Honigbienen sitzen auf einer Wabe. Imker in der Region hoffen, dass sich die Bestände bald wieder erholen. Foto: dpa/Sebastian Gollnow

Es ist das wohl größte Bienensterben, das der Schwarzwald-Baar-Kreis je gesehen hat: Millionen Bienen wurden seit Ausbruch der Faulbrut in der Region Mitte August bereits getötet.

Mitte August wurde im Schwarzwald-Baar-Kreis wahr, was viele bereits bangen Blickes kommen sahen: Die Amerikanische Faulbrut war im Schwarzwald-Baar-Kreis festgestellt worden.

 

Für Imker geht damit eine Katastrophe einher. Wie sehr, das wird jetzt, einige Wochen nach Ausbruch der schlimmen Bienenseuche deutlich.

Deutschlandweit kursierten längst schon ähnliche Nachrichten, und doch war der 15. August ein Schicksalstag, als nämlich bekannt geworden ist, dass in Waldhausen, einem kleinen Bräunlinger Stadtteil, der erste Fall der Amerikanischen Faulbrut der Bienen im Schwarzwald-Baar-Kreis aufgetaucht worden ist.

Ein Tötungs-Kommando

Das Veterinäramt des Landratsamtes Schwarzwald-Baar reagiert flugs: Gemeinsam mit dem Veterinäruntersuchungsamt Freiburg wurde der Bienenstand untersucht und ein Sperrbezirk eingerichtet, in dem insgesamt 23 Imker Bienenvölker hielten. Sie alle hatten jetzt eine schlimme Aufgabe vor sich: Sie mussten ihre Bienenvölker töten.

Darin sehen Fachleute die bislang einzige Möglichkeit, ein Ausbreiten der gefährlichen Seuche zu verhindern. Die Faulbrut ist eine bakterielle Erkrankung, gegen welche erwachsene Honigbienen zwar resistent sind, die aber von ihnen weitergegeben werden kann an die Larven, also den so notwendigen Nachwuchs. Ohne Nachwuchs geht das betroffene Volk dann im folgenden Winter in der Regel ein. Trotz aller Vorsichtsmaßnahmen in betroffenen Gebieten grassiert diese Seuche weiter.

Im benachbarten Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald, bei Ehrenkirchen sowie in Glottertal, sind nun am 7. September ebenfalls Bienen entdeckt worden, die an der Amerikanischen Faulbrut erkrankt sind. Auch die Imker dort haben nun den schweren Gang zur Vernichtung ihrer Bienenvölker antreten müssen.

So ist die Situation hier

Doch wie ist die Lage im Schwarzwald-Baar-Kreis zwischenzeitlich? Nachgefragt bei der Sprecherin des Landkreises Schwarzwald-Baar, Heike Frank, erlebt man diese nachdenklich und betrübt: Nach dem Ausbruch der Seuche im Landkreis Mitte August waren weitere Fälle entdeckt worden. „Insgesamt waren 19 Imker betroffen“, erklärt Heike Frank auf Nachfrage und fügt hinzu: „Bis zum 14. September mussten leider 69 Bienenvölker getötet werden.“

Die Folge war also nichts anderes als ein wahres Massensterben. Bis zu 50 000 Honigbienen leben zur Hoch-Zeit im August nämlich laut Fachleuten in einem Bienenvolk. Bei 69 getöteten Völkern kann das also das Töten von bis zu 3,5 Millionen Bienen im Schwarzwald-Baar-Kreis bedeutet haben. Wie das abläuft, erläutert die Pressesprecherin des Landratsamtes im Schwarzwald-Baar-Kreis, Heike Frank, auf Anfrage: „Die Waben werden auseinander gehängt und es werden Schwefelstreifen in der Beute angezündet. Der Schwefeldampf tötet die Bienen.“

Sperrgebiet noch Monate

Doch auch damit sind die Maßnahmen noch nicht beendet. Weil die Seuche so hochansteckend ist, setzt man seitens der Behörden auf engmaschige Kontrollen. „Im Sperrbezirk werden alle Bienenvölker auf die Faulbrut untersucht“, bestätigt Heike Frank. Die Untersuchung sei frühestens zwei, spätestens neun Monate nach der Tötung oder Behandlung der erkrankten Bienenvölker zu wiederholen. Und damit ist klar: Eine Eintagsfliege ist die Faulbrut nicht, ganz im Gegenteil. Sie wird die Imker noch viele Monate beschäftigen.

Selbst die Sperrzone bleibt bestehen: „Das Sperrgebiet ist noch bis ins Frühjahr nächsten Jahres gültig.“ Auch die Einhaltung dieser Frist setzt voraus, dass sie von keinen weiteren oder neuen Faulbrut-Fällen durchkreuzt wird.

Hamsterkäufe an Honig?

Wenigstens für die menschliche Bevölkerung darf Heike Frank aber weiterhin Entwarnung geben. „Die Amerikanische Faulbrut ist eine reine Bienenseuche, die nicht auf den Menschen übertragbar ist“, betont sie und gibt grünes Licht: Der Honig aus der Region könne „ohne Einschränkung verzehrt werden“ Unverändert seien auch die aktuellen Honigbestände.

Aufgeweckte Schleckermäulchen dürften sich vorsorglich vermutlich trotzdem schon jetzt mit dem einen oder anderen Extra-Glas Bienenhonig aus der Region eindecken, denn ob die Prognose sich angesichts der Faulbrut halten lässt, ist allerdings fraglich: weniger Bienenvölker, weniger Honig. „Wie viel Honig im nächsten Jahr produziert werden kann, ist noch nicht abzusehen“, gibt Heike Frank daher zu bedenken.