Ein unvergessliches Faustball-Wochenende in der Walter-Lindner-Sporthalle endet für den Gastgeber mit dem Gewinn der Bronzemedaille bei der deutschen Meisterschaft.
Ende gut, alles gut. Nach einem Wochenende mit großen Glücksgefühlen am Samstag und einer herben Enttäuschung am Sonntagvormittag endete die deutsche Faustball-Meisterschaft der Frauen in Calw mit dem hochverdienten dritten Platz für den TSV Calw.
Titelverteidiger verteidigt Titel
Titelverteidiger TV Jahn Schneverdingen besiegte im Niedersachsen-Finale den Ahlhorner SV, der TSV Dennach ging leer aus.
Am Samstag zeigten sich die Calwerinnen von ihrer besten Seite, am Sonntag von ihrer kämpferischsten.
Starker Start
Wie stark war das denn? Die „Löwinnen“ besiegen zunächst ihre anfängliche Nervosität vor dem euphorischen Heim-Publikum, dann den Ohligser TV und später Titelverteidiger und Weltpokalsieger TV Jahn Schneverdingen – jeweils klar mit 3:0. Im Sauseschritt zogen sie ins Halbfinale am Sonntag ein. „Das war ein Bilderbuchstart in die Meisterschaft zu Hause“, freute sich Samantha Lubik, die in der Mitte am Samstag zwei ganz starke Spiele ablieferte, nach getaner Arbeit. Ein Sonderlob hatte sich vor allem auch Angreiferin Henriette Schell verdient.
Henriette Schell sensationell
Nach ihrer mehr als halbjährigen Verletzungspause mit Schulter-Operation und nur allmählicher Aufbauphase in dieser Hallenrunde war die Weltmeisterin und World-Games-Siegerin nun fast wieder bei 100 Prozent. Sie wurde in beiden Spielen der Calwerinnen am Samstag von der Jury zum „Player of the Match“ gewählt.
Stimmen zum Samstag
Sonja Pfrommer (TSV Dennach): „Wir kamen nicht in bester Verfassung nach Calw. Maya Mehle war fiebrig und konnte nur kurz spielen. Ich war letzte Woche krank und konnte das einfach nicht kompensieren. Spielertrainerin Anna-Lisa Aldinger war auf Fortbildung, im Faustball geht der Beruf nun mal vor. Wir sind vorne nicht ins Rollen gekommen. Unsere Abwehr hat einen tollen Job gemacht und gekämpft, das Zuspiel war nicht sehr konstant, das können wir besser. Man muss sagen: Die Gegner waren diesmal einfach besser.“
Samantha Lubik (TSV Calw): „Das war ein Bilderbuchstart in die deutsche Meisterschaft zu Hause. Anfangs haben wir mit großer Nervosität gekämpft vor diesem Riesenpublikum. Die erste Auszeit bei 2:6-Rückstand hat gutgetan. Jeder hatte bereits seine ersten Ballberührungen gehabt und wir konnten neu starten. Das haben wir super gemacht und dann ist es einfach gelaufen.“
Melanie Münzenmaier (Trainerin TSV Calw): „Gegen den Ohligser TV waren wir vor der großen Kulisse zu Hause anfangs sehr nervös, aber wir haben uns stark reingekämpft. Vor dem Turnier hatten wir nicht so recht gewusst, wo wir stehen. Wir haben den schwierigen Start gut weggesteckt und uns einfach immer auf den kommenden Ball fokussiert. Henny (Henriette Schell) war richtig gut und Samy (Samantha Lubik) stark in der Mitte, auf der Linie und im Zuspiel. Gegen Schneverdingen ging es um nichts, aber wir wollten den Schwung aus dem ersten Spiel mitnehmen. Später konnten wir ein wenig ausprobieren mit Laura Flörchinger vorn. Am Sonntag gilt’s und es geht wieder bei Null los.“
„Episches Halbfinale“
Bei prächtiger Stimmung in der proppenvollen Walter-Lindner-Sporthalle am Sonntagmorgen trafen die Calwerinnen auf den Ahlhorner SV, der sich tags zuvor gegen den TSV Dennach in bestechender Form präsentierte. Nach einem schwachen Start der erneut sehr nervösen Heimmannschaft entwickelte sich ein Match, das der Redakteur des Nationalverbands Faustball Deutschland als später „episches Halbfinale“ betitelte. In einem Spiel mit Endspielcharakter waren die Calwerinnen insgesamt um einen einzigen Ball unterlegen und gratulierten den Niedersächsinnen nach rund zweistündigem kraftraubenden Duell zum letztlich verdienten Sieg mit 6:11, 8:11, 11:8, 11:5, 13:15.
Im zweiten Halbfinale unterlag auch der andere Gruppen-Erste des Vortags, TV Segnitz, gegen eine Nordmannschaft – Schneverdingen – mit 1:3 Sätzen. Entsprechend enttäuscht waren die Mainfränkinnen, die mit einem stimmgewaltigen Fanclub anreisten. Nach kurzer Verschnaufpause traten die Süd-Teams zum „kleinen“, aber umso lauteren Finale an.
Umkämpftes Bronze-Spiel
Das Zwei-Stunden-Match mit Ahlhorn war dem Heimteam beim Spiel gegen den TV Segnitz anzumerken. Alle Akteurinnen auf dem Platz mussten dem anstrengenden Turnier Tribut zollen. Bei den Calwerinnen stimmten die Abläufe nicht mehr, die Bälle kamen nur mühevoll und ungenau nach vorn. Henriette Schell, die am ganzen Wochenende den Löwenanteil der Angriffsarbeit erledigen musste, tat sich zunehmend schwer zu punkten. Die Luft war scheinbar raus. Als nach 7:11 im ersten auch der zweite Durchgang mit dem knappsten aller Ergebnisse (14:15) zugunsten des TV Segnitz endete, sah mancher schon das Spiel gelaufen.
Doch dann wendete sich das Blatt, und die „Löwinnen“ zeigten einmal mehr ihre Krallen und Kämpferqualität. Mit Laura Flörchinger vorn rechts und einer eindrucksvoll aufspielenden Henny Schell kämpft sich der TSV zurück ins Spiel. Satz drei ging mit 11:7 an das Heimteam, mit demselben Ergebnis wurde dann der Ausgleich perfekt gemacht. Wieder musst der fünfte Satz die Entscheidung bringen – und in dem machte Calw aus einem frühen 1:2 ein deutliches 8:2. Segnitz gelang nur noch Ergebniskosmetik. Gleich den ersten Matchball nutzte Schell zum 11:8. Bronze bleibt in Calw – Ende gut, alles gut.
Finale eine klare Sache
Der Ahlhorner SV konnte im Finale dem auf allen Positionen hervorragend besetzten Titelverteidiger aus Schneverdingen nicht mehr viel entgegensetzen. Zu viel Körner wurden im Halbfinale gegen Calw liegen gelassen. Die „Heidschnucken“ gewannen mit 3:1 und haben ihren nächsten Meistertitel der Frauen – Nummer 26 in der Vereinsgeschichte – verdient gewonnen. Die einzige Turnierniederlage mussten sie am Vortag gegen Calw einstecken.
Sabdra Junot zieht Bilanz
Sandra Janot, Kapitänin TSV Calw: „Ich glaube, ich habe noch nie so gezittert wie an diesem Wochenende. Ich bin unfassbar stolz auf meine Mannschaft. Jede Einzelne, egal ob auf oder neben dem Spielfeld, war zum Saisonhöhepunkt auch mit der Leistung voll da. Der erste verlorene Satz im Halbfinale gegen Ahlhorn war ganz klar der Nervosität geschuldet. Ich dachte schon das wird heute nichts. Aber dann haben wir nach dem unglücklichen zweiten Satz wieder unseren Spirit gezeigt. Am Ende ging es hopp oder top, da hatten wir das Nervenflattern mit Fehlern in der Abwehr, leider auch von mir. Dass es uns dann gelungen ist, das Spiel um Platz 3 gegen Segnitz – erneut mit einer Riesenmoral – zu drehen und zu gewinnen, das macht mich einfach überglücklich und stolz.“
Die Ergebnisse
TV Jahn Schneverdingen – Ohligser TV 3:1 (7:11, 11:5, 14:12, 12:10), TV Segnitz – TSV Dennach 3:1 (11:8, 9:11, 11:8, 11:7), TSV Calw – Ohligser TV 3:0 (11:9, 12:10, 11:7), Ahlhorner SV – TSV Dennach 3:1 (11:7, 7:11, 12:10, 11:9), TV Jahn Schneverdingen – TSV Calw 0:3 (4:11, 10:12, 4:11), TV Segnitz – Ahlhorner SV 3:2 (10:12, 6:11, 11:9, 11:3, 11:5).
Halbfinals: TSV Calw – Ahlhorner SV 2:3 (6:11, 8:11, 11:8, 11:5, 13:15), TV Segnitz – TV Jahn Schneverdingen 1:3 (8:11, 11:7, 5:11, 9:11).
Um Platz 3: TV Segnitz – TSV Calw 2:3 (11:7, 15:14, 7:11, 7:11, 8:11).
Finale: TV Jahn Schneverdingen – Ahlhorner SV 3:1 (11:8, 11:9, 8:11, 11:2).
Platzierungen: 1. TV Jahn Schneverdingen, 2. Ahlhorner SV, 3. TSV Calw, 4. TV Segnitz. 5. Ohligser TV und TSV Dennach.