Personal-Engpässe in Kitas sind schon fast zur Gewohnheit geworden. Calw gelang eine Art Trendwende. Darüber hinaus entstehen im Jahr 2026 neue Betreuungsplätze.
Stets genügend Betreuungsplätze für Kinder bereitzuhalten, ist eine Wissenschaft für sich. Denn der Bedarf schwankt – etwa wegen Zu- und Wegzügen, Jahrgangsstärken, Geburtenrate.
Zugleich besteht ein Rechtsanspruch. Wer einen Betreuungsplatz will, dem muss per Gesetz einer geboten werden. Heißt: Gebäude und Personal müssen stets ausreichend vorhanden sein. Auch in Zeiten knapper Kassen und des Fachkräftemangels.
Fast schon überraschend mutete vor diesem Hintergrund die positive Grundstimmung von Thomas Seiferts Bericht an, die der Leiter der Abteilung Bildung bei der Stadt Calw jüngst dem Bildungsausschuss vorlegte. Denn der enthielt tatsächlich gute Nachrichten.
Personal
Gerade in Sachen Personal in den städtischen Kitas liegen teils harte Zeiten hinter Calw. Vor knapp fünf Jahren etwa war die Stadt gezwungen, die Ganztagesbetreuung um fünf Stunden pro Woche zu kürzen – von 50 auf 45 Stunden. Weil es an nötigen Fachkräften mangelt.
Eine Veränderung, die bis heute Bestand hat. Und die laut Verwaltung mit dazu beitrug, den einst gravierenden Personal-Mangel in den Griff zu bekommen. Doch das ist nicht alles.
Hinzu komme laut Bericht Hilfe durch Zusatzkräfte, „die zwar über keine pädagogische Ausbildung oder Qualifikation verfügen, jedoch hinreichend erfahren und für die nachmittägliche Betreuung bestens geeignet sind“.
Und nicht zuletzt verzeichne die Stadt deutliche Erfolge in Sachen Personalbindung und -gewinnung. Ein Beispiel dafür: Innerhalb des vergangenen Jahres mussten insgesamt neun Leitungsstellen neu besetzt werden, bei den meisten gelang das mit internen Bewerbern. Die Verwaltung führt das nicht zuletzt auf das Vertrauen der neuen Leitungen in die Unterstützung der Stadt zurück.
Zu Beginn des Kindergartenjahres 2025/2026 seien zwar trotzdem noch nicht alle Stellen besetzt gewesen. „Im Vergleich zu den Jahren zuvor kann jedoch nicht (mehr) von einem gravierenden Fachkräftemangel gesprochen werden“, heißt es im Bericht.
Dass auch früher alles meist funktioniert habe, erklärt Seifert indes damit, dass Mitarbeiter teils an und über ihre Grenzen gegangen seien.
Eine Garantie, dass es nicht mehr zu personellen Engpässen kommt, gebe es zudem dennoch nicht. „Vor allem bei (saisonalen) krankheitsbedingten Ausfällen sowie bei Schwangerschaft“ sei das weiterhin möglich.
Plätze
Momentan gibt es in der Stadt 23 Kindertageseinrichtungen mit insgesamt 62 Gruppen in unterschiedlicher Trägerschaft, die über eine Betriebserlaubnis des Kommunalverbands für Jugend und Soziales (KVJS) verfügen. 18 dieser Einrichtungen (54 Gruppen, 1001 Plätze) sind in städtischer Trägerschaft.
Werden die Plätze des Waldorfkindergartens mitberücksichtigt, können in 63 Gruppen insgesamt 1174 Plätze belegt werden.
Von den 1022 Plätze, die zum Ende des Kindergartenjahr 2024/2025 (Juli) hätten belegt werden können, wurden 941 Plätze tatsächlich von Kindern im Alter zwischen drei und sechs Jahren in Anspruch genommen.
Zweijährige Kinder in altersgemischten Kindergartengruppen nehmen rechnerisch zwei Kindergartenplätze in Anspruch; die 30 betroffenen Kinder belegten zum Stichtag im Juli also 60 Plätze.
Die 1001 belegten Plätze entsprechen einer Auslastung von rund 95 Prozent.
Hinzu kamen insgesamt 130 Kleinkindplätze, was im vergangenen Kindergartenjahr einer Auslastung von 68 Prozent entsprach (Stand: Juli 2025). Im Vorjahr lag dieser Wert bei 96 Prozent. Die Verwaltung erklärt das vor allem mit einem Geburtenrückgang.
Ein Ausbau von Krippenplätzen sei daher aktuell nicht zwingend erforderlich.
Planbarkeit
Eine besonders positive Entwicklung sieht die Stadt in Sachen Planbarkeit. Aufgrund der vom Gemeinderat beschlossenen Stichtagsregelung bezüglich der Vergabe von Betreuungsplätzen sei es erstmalig möglich gewesen, den konkreten Bedarf an Plätzen (auf Grundlage des Stichtags 31. August) bis zum Ende des laufenden Kindergartenjahres zu berücksichtigen. Eine solch detaillierte Planung sei bislang nur bedingt möglich gewesen.
Neue Plätze
Spätestens mit Beginn des neuen Kindergartenjahr 2026/2027 kommen indes insgesamt 30 Betreuungsplätze hinzu. So entstehen in Hirsau durch den Neubau von Kita und Gemeindehaus unter ein Dach zehn weitere Krippenplätze.
In Alzenberg soll spätestens nach dem Sommer ein Naturkindergarten mit 20 zusätzlichen Kindergartenplätzen den Betrieb aufnehmen.