Da qualmt der Besen: In Lützenhardt war richtig was los. Foto: Morlok

Traditionell bestreitet die Lützenhardter Narrenzunft am Rosenmontag ihren eigenen Umzug, zu dem sie auch Laufgruppen aus dem Ort einlädt. Wer jedoch glaubt, die Gleichung „Kleiner Ort = Kleiner Umzug“ aufmachen zu können, der täuschte sich.

Entlang der Dorfstraße standen einige Hundert Besucher, darunter auch die durch die Narren entmachtete Bürgermeisterin Annick Grassi im auffälligen Harlekin-Outfit, und warteten, was da im wahrsten Sinne des Wortes auf sie zukam.

 

Angeführt von einem vorausmarschierenden Täfelsbub folgten die Tanzmäusle in Begleitung einer Zunfträtin, die das Umzugstempo vorgaben. Da die Kleinen doch nicht ganz so schnell wie die Erwachsenen unterwegs sein konnten, musste man den Täfelsbub, der aus der Gruppe der Schafhofhexen kam, ab und zu in seinem Vorwärtsdrang bremsen.

Naja, so eine Schafhofhex hat halt hinten keine Augen und nach vorn sieht sie auch nicht wirklich viel. Doch das Publikum half hier aus und regelte zusammen mit der Lady aus der Vorstandschaft das Tempo.

Langstielige Rosen passend zum Rosenmontag

Hinter den Tanzmäusle marschierten die Damen von der Tanzgarde im Gleichschritt und bildeten die Vorhut von Prinz Gerhard und Prinzessin Karla den Ersten, die passend zum Rosenmontag langstielige Rosen an ihre närrischen Untertaninnen verschenkten.

Natürlich gehört zu jedem ordentlichen Fasnetumzug auch Musik. Und damit konnten die „Gassenfetzer“ dienen. In allerbester Gugga-Tradition ließ sie zur Freude der Besucher bekannte Melodien in einem stark von Blech- und Perkussionsinstrumenten geprägtem Sound erklingen.

Apropos Tradition. Nichts ist in Lützenhardt so mit Tradition verbunden wie das Bürstenmacher-Handwerk. Früher verdienten sich viele Einwohner Lützenhardts ihren Lebensunterhalt mit der Herstellung und dem Verkauf von Bürsten und die „Bürstenmacher-Gruppe“ in ihrer derben Bekleidung und dem typischen Tragegestell der reisenden Handwerker auf dem Buckel, erinnert an diese Handwerker, von denen es heute noch einige im Ort gibt.

Ausgelassene Freude

Fasnet ist aber nicht nur Tradition und Brauchtum, sondern auch ausgelassene Freude am Leute ärgern, herumtoben und Schabernack machen. Dafür sind in Lützenhardt die Schafhofhexen in ihrem gelb-grünen Häs und ihren individuellen Larven zuständig.

Eine der Hexen war mit ihrem Besen sogar so am Schaffen, dass die Borsten qualmten. Einen hohen Wiedererkennungswert haben auch die „Maierhofschäfle“, die von ihrem Ursprung her an das älteste Haus Lützenhardts, den Maierhof – auf dem damals Schafzucht betrieben wurde – erinnern.

Ein charmanter Umzug

Am Ende des Umzugs flogen die Schmetterlinge vom Frauenstammtisch „Immer wieder mittwochs“, die zwei ihrer männlichen Raupen dabeihatten und die Piraten-Gruppe „Pippi im Takatuka-Land“.

Es war ein schöner, charmanter Umzug, der sich durch lokalen Bezug unter dem Motto „Von und für Lützenhardter und ihre Gäste“ wohltuend von den großen Fasnetumzügen der Gegend abhob und einen wunderbaren Auftakt zur Kinderfasnet – die anschließend im Haus des Gastes stattfand – bildete.