Mit viel Wasser ersticken die Feuerwehrleute die Flammen, die an der Holzwand hinauf schon bis zum Dachstuhl loderten.  Foto: Schmid

Weil zwei Geislinger Mädchen Alarm schlagen und erwachsene Helfer mobilisieren, geht ein Brand in Geislingen glimpflich aus.

Geislingen - Eine Rauchsäule steigt am späten Dienstagnachmittag über der Geislinger Gartenstraße auf. "Da grillt wohl jemand", denken Anwohner – und tun erstmal nichts.

Doch weit gefehlt: Zwischen zwei älteren Häusern in dem eng bebauten Wohngebiet hat aus bislang ungeklärter Ursache der hölzerne Sichtschutz einer Gartenlaube angefangen zu brennen. Die Flammen greifen laut Polizei auch auf drei Mülltonnen über. Erst bemerkt das niemand.

Carla Wolf und Melissa Sumser, zwei Mädchen aus Geislingen, sind gerade in der Jahnstraße unterwegs und sehen aus einiger Entfernung den Rauch. Auf ihren Fahrrädern sausen sie in die Gartenstraße und schauen, was dort los ist.

Niemand grillt: Es brennt. "Es war extrem", beschreibt Carla. "Da waren ein lautes Krachen und Flammen." Die Temperaturen sind schon so groß, dass eine an der gegenüberliegenden Wand abgestellte Kunststoff-Mülltonne zu schmelzen beginnt.

Hinter dem Haus ist ein Schuppen, in dem der Besitzer sonst seine Pferde unterstellt, weiß die tierliebe Melissa. Glücklicherweise sind die Tiere an diesem Tag nicht da. Trotzdem geht die Siebtklässlerin so nahe heran, um zu sehen, was da brennt, dass sie die Hitze spürt.

"Es war knapp"

Schon greift das Feuer auf den hölzernen Dachstuhl über, und ein kleiner Baum steht nicht weit von dem Brandherd entfernt. Die Mädchen erkennen schnell, dass sie selbst nichts ausrichten können.

Carla und Melissa halten einen Fahrradfahrer an und bitten um Hilfe. Sie rufen weitere Erwachsene aus der Umgebung herbei, die die Feuerwehr alarmieren und selbst mit dem Löschen beginnen: Mit Eimern und einem Feuerlöscher versuchen sie, den Brand einzudämmen.

Doch erst den Geislinger und bald darauf auch den zur Unterstützung heranrasenden Balinger Feuerwehrleuten gelingt es, die Flammen mit viel Wasser zu ersticken. Als schließlich nur noch Dampf aufsteigt, klettert ein Mann mit einer Wärmebildkamera aufs Dach und misst die Temperatur: "40 Grad", sagt er, "das ist okay."

Auf den Gesichtern der Feuerwehrleute breitet sich Entspannung aus. Das Balinger Drehleiterfahrzeug kann gleich wieder heim.

Niemand ist verletzt worden, auch kein Pferd. Der Schaden am Gebäude ist überschaubar geblieben. Aber: "Es war knapp", sagt ein Feuerwehrmann, während er und seine Kameraden ihre Ausrüstung wieder einpacken. Es hätte viel schlimmer kommen können.

Die beiden Mädchen, deren Aufmerksamkeit und Geistesgegenwart das verhindert hat, schauen von der anderen Straßenseite aus bei den Löscharbeiten zu. "Ohne uns wäre noch mehr passiert", sagt Melissa erleichtert.

Bevor sie und Carla wieder auf ihre Räder steigen, geht der Geislinger Feuerwehrmann Tim Decker noch zu ihnen: "Wollt ihr nicht mal zur Jugendfeuerwehr kommen?" Die beiden überlegen erstmal noch. Aber eine Freundin von ihnen ist ja schon dabei – vielleicht melden sie sich ja für den nächsten Schnupperkurs an.