Siegfried Bippus (Mitte) mit seinem Kunden Stefan Ried aus Wien (rechts) und Akkordeon-Stimmer Klaus Steuer (links). Foto: Fahrland

Wie so oft im Leben kam der Zufall auch einem Künstler aus Wien zu Hilfe. Er hatte schon etliche Akkordeonfabrikate in verschiedenen Musikgeschäften ausprobiert, doch fündig wurde er erst bei Siegfried Bippus im beschaulichen Vöhringer Teilort Wittershausen.

Vöhringen-Wittershausen - Stefan Ried war aufgrund einer Theaterproduktion im süddeutschen Raum unterwegs, entdeckte das Angebot von "Akkordeon Bippus" im Internet und traf nach einem Besuch mit ausführlicher persönlicher Beratung seine Entscheidung.

Bei Siegfried Bippus, der früher Tanzmusik mit Trompete und Bariton spielte, ist die Liebe zum Akkordeon stetig gewachsen. Der Klang, die individuelle Zusammenstellung der Farben und Materialien sowie die präzise Mechanik im Inneren sind zu einer Faszination geworden, die ihn bis heute begeistert.

Er absolvierte mehrere Lehrgänge in Italien und eignete sich bei seinen Besuchen in den Meister-Werkstätten der Akkordeon-Stadt Castelfidardo jede Menge Fachwissen an. Im Mai 1988 zog Bippus nach Schleswig-Holstein um und betrieb dort als Selbstständiger 25 Jahre lang mit einem Mitarbeiter einen Akkordeon-Handel mit Werkstatt. Die Entwicklung eines eigenen Akkordeons war die logische Konsequenz.

Zurück in die schwäbische Heimat

Erst als sein Kollege starb, zog es den Akkordeon-Spezialisten Bippus zurück in die schwäbische Heimat im Landkreis Rottweil. In einem Raum sind Verkauf und Beratung, Werkstatt und Büro vereint. "Jedes Stück ist ein Unikat, einzigartig in Klang, Qualität und Design. Bei mir kommt nur das Beste ins Instrument hinein", verspricht Bippus selbstbewusst. Man dürfe nicht am falschen Ende sparen.

Ein ordentliches Handwerk zu einem stimmigen Preis und der direkte Kundenkontakt ohne Zwischenhandel liegen ihm besonders am Herzen. Das schätzen Kunden aus dem ganzen Bundesgebiet. Auch Reparaturen und generalüberholte Gebrauchtinstrumente bietet Bippus an, jedoch keine Noten.

Die Neuinstrumente plant Bippus in Deutschland und lässt sie nach seinen Angaben in Italien bauen. Ein Qualitätsmerkmal seien lederunterlegten Klappen – von außen unsichtbar, aber von immenser Bedeutung für den Klang. Neutral gestimmt treffen die Instrumente in Wittershausen ein und werden beim Stimmen durch Bippus’ Vertrauten Klaus Steuer an die individuellen Bedürfnisse des jeweiligen Kunden angepasst, je nachdem, ob dessen Schwerpunkt auf Tango, Klassik oder Oberkrainer-Musik liegt.

"Der edle Klang aus dem Mühlbachtal"

Den "edlen Klang aus dem Mühlbachtal" hat sich Siegfried Bippus als Markenzeichen auf die Fahnen geschrieben. Seit etwa drei Jahren läuft die Modellreihe in drei verschiedenen Größen unter der Bezeichnung "Bicanto", einer Abwandlung des italienischen Wortes Belcanto, das "schöner Gesang" bedeutet und mit den zwei gleichen Buchstaben beginnt wie der Nachname des Entwicklers Bippus.

Beide Männer sind sichtlich stolz, als der Kunde aus Wien etwa drei Monate nach Bestellung erneut anreist, um das bestellte Wunschinstrument inklusive Koffer und Riemen in Empfang zu nehmen. Das Bicanto-Jubi-IV-Cassotto verfügt über einen Tonumfang von f bis d, 34 Diskant-Tasten, elf Diskant- und ein Generalregister sowie 96 Bassknöpfe und fünf Bassregister.

Der weiche, warme Klang und das schöne Äußere hätten ihn überzeugt, verrät Stefan Ried aus Wien. Der Theater-Schauspieler liebt die Vielseitigkeit und tritt unter anderem bei Konzerten auf. Sein Hauptinstrument ist die Gitarre, doch er spielt auch Klavier. Die Faszination für Akkordeon habe ihn bei einem Instrumentenbauer und Restaurator in Freiburg gepackt. Ein Bandprojekt habe ihn zum Kauf des hochwertigen Instruments animiert, mit dem er sich nun intensiv befassen werde.

Weitere Informationen unter www.akkordeon-bippus.de