Im Schwarzwald-Baar-Kreis wurde ein Sperrbezirk eingerichtet – die Amerikanische Faulbrut hat sich unter den Bienenvölkern ausgebreitet. Wie der Bezirksimkerverein Nagold die Situation einschätzt. Und gibt es Sorge, dass die Seuche auch in den Nordschwarzwald wandert?
Die Amerikanische Faulbrut ist keine unbekannte Seuche. Im schlimmsten Fall führt sie zum Sterben eines gesamten Bienenvolkes. Wie der Name schon andeutet, befällt das Bakterium die Brut der Bienen. Dies führt zum Absterben und Verfaulen der ungeborenen Larven. Somit stirbt der dringend benötigte Nachwuchs des Volkes aus – quasi das Ende für die Bienen.
Im Gespräch mit unserer Redaktion erzählen Nicolai Melchger und Klaus Braun vom Bezirksimkerverein Nagold, wie dieser mit der Seuche umgeht. Imker können sich demnach sehr wohl auf die Situation vorbereiten.
Herkunft und Verbreitung der Faulbrut Der Name verrät schon die Herkunft – die Seuche stammt eigentlich aus Amerika. Das Bakterium komme meist über Honig aus den USA oder Brasilien nach Deutschland, erklärt Melchger. Er ist beim Bezirksimkerverein für die Aus- und Fortbildung der Imker zuständig.
Obwohl die Amerikaner ein Antibiotikum gegen die Faulbrut haben, dürfen die Imker in Deutschland dieses nicht verwenden. „Wir versuchen unsere Bienen auf natürliche Art und Weise gesund zu halten“, erläutert der Imker. „Wenn wir diese Faulbrut nun haben, müssen wir sie natürlich bekämpfen.“
Die deutschen Bienenvölker können sich über mehrere Wege mit dem Bakterium infizieren. Verantwortlich können alte Bienenstöcke sein, die mit der Faulbrut infiziert waren, sagt Melchger. Wenn diese nicht ordnungsgemäß vernichtet werden und die Bienen durch ihren guten Geruchssinn auch noch Jahre später in den Bienenstock eindringen, schleppen sie das Bakterium womöglich in ihr eigenes Volk zurück.
„Es gibt aber auch Menschen, die den Bienen oder Imkern etwas Gutes tun wollen“, nennt Braun eine andere Verbreitungsmöglichkeit. Und zwar, wenn diese alte oder fast leere Honiggläser raus- oder sogar direkt zu Bienenstöcken stellen, um ihnen Nahrung zu geben. Oft komme dieser Honig, den es hierzulande in Supermärkten zu kaufen gibt, aus Amerika und kann das Bakterium beinhalten. Auch dann kommt es zur Infizierung des Volkes vor Ort.
Anzeichen der Seuchenausbreitung Auch wenn die Ansteckung nicht verhindert werden kann, können Imker die Faulbrut erkennen und frühzeitig handeln. Dafür sollten die Bienenzüchter ihre Völker regelmäßig kontrollieren. Besonders bei den geschlossenen Waben, in denen sich die Brut entwickelt, sind die Anzeichen für Faulbrut erkennbar, erläutert Melchger. Normalerweise seien die Deckel dieser Waben hell und gewölbt. Wenn die Brut infiziert ist, falle die Decke ein und werde sehr dunkel. Zudem werde das Volk sichtlich schwächer.
Wenn nun die Faulbrut ausbricht, verbreite sich die Nachricht meist recht schnell, erklären die beiden Imker. Die Krankheit gehört zu den anzeigepflichtigen Krankheiten. Wenn ein Imker Anzeichen für die Amerikanische Faulbrut erkenne, müsse er dies dem Bienensachverständigen, der für das Landratsamt tätig ist, melden. Dieser wendet sich wiederum ans Landratsamt. „Und dann geht die Maschinerie los“, erläutert Melchger. Der Kreis verständige das Chemische und Veterinäruntersuchungsamt des Landes und richte einen Sperrbezirk im Umkreis von drei Kilometern ein. So wie im Schwarzwald-Baar-Kreis, nachdem die Seuche dort gemeldet wurde. Und so weit, wie eine Honigbiene fliegen kann, ergänzt Braun. Dann müsse die Faulbrut innerhalb des Sperrbezirks vernichtet werden.
Maßnahmen und mögliche Rettung des Volkes Wenn Anzeichen der Faulbrut nun frühzeitig erkannt werden, können die Völker eventuell sogar gerettet werden. Denn, auch wenn die Seuche im eigenen Bienenvolk ausbricht, gibt es Möglichkeiten ein besonders starkes Volk zu retten, erklärt Melchger. Bei geschwächten Völkern, lohne sich die Rettung nicht. Denn, auch wenn erwachsene Bienen nicht befallen sind, sterben diese auf natürlichem Wege – nach circa sechs Wochen Lebenszeit. Da allerdings im infizierten Volk kein Nachwuchs kommt, wird das gesamte Volk abgeschwefelt. Der Schwefeldampf töte das Volk innerhalb weniger Minuten, erklärt Melchger. Anschließend werde alles verbrannt.
Bei Völkern, bei denen es sich lohnt, führt der Imker aus, würde man versuchen einen Kunstschwarm zur Rettung einzusetzen. Die infizierte Brut muss allerdings komplett vernichtet werden. Dass heißt, die „Rähmchen, Wachs, Larven – alles wird verbrannt“.