Gespräche, Lachen und der Duft frisch zubereiteter Speisen erfüllten die Ebinger Festhalle, als sich 190 Gäste zum Fastenbrechen versammelten.
Menschen verschiedener Religionen, Kulturen und Generationen saßen an diesem Abend gemeinsam an den Tischen, warteten auf den Moment des Iftar und nutzten die Gelegenheit zum Austausch. Der Abend stand ganz im Zeichen von Begegnung, Dialog und gegenseitigem Verständnis.
Eingeladen hatte der Albstädter Verein Dialog und Bildung Zollernalb, der sich für Verständigung zwischen Menschen verschiedener Herkunft und Glaubensrichtungen engagiert. Der Verein war früher unter dem Namen „Schatten“ bekannt und hat sich inzwischen neu ausgerichtet. Neue Vorstandsvorsitzende ist Zehra Alkisoğlu, studierte Informatikerin und berufstätige Softwareentwicklerin.
Gemeinsam mit rund 50 bis 60 ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern organisierte der Verein den Abend. Der Ablauf begann mit der Begrüßung der Gäste. Mit einem kurzen Gebet wurde anschließend das Iftar, das traditionelle Fastenbrechen im muslimischen Fastenmonat Ramadan, eingeleitet. Während des Ramadan verzichten gläubige Muslime tagsüber auf Essen und Trinken und brechen ihr Fasten erst nach Sonnenuntergang. In diesem Jahr fällt der Ramadan zeitlich mit der christlichen Fastenzeit zusammen – ein Gedanke, der im Verlauf des Abends mehrfach aufgegriffen wurde.
Fasten heißt Zusammenhalt
Ein interreligiöses Friedensgebet sprach Huzeyfe Şimşek. Dabei wurde deutlich, dass Fasten in vielen Religionen nicht nur eine persönliche spirituelle Praxis ist, sondern auch eine soziale Dimension besitzt. Fasten sei eng mit Solidarität und gesellschaftlichem Zusammenhalt verbunden. Auch Oberbürgermeister Roland Tralmer richtete einige Worte an die Gäste und dankte den Organisatoren für die Einladung sowie für die große Gastfreundschaft und das mit viel Sorgfalt vorbereitete Essen.
Mit Blick in die voll besetzte Festhalle betonte er die Bedeutung solcher Begegnungen für das Zusammenleben in der Stadt. „Wenn ich hier in den Raum schaue, sehe ich viele unterschiedliche Menschen – verschiedene Glaubensrichtungen, unterschiedliche Lebenswege, unterschiedliche Generationen. Und genau das macht unsere Stadt aus“, sagte Tralmer. In Albstadt gebe es „keine Bürgerinnen und Bürger erster oder zweiter Klasse – wir alle sind Teil derselben Stadtgemeinschaft.“ Veranstaltungen wie dieses gemeinsame Fastenbrechen förderten Begegnung und gegenseitiges Verständnis und zeigten, dass Vielfalt eine Stärke der Stadt sei.
Podiumsdiskussion zum Thema Achtsamkeit
Ein inhaltlicher Höhepunkt des Abends war eine Podiumsdiskussion zum Thema Achtsamkeit. Auf dem Podium diskutierten Philipp Thies Rapp, Kunstradfahr-Weltmeister, Dr. Petra Graf, Frauenärztin und Kirchenrätin, Lisbeth Blicke vom Stuttgarter Lehrhaus – Stiftung für interreligiösen Dialog, Julian Stauss, Leiter des Caritasdienstes Integration, sowie der pensionierte Lehrer und Buchautor Wolfgang Rödler. Aus unterschiedlichen Perspektiven sprachen sie darüber, welche Rolle Achtsamkeit in Sport, Integration, Religion und gesellschaftlichem Miteinander spielen kann.
Quiz fordert Wissen heraus
Ein gemeinsamer Gedanke zog sich durch die Beiträge: Für ein gutes Zusammenleben sei es wichtig, nicht nur Unterschiede wahrzunehmen, sondern auch Gemeinsamkeiten zwischen Menschen zu entdecken. Für einen besonderen Moment sorgte ein interreligiöses Quiz, das über einen QR-Code aufgerufen wurde und gleichzeitig auf einer Leinwand verfolgt werden konnte.
Die Gäste beantworteten Fragen aus Judentum, Christentum und Islam und lernten dabei Wissenswertes über die verschiedenen Traditionen. Das spielerische Format wurde von den Besuchern begeistert aufgenommen. Unterstützt wurde die Veranstaltung unter anderem von der Hilfsorganisation Time to Help e.V., die weltweit Bildungs- und Hilfsprojekte fördert und sich ebenfalls für interkulturellen Dialog engagiert. Gerade vor dem Hintergrund der jüngsten politischen Entwicklungen und der hohen Wahlergebnisse der AfD bei der Landtagswahl in Albstadt bekam der Abend für viele Gäste noch eine besondere Bedeutung.
In der Festhalle wurde spürbar, was eine Stadtgesellschaft tragen kann: Respekt, Toleranz und gegenseitige Wertschätzung. Die Halle war erfüllt von Gesprächen, Lachen und einer Atmosphäre der Offenheit. Viele Besucher beschrieben den Abend als ein Zeichen dafür, dass Gemeinschaft nicht aus Abgrenzung entsteht, sondern aus Begegnung. Stärke wachse dort, wo Menschen aufeinander zugehen, einander zuhören – und manchmal auch einfach akzeptieren, dass nicht alle gleich sind. Diese Haltung müsse sich jedoch nicht nur bei besonderen Veranstaltungen zeigen, sondern auch im Alltag: auf der Straße, bei der Arbeit oder beim Gespräch auf dem Ebinger Wochenmarkt.