Gute Miene zum heiteren Spiel machte Oberbürgermeister Hans Kohler (rechts) als er am 11.11.1954 von Narrenzunft-Vorstand Bruno Werner den künftigen Schwenninger Stadtschlüssel überreicht bekam. (Archivfoto) Foto: Jochen Schwillo

Heute hat der 11.11. für die Schwenninger Fasnet keine Bedeutung mehr. Doch vor 70 Jahren sah das noch anders aus.

Am 11. November 1954 lud die Narrenzunft die gesamte Einwohnerschaft zum „Auftakt zur Schwenninger Fastnacht“ ins Beethovenhaus. Hier stand auch eine „Elferratssitzung mit Schlüsselübergabe an das Stadtoberhaupt“ auf dem Programm.

 

„Der 11.11. ist allgemein der Zeitpunkt, an dem man im schwäbisch-alemannischen Raum die Fastnacht eröffnet“, schrieb im Oktober 1954 der Vorsitzende der Narrenzunft Schwenningen, Bruno Werner, an Oberbürgermeister Hans Kohler und bat um eine Unterredung zwecks Gestaltung einer Veranstaltung am 11. November 1954.

„Dieser Abend sollte ein heiterer, aufgelockerter Abend werden und wir werden uns alle Mühe geben, soweit es in unseren Kräften steht, Sie verehrter Herr Oberbürgermeister so richtig in Vorfreude auf die kommende Fastnacht zu bringen“, so Werner weiter.

Stadtschlüssel überreicht

Hans Kohler folgte der Einladung der Schwenninger Narren und kam zu diesem Fastnachtsauftakt am 11.11. ins Beethovenhaus. Überrascht zeigte sich das Schwenninger Stadtoberhaupt, als ihm während des Festabends Narrenvorstand Bruno Werner einen schönen kunstgeschmiedeten Stadtschlüssel zur Aufbewahrung bis zum Schmotzigen Donnerstag überreichte. Da die Stadt Schwenningen wohl keinen großen Stadtschlüssel besaß, trat die Narrenzunft in „Vorleistung“ und ließ auf eigene Kosten den Schlüssel schmieden, der bis heute seine wertvollen Dienste erfüllt.

Umzug noch verboten

Hans Kohler seinerseits versprach den Schlüssel treu zu bewahren und versicherte, dass er alles tun wolle, was in seinen Kräften stünde, die Schwenninger Fastnacht zu fördern. Dem Oberbürgermeister wird dieses Bekenntnis zur Narretei nicht leicht gefallen sein. Denn im Vorjahr 1953 hatte er noch von Amtswegen her in Schwenningen einen Fasnachtsumzug verboten, da er angeblich keinem alten Herkommen entsprach.

Im Beethovenhaus unterhielt der damals bekannte Humorist Ernst Romminger das Publikum und getanzt werden durfte auch. Die Frauen hatten ihre hübschen Kleider angezogen und die Männer kamen in ihren Anzügen. Lediglich die Elferräte und einige Ehrengäste konnte man an ihren närrischen Elferratskappen erkennen. Das Laufen in Narrenkleidern war an jenem Abend nicht gestattet.

Erstmals rückte Oberbürgermeister Kohler im Rathaus „seinen“ Stadtschlüssel am Schmotzigen Donnerstag, 17. Februar 1955 an die Narren heraus – drei Monate, nachdem diese ihn überreichten. Beim Schlussball am Fastnachtsdienstag gab Bruno Werner den Stadtschlüssel wieder an den Oberbürgermeister erstmals zurück.

Treffen hat Tradition

Der 11.11. sollte für die Schwenninger Brauchtumsnarren noch eine ganze Zeit ein wichtiges Datum sein. Erst 1965 legte man den Beginn der Fasnet auf den 6. Januar fest und folgte damit auch vielen anderen Zünften, die sich vom Einfluss des Karnevals verabschiedeten.

In Erinnerung an die aktive Zeit des 11.11. gibt es an diesem närrischen Datum immer ein Treffen der Narren, um sich bei einer zünftigen Schlachtplatte auf die kommende närrische Zeit einzustimmen. Auch an diesem Montag ist es wieder soweit. Um 10 Uhr öffnen sich bis in die Abendstunden hinein, die Türen in der Zunftstube, in der Sturmbühlstraße 28.