Fasten kann man zu jeder Jahreszeit. Am besten aber jetzt: „Das Frühjahr ist die klassische Fastenzeit. Es ist die Zeit des Aufbruchs, man will das Alte vom Winter hinter sich lassen, sich reinigen, neu starten.“ Das sagt Fastenleiterin Aloisia Schönke aus Freudenstadt.
Und Aloisia Schönke muss es wissen. Seit 20 Jahren begleitet sie Fastende und führt sie behutsam in die selbst gewählte Zeit des Verzichts ein. Dies geschieht zumeist in einer Gruppe bis zu 25 Personen in Zusammenarbeit mit einem Hotel, klassisch von Sonntag zu Samstag.
Leichter fällt das mit täglichen Wanderungen sowie Einläufen und/oder Abführmitteln verbundenem Fasten. Täglich vier Stunden Wandern lenkt vom Hunger ab und stärkt den Zusammenhalt untereinander in der Gruppe. Schönke: „Außerdem fällt alles leichter, wenn es draußen in der Natur geschieht und man entdeckt oder wiederentdeckt, wie schön die Natur ist.“
Große Breite an Kursen
Wohlfühlen durch Fasten habe, so sagt sie, in den vergangenen zwei Jahrzehnten explosionsartig zugenommen, auch die Vielzahl und Breite der angebotenen Kuren. Sie bevorzugt die Fastenkuren nach Dr. Buchinger (1878 bis 1966), ein Arzt, der sich mit dieser Methode selbst von Rheuma kuriert hat. Fasten bedeutet für Schönke, Körper, Seele und Geist in Harmonie zu bringen, sich hinzugeben, loszulassen und zu entspannen. Das beruhige, mache ausgeglichen, baue Stresshormone ab, rege Kreislauf und Stoffwechsel an, mache Platz für neue Energien. „Das kann man natürlich auch mit einem Fastenbuch zu Hause auf der Couch machen, in der Gruppe aber ist es wie im Urlaub.“ Dabei bedeute Fasten nicht, sieben Tage auf jegliche Nahrung zu verzichten.
Zweimal am Tag Gemüsebrühe
Zweimal am Tag gibt es eine Tasse frisch zubereiteter Gemüsebrühe, einmal frisch gepressten Saft – das wird zum täglichen Zeremoniell – und beliebig viel Kräutertees oder stilles Wasser. Der innere Kampf gegen das Hungergefühl sei nicht immer leicht, meist kommen Krisen, oft am zweiten und dritten Tag, wenn der Körper seine Reserven aufgebraucht hat. „Dann bin ich als Fastenleiterin gefragt, das ist mein Job“, sagt Schönke. In Gesprächen und persönlicher Begleitung versucht sie, ihren Fastenden über die Runden zu helfen, oft auch mit Yoga.
Kurabbrecher sind selten
Abbrecher bei den Kuren gebe es selten, Wiederkommer dagegen viele. Fast 70 Prozent der Fastenden versuchen es immer wieder. Sie selbst tut dies viermal im Jahr, einmal davon online. Tatsächlich, das gibt es auch: Fastenbetreuung über den Rechner ist während der Corona-Jahre entstanden und hält sich zu Schönkes Überraschung noch heute.
Und das Abnehmen? Menschen, die das Fasten ernst nehmen, tun das in erster Linie nicht, um Gewicht zu verlieren, sondern um Körper und Geist etwas Gutes zu tun, sich zu reinigen und neu aufzustellen. Wenn man dabei durchschnittlich täglich etwa 400 Gramm verliert, ist das laut Schönke „ein schöner Nebeneffekt, mehr nicht“. Ihre Teilnehmer findet sie fast ausnahmslos durchs Internet, in der Mehrzahl Frauen, „die auf ihren Körper meist besser aufpassen als Männer“.
Fastenwanderungen gibt es in Freudenstadt und in der Region Nordschwarzwald sowie auf der Ostseeinsel Rügen oder im romantischen Altmühltal in Oberbayern. Für die meisten Kuren bestehen Wartelisten.
Weitere Informationen gibt es unter www.viola-fasten.de
Zur Person
Aloisia Schönke
(55) ist Fastenleiterin und Yoga-Lehrerin. Sie wuchs auf einem Bauernhof im bayerischen Ettelried bei Augsburg auf und kam als diplomierte Biologin 2002 mit dem damaligen Modellprojekt Nachhaltigkeit nach Freudenstadt. Seit 2004 leitet sie Fastenkurse verschiedener Art, bevorzugt Fastenwanderungen im Raum Freudenstadt. Aloisia Schönke ist verheiratet und lebt in Christophstal, wo sie im eigenen Garten Bio-Gemüse anbaut.