Der harte Kern des Orga-Teams zum 150-jährigen Bestehen des Katzenmusikverein "Miau" Villingen besteht aus Patrick Walch, Niklas Klein, Dominik Schaaf und ­Marvin Singer. Nicht im Bild: Rainer Wagner. Foto: Fotos: Heinig

Vierte Welle der Corona- Pandemie, 2-G-Regeln – die ersten Absagen von Narrentreffen in der Region gibt es schon. Wie sieht es in Villingen aus, wo der Katzenmusikverein im nächsten Jahr ein großes Jubiläumsfest mit Umzug und Narrendorf plant?

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Villingen-Schwenningen - Der Katzenmusikverein "Miau" Villingen von 1872 hat es derzeit nicht leicht. Wie soll man im Januar 2022 Jubiläumsfestivitäten vorbereiten, wenn man nicht weiß, ob sie aufgrund der Corona-Pandemie überhaupt und wenn ja, unter welchen Umständen stattfinden können?

Wöchentliche Treffen

Das Organisationsteam um Generalfeldmarschall Dominik Schaaf befasst sich schon seit fast drei Jahren damit, wie das 150-jährige Bestehen des mit rund 2500 Mitgliedern zweitgrößten Villinger Fastnachtsvereins gefeiert wird. Wegen der Coronapandemie kamen die Vorbereitungen dann ins Stocken. Inzwischen trifft man sich einmal wöchentlich im ­Katzenstüble "Zur hoorige Katz’" und plant sich die Köpfe heiß – schlaflose Nächte inklusive.

"Wir sind eigentlich guten Mutes", sagt Dominik Schaaf und lächelt leicht gequält. Man merkt auch seinen Mitstreitern an diesem Abend, Niklas Klein, Patrick Walch und Marvin Singer, an, dass sie es leid sind, über das ­Virusthema und die Frage "Was wäre, wenn…" zu diskutieren. So viel steht nämlich fest: Geplant wird, als wäre alles möglich. "Zurückfahren können wir dann immer noch".

Für den 8. Januar steht ein Festakt mit vielseitigem Programm und mit geladenen Gästen in der Neuen Tonhalle im Kalender. Ein wenig stolz sei man schon, dass bereits viele kleine und große Narrenvereine aus der Umgebung, aber auch aus Franken und der Schweiz, sehr gerne zugesagt haben, sagt Schaaf. Die Villinger Fasnet habe ein weitaus größeres Ansehen, als sich hier manch einer vorstellen könne.

Das Festwochenende findet dann am 22. und 23. Januar statt. Am Samstag wird zum obligatorischen Zunftmeisterempfang geladen, der in einen Katerempfang am Romäusturm integriert wird. Am Abend trifft sich das Narrenvolk dann auf dem Platz vor dem Riettor. Auf zwei Bühnen rechts und links über den Fußgängerdurchgängen spielen Henry Greif und der einstige Regisseur der Katzenbälle und Theatermann Andreas Erdel ein Narrenspiel. Über dessen Inhalt weiß auch das Orga-Team nichts – "wir lassen die machen".

Danach zelebrieren die Offenburger Hexen auf dem Latschariplatz ihre Verbrennung einer Strohhexe. Auf das Schauspiel folgt ein Feuerwerk und eine Freinacht im Narrendorf im gesamten Riet, mit einem Festzelt im Spitalgarten, in dem die Glonkis und die kleinen Vereine wirten, und offenen Stüble der dort ansässigen Vereine. Im Mittelpunkt steht dabei die traditionelle Kneipenfasnet, die, laut Schaaf, für Villingen ein Alleinstellungsmerkmal ist, um das man beneidet wird.

Besondere Umzugsstrecke

Der Sonntag beginnt mit einem Festgottesdienst im Münster. Für den Umzug am Nachmittag haben sich die Katzen etwas Besonderes und "mal was ganz anderes" ausgedacht. So soll der Umzugsweg zwar der gewohnte sein, wird aber in umgekehrter Richtung durchgeführt mit Start am Riettor. Die Auswahl derer, die von den Zuschauern am Straßenrand dann zu sehen ist, hat zwar schon zu verwunderten Diskussionen im Städtle gesorgt, doch Schaaf & Co. halten daran fest. Außer den Rietvögeln als Partnerverein und den beiden Katerbrunnenpaten, die Narrenzunft Schwenningen und die Alten Jungfern, wird nämlich kein Verein aus VS dabei sein.

"Wir wollen den Dienstagsumzug ja nicht vorwegnehmen", sagt Niklas Klein. Vielmehr habe man in einem ersten Schritt Katzenvereine aus der Region eingeladen, in einem zweiten all jene, die Tiere wie Eulen, Frösche, Mäuse oder Ratten als Figur haben. Den dritten Block bilden befreundete Vereine aus dem nahen und fernen Umland.

Auch die Katzenmusik selbst will sich in ungewohnter Weise präsentieren. Beim Umzug ins neue Vereinsheim sind in alten Schränken der Katzenhalle Kleinodien zutage gekommen, die gezeigt werden: über hundert Jahre alte Uniformen und Pickelhauben, die legendären Schwellköpfe, die zotteligen Kleidle der einstigen Bärengruppe, ein uralter Prinz Carneval und weitere historische Häser.

Premiere für eine Frau

Und noch etwas ist anders: Mit Vorstandsmitglied Anja Koch wird zum ersten Mal eine weibliche Umzugssprecherin zu hören sein. Die Organisatoren sind sich einig: "Das wird eine schöne Sache". Das Jubiläumswochenende klingt dann aus mit einem Abschlusskonzert in der Stadtmitte von der Stadtharmonie, den Stadtmusiken Villingen, Schwenningen und Schramberg.

Anlässlich des Jubiläums entsteht außerdem gerade eine 200 Seiten starke Festschrift, eher ein Bildband, denn der Umfang besteht zu mehr als der Hälfte aus Fotografien von einst und jetzt, angefangen in den 1920er-Jahren.

Um am Ende mit der angestrebten "schwarzen Null" dastehen zu können, die schon deshalb notwendig ist, weil der Haushalt durch die Coronaeinschränkungen sehr gelitten hat, sind die Katzenmusiker dankbar für die Mithilfe befreundeter Vereine wie den Glonkis, der Historischen Narrozunft und der Hexen sowie der Großzügigkeit von Sponsoren.

Wie unterstützt die Stadt?

Die Wirtschaftsförderung der Stadt unterstützt im Festbüro und kümmert sich um Hotelzimmer. Demnächst werde es ein weiteres Treffen mit der Stadtverwaltung geben, wovon man sich auch finanziell "ein Entgegenkommen" verspreche. Schließlich leiste man auch einen Beitrag zum Jubiläumsjahr 50 Jahre Villingen-Schwenningen, sagt Schaaf.