Die Faustballer des TSV Calw lassen den Nord-Meister TV Brettorf vor 250 Zuschauern abblitzen und wahren ihre Chance auf die Teilnahme am Final-4 in Stuttgart.
Es war das bedeutendste Heimspielereignis dieser Saison in der Walter-Lindner-Sporthalle für die Calwer Faustballabteilung und wurde zum finalen Höhepunkt. 250 Zuschauer aus nah und fern ließen sich das Viertelfinal-Hinspiel zur deutschen Meisterschaft am Samstagabend nicht entgehen.
TSV Calw – TV Brettorf 5:4 (9:11, 11:7, 8:11, 11:7, 11:9, 4:11, 8:11, 11:2, 11:8). Das Duell zwischen dem Vierten der Südstaffel und dem bis dahin ungeschlagenen Nord-Meister aus Niedersachsen ging über die volle Distanz von neun Sätzen und endete nach 2:18 Stunden zugunsten des als Außenseiter gehandelten Heimteams.
Der TV Brettorf, Dauergast bei DM-Endrunden in Halle und Feld, hatte in der bisherigen Saison kein Spiel verloren, lediglich fünf Sätze abgegeben.
Dominanz in der Nordstaffel
Diese Dominanz in der Nordstaffel begründet sich auch darin, dass die Mannschaft letzten Herbst noch an Qualität gewonnen hat: Johannes Jungclaussen, Hauptangreifer der Nationalmannschaft, mehrfacher Welt- und Europameister, zog von seinem Heimatverein TV Vaihingen/Enz mit seiner Frau Ida (geborene Hollmann, zuvor beim TSV Calw) in deren Heimat.
Anfangs wirkten die Nordlichter aber ebenso verunsichert wie die Calwer. „Unsere Abwehr musste sich an die – verglichen mit unserer Halle – niedrige Decke gewöhnen“, konstatierte Klaus Tabke, seit 2018 Trainer der Brettorfer.
Nervosität ein Problem
Doch auch bei 8:4-Ballführung konnten die Calwer ihrerseits nicht ihre Nervosität ablegen. „Wir haben erstmals gegen dieses Team gespielt, es war ein aufgeregtes und hektisches Abtasten“, so Calws Coach Thomas Stoll. Die Gäste unter der Regie von Kapitän Malte Hollmann nutzten dies und fuhren noch den Satzgewinn ein.
In dem Duell auf Augenhöhe entschieden Kleinigkeiten. Zunächst glich Calw aus, ging dann aber mit 1:2 Sätzen in die erste 10-minütige Verschnaufpause. Mit breiter Brust legten die Löwen nun vor, gingen mit 3:2 in Führung, wurden jedoch erneut von Brettorf gekontert. Mit 3:3 Sätzen ging es in die Entscheidung.
Mitte des siebten Durchgangs nutzte Brettorf eine Calwer Schwächephase mit vier Ballgewinnen in Folge (von 5:4 auf 5:8) und ging zum dritten Mal nach Sätzen in Führung. Brettorf schien nun seiner Favoritenstellung gerecht zu werden, doch der TSV Calw wehrte sich.
Und wie: Aus einem Rückraum-Bollwerk und präzisem Zuspiel heraus (Philipp Kübler, Nick Stoll, Leandro Schmidberger), und mit starken Angriffen und Blockgewinnen (Raphael Schlattinger, Markus Kraut) schafften die Calwer erst ein überdeutliches 11:2 und verwandelten zehn Minuten später ihren fünften von sechs Matchbällen.
Vorteile im Rückspiel
Am kommenden Samstag ab 19 Uhr folgt die Revanche in der „Hölle Nord“, im 600 Kilometer entfernten faustballverrückten Brettorf (Landkreis Oldenburg).
Dabei genießt der TSV Calw allerdings einen leichten Vorteil aufgrund des neuen Play-off-Modus‘: Gewinnt Brettorf das Rückspiel – egal, mit wie vielen Sätzen Vorsprung –, so muss unmittelbar im Anschluss ein einziger Entscheidungssatz her. Wer diesen dann für sich entscheidet, zieht das Ticket zum Final 4, am 28. Februar und 1. März in der Stuttgarter SCHARRena.
Die Aufstellungen
TSV Calw: Nick Stoll, Raphael Schlattinger, Leandro Schmidberger, Philipp Kübler, Markus Kraut.
TV Brettorf: Hauke Rykena, Johannes Jungclaussen, Tom Hartung, Hauke Spille, Moritz Cording, Malte Hollmann.
Das sagen die Trainer
Klaus Tabke, Trainer TV Brettorf: „Die Calwer und vor allem Raphael Schlattinger hatten am Ende auf alles, was wir probiert hatten, die besseren Antworten parat.“
Thomas Stoll, Trainer TSV Calw: „Wir haben versucht, nach den ersten viel zu hektischen Sätzen Ruhe ins Spiel zu bringen. Das ist uns gelungen. Mit zunehmender Spieldauer waren wir sehr konstant. Alle haben gut gearbeitet, Raphael Schlattinger zeigte wieder eine tadellose Leistung. Nun haben wir eine gute Chance, auch in Brettorf zu bestehen – aber wir müssen uns auf unser Spiel besinnen.“