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FBI in der Kritik Verdächtiger Boston-Attentäter im Verhör

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Der überlebende mutmaßliche Bombenattentäter des Boston Marathon, Dschochar Zarnajew, ist am Sonntagabend (Ortszeit) im Krankenhaus aufgewacht. Foto: dpa

Washington - Eine Woche nach dem Bombenanschlag auf den Boston-Marathon haben die Ermittler erste Antworten: Der schwerverletzte mutmaßliche Attentäter beantwortete den Ermittlern nach US-Medienberichten am Montag schriftlich Fragen. Details wurden zunächst nicht bekannt. Der 19-jährige Dschochar Zarnajew ist nach Ärzte-Angaben seit Sonntagabend (Ortszeit) bei Bewusstsein, kann jedoch wegen einer Schusswunde am Hals nicht sprechen. Derweil gerät die US-Bundespolizei FBI immer mehr in die Kritik: Sie soll russische Hinweise auf den bei der Polizeijagd getöteten Bruder Zarnajews, den 26 Jahre alten Tamerlan, nicht ernst genommen haben.

Die Kongressabgeordneten Michael McCaul und Peter T. King sprachen von einem „geheimdienstlichen Versagen“, wie die „New York Times“ berichtete. Der Fall werfe ernsthafte Fragen über die Wirksamkeit der Terrorismusbekämpfung in den USA auf, schrieben die beiden Republikaner in einem an das FBI, das Heimatschutzministerium und den Chef der Nationalen Nachrichtendienste adressierten Brief, aus dem auch „USA Today“ zitierte. McCaul ist der Vorsitzende des Ausschusses für Heimatschutz im US-Repräsentantenhaus und hat Zugang zu Geheimdienstinformationen, auch King ist Terrorismusexperte.

Der getötete Tamerlan Zarnajew sei bereits der fünfte Verdächtige seit den Anschlägen vom 11. September 2001, dem Verstrickungen in einen terroristischen Angriff vorgeworfen werde, während er unter FBI-Beobachtung stehe, hieß es. Das FBI hatte Tamerlan als „radikalen Islamisten“ im Visier und auf Wunsch einer ausländischen Regierung überprüft. Laut US-Medien bestätigte die Behörde inzwischen, dass es sich dabei um Russland gehandelt habe.

FBI-Agenten hatten Tamerlan und Familienangehörige verhört. Die für die innere Sicherheit zuständige Bundespolizei nahm ihre Untersuchungen aber nicht wieder auf, als Tamerlan im Sommer 2012 von einer sechsmonatigen Reise nach Dagestan und Tschetschenien in die USA zurückkehrte, wie Mitarbeiter einräumten. Nach Informationen der „New York Times“ hatte er sich nach seiner Rückkehr radikalisiert.

Tamerlans sieben Jahre jüngerer Bruder Dschochar wird im Beth Israel Deaconess Medical Center von Boston behandelt, wo auch elf der Bombenopfer liegen. Fahnder der Bundespolizei FBI mutmaßten, dass der 19-Jährige sich seine Schusswunde am Hals selber zugefügt haben könnte, um sich vor seiner Ergreifung durch die Polizei am Freitag das Leben zu nehmen.

Zarnajew sollte nach Aussagen der Ermittler in Kürze von einem Bundesrichter angeklagt werden. Da er sich in einem sehr kritischen Zustand befinde, sollte der Richter oder ein Vertreter ihn an seinem Krankenbett über die Anklagepunkte informieren. Die Anklageverlesung werde dann später erfolgen.

Der Verdächtige muss mit der Todesstrafe rechnen

Der Verdächtige muss mit der Todesstrafe rechnen. Massachusetts hat sie zwar abgeschafft, die USA als Staat aber nicht. Streitpunkt war auch, ob Zarnajew bei seiner ersten Anhörung ein Recht zu schweigen oder auf einen Anwalt hatte. Das Justizministerium hatte vorläufig entschieden, ihn ohne diese sogenannten „Miranda-Rechte“ zu vernehmen. Eine Ausnahmeregelung macht dies möglich, wenn unmittelbare Gefahr für die Bevölkerung besteht und der Festgenommene als „feindlicher Kämpfer“ identifiziert ist.

Die mutmaßlichen Bombenattentäter des Boston Marathons planten nach Auffassung der Ermittler womöglich noch weitere Anschläge. Wie der Bostoner Polizeichef Ed Davis am Sonntag dem TV-Sender CBS sagte, hätten die Beamten im Rahmen ihrer Verfolgung der beiden Brüder Tamerlan und Dschochar Zarnajew ein ganzes Arsenal hausgemachter Bomben und Materialien sichergestellt. „Wir haben auf Basis der gefundenen Beweise allen Grund zu der Annahme (...), dass sie noch weitere Menschen attackiert hätten“, so Davis.

Bei dem Anschlag am vergangenen Montag waren drei Menschen getötet worden - unter ihnen ein achtjähriger Junge. Rund 180 Läufer und Zuschauer wurden verletzt.

Genau eine Woche nach dem Anschlag mit drei Toten und rund 180 Verletzten waren die Bewohner des US-Staates Massachusetts am Montag aufgerufen, der Opfer zu gedenken. Bostons Bürgermeister Thomas Menino und Gouverneur Deval Patrick riefen zu einer Schweigeminute um 20.50 Uhr (MESZ) auf, dem Zeitpunkt der Explosionen. Anschließend sollen in ganz Massachusetts die Kirchenglocken läuten.

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