickt Ruf zuversichtlich auf die neue Saison. „Zunächst geht es um den Klassenerhalt, wir wollen an die guten Leistungen der Rückrunde anknüpfen.“ Auch der Offenburger sieht am Ende die Teams aus Großaspach und Pforzheim vorne. „Der FC 08 sollte sich im Vergleich zur vergangenen Runde steigern können.“

TSG Backnang 1919 (13.)

Zur Winterpause übernahm der Ex-Nullachter Mario Klotz das Team – und schaffte nach hartem Kampf den Ligaverbleib. „Die Liga ist nun noch ausgeglichener. Für uns geht es um den Klassenerhalt“, denkt Klotz auch an einige Leistungsträger, welche die TSG verlassen haben. Dafür kamen viele „junge und hungrige Spieler“, aber auch Cracks wie Loris Hoffmann, Niklas Mahler (beide Bissingen) oder David Müller (früher Stuttgarter Kickers und Freiberg), der aber lange verletzt war. Hinter Großaspach und Pforzheim sieht Klotz Göppingen und Villingen als Teams mit Außenseiterchancen an.

SSV Reutlingen 05 (14.)

Lange musste der Ex-Zweitligist um den Klassenerhalt zittern. Nun soll es an der Kreuzeiche wieder besser laufen. „Ich bin da nach einem großen Umbruch sehr optimistisch“, sieht Trainer Maik Stingel den Kader durch Neue wie Luca Plattenhardt (Homburg), Stefan Ilic (SSV Ulm) oder Rückkehrer Mirhan Inan (Göppingen) gut aufgestellt. Dem FC 08 traut der Coach – hinter Großaspach und Pforzheim – durchaus die Rolle eines „Geheimfavoriten“ zu.

FV Ravensburg (15.)

Nach dem Last-Minute-Klassenerhalt gab es in Ravensburg einen, so Coach Michael Schilling, „gewollten und gezielten Umbruch“. Zahlreiche Neue kamen. Darunter sind John Schmidtke und Marek Bleise, die Schilling aus seiner Zeit in Rielasingen noch gut kennt. „Wir sind einen Schritt weitergekommen, haben eine gute Mischung im Team. Es geht vor allem darum, die vielen jungen Spieler weiterzubringen“, will der FVR-Coach in der neuen Saison nichts mit dem Abstiegskampf zu tun haben. Neben dem Sonnenhof und dem 1. CfR schätzt Schilling auch den FC 08 als „ein starkes Team“ ein.

VfR Mannheim (Aufsteiger)

Dem Verbandsliga-Meister von Baden trauen viele Experten eine sehr gute Rolle zu. Coach Volkan Glatt hält aber den Ball flach: „Trotz aller berechtigten Euphorie – zunächst geht es für uns um den Klassenerhalt.“ Mit Verstärkungen wie Christoph Becker (FCA Walldorf, 225 Regionalliga-Spiele) sei es aber durchaus der Anspruch, für einige Überraschungen zu sorgen. Pforzheim und Großaspach sind die ersten Titelanwärter des VfR-Meistertrainers.

FC Denzlingen (Aufsteiger)

Beim Meister der Verbandsliga Südbaden 2022/23 hat Marco Dufner das Zepter übernommen. Klar, dass der Nachfolger von Florian Kneuker in der Offensive vor allem auf den Ex-Nullachter Erich Sautner – Torschützenkönig – und Mittelstürmer Santiago Fischer (Bahlinger SC) setzt. „Erich ist extrem clever, plagt sich leider aber noch mit einer Entzündung im Sprunggelenk herum. Santiago ist ein echter Neuner, bringt sehr viel Qualität mit“, ärgert sich Dufner aber, dass gleich vier Leistungsträger der vergangenen Runde aufgrund von Verletzungen bisher noch in der Vorbereitung fehlten. Ziel der Denzlinger ist klar der Klassenerhalt. „Und wir wollen unseren attraktiven Fußball durchbringen.“ Erste Titelanwärter für Dufner sind Großaspach und Pforzheim. „Aber auch den FC Villingen zähle ich zu den Favoriten.“

TSV Essingen (Aufsteiger)

„Der Aufstieg in die Oberliga ist der größte Erfolg der Vereinsgeschichte“, spürt TSV-Trainer Simon Köpf nach der Verbandsliga-WFV-Meisterschaft immer noch eine große Euphorie. Klares Ziel sei der Klassenerhalt, zu dem auch Tim Seifert (Berliner AK) und Tom Österle (VfR Aalen) beitragen sollen. „Für mich sind Großaspach und Pforzheim die klaren Titelfavoriten“, betont der Ex-Spieler der Stuttgarter Kickers.

1. FC Normannia Gmünd (Aufsteiger)

Der Sieger der Aufstiegsrunde zur Oberliga hatte nur zwei Wochen Pause, bevor die Vorbereitung startete. „Man merkt, dass die Stadt Gmünd wieder heiß auf Oberliga-Fußball ist“, will Trainer Zlatko Blaskic unbedingt den Klassenerhalt schaffen. Dabei helfen sollen acht Neue, darunter Luca Benz (Hamburger SV II). „Luca ist aber noch verletzt.“ Blaskic sieht ebenfalls den Sonnenhof und den 1. CfR in der Favoritenrolle.