Ein Tyrannosaurus rex kommt ins Auberlehaus. Dank 3-D-Druck ist das neue Exponat für das Trossinger Museum erschwinglich.
„Wenn einer eine Reise tut…“ - Volker Neipp, Leiter des Museums Auberlehaus ist geschäftlich oft auf Reisen, stößt dabei immer wieder auf Besonderheiten anderer Länder. Es kann aber auch, wie Anfang des Jahres, vorkommen, dass er in London auf den Bericht einer deutschen Zeitung stößt, der ihm keine Ruhe lässt. Steht doch tatsächlich im oberschwäbischen Schemmerhofen das Skelett eines Tyrannosaurus rex, das dort im Freien bereits zur Kinderattraktion geworden ist.
Zurück in Trossingen hat sich der rührige Museumsleiter sofort mit Pascal Polzer, dem Konstrukteur des T-Rex in Verbindung gesetzt, da dieser einen Käufer für den etwa 6,5 Meter langen Dinosaurier suchte.
Pascal Polzer und seine Freundin Sandra Schlegel hatten im vergangenen Jahr einen 3-D-Drucker gekauft, um eigentlich lebensgroße Figuren aus dem Star-Wars-Universum zu drucken, was aber zunächst nicht richtig funktionierte. Sie versuchten sich an einem T-Rex, der als der bekannteste Saurier gilt. Zuerst an einem kleinen, dann etwas größer.
Es dauerte rund ein halbes Jahr, bis der Drucker Hunderte von Einzelteilen hergestellt hatte. Rund 1000 Euro hatte das junge Paar inzwischen in das weiße Skelett aus Filament gesteckt, dessen Einzelteile mit einem Dübelsystem zusammengebaut werden.
Bei seinem Besuch in Schemmerhofen wurden sich Volker Neipp und Pascal Polzer schnell einig, denn wo passt ein T-Rex besser in eine bestehende Ausstellung, wie in der Saurierabteilung im Museum Auberlehaus. Hier wird der jugendliche T-Rex mit seinen rund 6,5 Metern Länge im Herbst einziehen. Ein ausgewachsenes Tier hätte eine Länge von stolzen 13 Metern, „wäre aber viel zu groß für unser Museum“, so Volker Neipp. 5000 Euro hat das Museum dafür bezahlt inklusive einem T-Rex-Kopf in Originalgröße, den Pascal Polzer noch gedruckt hat, weil er Filament, das sind feine Kunststofffäden für den 3-D-Drucker, übrig hatte.
T-Rex mit 6,5 Metern Länge
Eigentlich ein Schnäppchen, denn „dank des 3-D-Drucks können wir uns einen solchen jugendlichen Tyrannosaurus rex samt dem Kopf eines ausgewachsenen Tieres leisten“, schmunzelt Museumsleiter Volker Neipp mit Blick auf die sehr guten Kopien. Immerhin wurde ein original Skelett in den USA für 30 Millionen Dollar versteigert.
Derzeit werden die einzelnen Teile, die später wie ein Puzzle mit einem Dübelsystem zusammengefügt werden, im Auberlehaus koloriert. „Mit Andreas Berger haben wir ein ehrenamtliches Mitglied, der die Teile ziemlich naturgetreu mit Acryllack bemalt.“ Farblich sind die inzwischen bereits kolorierten Schädel im Maßstab 1:1 und im Maßstab 1:2 kaum vom Originalabguss des Kiefers von einem T-Rex aus den USA zu unterscheiden. Etwa ab Oktober wird diese neue Errungenschaft im Auberlehaus in der paläontologischen Dauerausstellung zu sehen sein.
Was läuft an der Rutschete? Auch in diesem Jahr haben an der Trossinger Saurierfundstelle, der Rutschete, wieder Grabungen stattgefunden. Dieses Mal aber komplett unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Es gab also keinen der inzwischen so beliebten Tag der offenen Grabung, bei denen in der Vergangenheit stets mehrere hundert Besucher zur Rutschete strömten.
Drei Wochen lang sei gegraben worden, berichtet Museumsleiter Volker Neipp, wobei das Gelände „von rechts nach links umgedreht wurde“. Allerdings mit Erfolg. „Es wurden sechs Saurier gefunden, die vermutlich alle komplett sind.“ Wer die Historie der sogenannten „Rutschete“ kennt, der weiß, dass es im Jahr 1909 ein Trossinger Junge namens Hermann Weiss gewesen ist, der hier gerutscht ist, und an einem fossilen Knochen seine Hose zerriss.
Der Lehrer des damals Neunjährigen Hermann Weiss gab den Knochen an Paläontologen nach Stuttgart, daraufhin erfolgten die ersten Sondierungsarbeiten im Jahr 1911. Damals wurden erste Skelettreste des größten Sauriers der Triaszeit, nämlich des Plateosaurus entdeckt.
Mehr als 110 Saurierskelette und drei Schildkröten wurden seither gefunden. Vier Grabungen gab es in der bisher. Neben Rainer Schoch, Professor am Naturkundemuseum in Stuttgart, war der ehrenamtliche Leiter des Museums Auberlehaus Volker Neipp maßgeblich an der seit 2007 laufenden Grabungskampagne beteiligt. Beide schmieden schon seit Jahren Museumspläne, die im Jahr 2026 umgesetzt werden sollen mit einer ersten Überdachung.
Einmaliger Platz
Die Rutschete sei ein ganz einmaliger Platz, so Neipp, und wo auf der Welt könne man sonst auf so kleinem Raum so viele Funde im Original oder dann auch als 3-D-Druck sehen. Deshalb werde man die Funde an die Stelle bringen, wo sie waren, denn „Saurier ziehen immer“. Dies werde dann die größte touristische Attraktion im weiten Umkreis, ist sich Neipp sicher.