Ein Wellnessstudio der gröberen Art. Foto: Gudrun Ruf

Sie können es einfach nicht lassen: die Saalfastnacht der katholischen Fasnetwieber in Bad Dürrheim.

Die katholischen Fasnetwieber feierten eine grandiose Saalfasnet. Die lustigen und zuweilen schrägen Vorträge waren von allerhöchstem Niveau geprägt und strapazierten die Lachmuskeln im Permanentmodus.

 

Das Motto war zuvor aus gutem Grund streng geheim gehalten worden, denn es ging um die Errichtung einer temporären Badeanstalt, wenn 2027/28 das Solemar für Renovierungsarbeiten geschlossen bleibt: „Holadiladio – das Solemar macht zu“. Mit rustikal-hemdsärmlig agierendem Personal wurden schräge Möglichkeiten aufgezeigt. Permanent begrüßt, immer wieder durch Schwester Rabiata alias Anette Schulz: „Hallo, hier ist die Badeanstalt zur Überbrückung der Solemarschließung 2027 - 2028, was kann ich für sie tun“.

Diakon muss auf die Bühne

Der Bürgermeister, als Protestant trotzdem ziemlich fasnachtaffin, und Ersatzpfarrer Karl-Heinz Groß – ansonsten Diakon – wurden auf die Bühne „begleitet“, wo sie im Interimssolemar an den großen Zubern gerade noch dem eiskalten Biohacking entgingen.

Dafür wurden sie beim Hobbyhorsing auf Steckenpferde gesetzt und galoppierten damit in das Wellnessstudio. Dort gab es Maniküre der etwas gröberen Art, wenn etwa im Geflügelscherenformat die Renovierung von Gesicht und Füßen bei den beiden Männern generiert wurde. Klangschalenwohlfühlambiente wurde nonchalant durch Laute mit Kuhglocken ersetzt. Der Bürgermeister zeigte sich beim Gebimmel als ziemlich musikalisch talentiert.

Die Kapfwaldschamanin

Das Mariele von Tennenbronn diskutierte zusammen mit Frauenchefin Gudrun Ruf über gesunde Ernährung mit Laktoseunverträglichkeit und Low-Carb-Diät, um schließlich zum Schluss zu kommen: Am besten ist doch Dürrheimer Sprudel. Eine Kapfwaldschamanin (Sylvia Schäfer) als spirituelle Spezialistin klopfte mit der Buschtrommel das rund 250 Frauen starke Publikum in Ekstase. Auch eine Quintessenz: Ein Weinschorle schmeckt alle Mal besser als ein mit Dürrheimer Chlorwasser aufgebrühter Kaffee.

Der Tratsch eines Quartetts, Gerda Friederich, Monika Duffner, Regina Bittlingmeier und Maria Vogt aus dem Schollengässle offenbarte Dürrheimer exklusiv Anekdoten. Auf der Ostbaar hatte ein Seelsorger das Abhalten des Gottesdienstes glatt vergessen. Bei den Kirchgängern wurde einfach mal nachgefragt, ob denn ein Ersatzpfarrer zugegen sei: Glück gehabt.

Kein Salz für 350 gekochte Eier

Die Gemeindefrauen nahmen sich dabei auch selbst auf die Schippe: Sie hatten beim 100-Jahre-Jubiäum der Narrenzunft das Gästefrühstück ausgerichtet: Ausgerechnet in der Salzstadt konnte kein Salz zu den 350 gekochten Eiern gereicht werden. Charmant durch den Abend führte Angelika Schlenker.