Beim „Fastenbrechen am See“ wurde eine Hähnchenpfanne aufgetischt – diese ließen sich unter anderem Manfred Wachter von der Kirchengemeinde (links), Bürgermeister Karl-Josef Sprenger (Zweiter von links), TG-Vorsitzender Walter Schempp (rechts) und einige Gemeinderäte und Vereinsvertreter schmecken. Foto: Schweizer

Integration in Schömberg: Bürgermeister, Gemeinderäte und Vereinsvertreter beim Fastenbrechen des islamisch-türkischen Kulturvereins Fetih Camii D.I.T.I.B.

Unübersehbar prangt an der Tür, die in die Stauseehalle führt, der Schriftzug „Hosgeldin“, was auf Deutsch „Herzlich willkommen“ heißt. Dass es sich dabei um keine Standard-Floskel handelt, merken die (deutschen) Gäste schnell. Jeder Einzelne wird freundlich empfangen und an seinen Platz geleitet. Die Tische sind mit Tulpen eingedeckt, Wasserflaschen und frisches Fladenbrot stehen darauf, dazwischen verteilt Schälchen mit Datteln und Baklava, ein in Zuckersirup eingelegtes orientalisches Gebäck. Im Hintergrund läuft Musik, und nach einem kurzen „Beschnuppern“ schwätzt und lacht man miteinander.

 

Der islamisch-türkische Kulturverein Fetih Camii D.I.T.I.B. hat am Samstag zum „Fastenbrechen am See“ eingeladen, zum zweiten Mal auch Bürger aus dem Städtle, darunter auch prominente, wie Bürgermeister Karl-Josef Sprenger, Manfred Wachter, der Vorsitzende des Kirchengemeinderates der katholischen Kirchengemeinde, und TG-Vorsitzender Walter Schempp. Auch Gemeinderäte und Vereinsvertreter lassen sich das mehrgängige Menü schmecken.

Dialog fördern

„Es ist uns eine starke und aufrichtige Ehre, unsere Traditionen und Bräuche mit unseren Freunden und Nachbarn zu teilen“, versichert Aliriza Kablan. Mit dem Fastenbrechen wolle seine Gemeinde den Dialog fördern. Dass das Miteinander gelebt wird, zeigt sich an zwei Beispielen. So präsentiert sich nach dem „Ramadanputz“ das Viertel rund um die Moschee jetzt schon frühlingsfit. Und zum gemeinsamen Abendessen sind regelmäßig unbegleitete jugendliche Flüchtlinge eingeladen, auch nicht muslimische aus der Ukraine. „Möge uns dieser heilige Monat weiter verbinden und bereichern“, lautet Kablans Wunsch, der mit viel Beifall bedacht wird.

Viele türkischstämmige Sportler in der TG aktiv

Der Sprecher des Kulturvereins erinnert aber auch an die Zeit, als die ersten Gastarbeiter aus der Türkei gekommen sind. Moscheen gab es damals noch nicht. Die Muslime durften deshalb 1965 den Abschluss des Ramadans im Kölner Dom feiern.

Vorstandsvorsitzender Vahdet Özdemir begrüßt die Gäste im Namen Allahs, er erhofft sich von dem Abend eine noch stärkere Freundschaft. Die Brüderlichkeit und das Teilen würden im Vordergrund stehen. Dass gleichzeitig Frauentag ist, wird ebenfalls „gefeiert“, jede Besucherin bekommt eine Rose geschenkt.

Um die zahlreiche Essen zuzubereiten, brauchte es in der Küche viele helfende Hände. Foto: Schweizer

Auch Bürgermeister Karl-Josef Sprenger sieht im Fastenbrechen „ein Zeichen eines schönen gemeinsamen Miteinanders“. Mehr denn je seien alle dazu aufgerufen, unabhängig von Religion, Herkunft, politischer Ausrichtung und Geschlecht, Brücken zu bauen. Er lobt das Engagement der muslimischen Gemeinde bei Veranstaltungen in der Stadt, verhehlt aber nicht, dass er in der Mitwirkung in den Vereinen noch ein deutliches Potenzial für die Zukunft sehe. Vom Vorsitzenden der TG Schömberg ist zu erfahren, dass türkischstämmige Sportler vor allem in den Abteilungen Turnen, Fußball und Handball aktiv sind.

Um 18.26 Uhr ist es Zeit für das Fastenbrechen

Mittlerweile ist es 18.26 Uhr, Zeit für das Fastenbrechen. Nach dem Gebetsruf, den Mustafa Erdem liest, wird Linsensuppe serviert, gleich danach eine Hähnchenpfanne mit Paprika, Tomaten und Reis. Umut Oguz aus der Schömberger Jugendgruppe rezitiert in arabischer Sprache aus dem Koran und spricht auch das abschließende Tischgebet, der Iman der Gemeinde, Yakub Akboga, predigt, dass das Gefühl des Hungers der Schlüssel zur Tür der spirituellen Welt sei.

Gleich nach dem Essen leert sich die Halle schlagartig. Viele gehen noch in die Moschee, die es mittlerweile schon seit mehr als 20 Jahren in Schömberg gibt. Die islamisch-türkische Gemeinde existiert schon länger, seit 1983 ist sie im Vereinsregister eingetragen.