Fasching, Fasnet oder Karneval? Unsere Autorin ist mit Fasching großgeworden – in Fasnetsregionen wurde ihr das zum Verhängnis. Vom Versuch einer Umgewöhnung.
Der Dreikönigstag ist rum – und damit befinden wir uns in der „5. Jahreszeit“. Doch wie heißt das Ding denn nun? Von Kindesbeinen an bin ich mit dem ganzen Trubel vertraut. Umzüge, Bälle, sogar die Hexenverbrennung mit echter Strohhexe – alles habe ich mitgemacht. Unter dem Namen „Fasching“.
Doch dann: Ich verlasse mein Elternhaus im Enzkreis. Und in der großen weiten Welt (alias Kreis Freudenstadt und Kreis Tübingen) lerne ich: Alles, was ich je über dieses Ding meinte zu wissen, ist FALSCH.
Verzweifelte Versuche zur Sprachänderung
Ich sage Fasching. Es heißt Fasnet. Basta, keine Diskussion! Ich gebe mir Mühe – aber immer wieder rutscht es mir raus. Anklagende Blicke treffen mich, Freunde blockieren meine Nummer, faulige Tomaten werden auf der Straße geworfen. Ich winsle um Vergebung, trage freiwillig eine Schandkappe und klebe die fraglichen Buchstaben auf der Tastatur ab. Meine Artikel werden mangels I, CH und G wortkarg.
Ich will es verstehen – wo ist der Unterschied? An einer Stelle lese ich, Fasching sei mit dem rheinischen Karneval ähnlich – dazu passt die Prinzengarde, in der meine Klassenkameradinnen marschierten. Fasnet wird mit Häs gefeiert – das hatten wir aber auch…
Google teilt mir mit: In Baden und in Württemberg wird vor allem Fasnet gesagt. Aber ich komme doch aus Baden-Württemberg. Oder nicht? War mein Leben eine Lüge? Liegt das Dörfchen eigentlich ganz woanders? Überhaupt in Deutschland? In Europa? In einer Paralleldimension? Jedenfalls: „Fasching“ muss aus meinem Kopf heraus! Tägliche Übungen, Hypnosetherapie und Elektroschocks zeigen jedoch keine Wirkung.
Und nun? Ich habe es nicht geschafft. Mit demütig gesenktem Blick ziehe ich mich in den Kreis Calw zurück, wo die dieses Dings mit F überschaubar bleibt. Ich schreibe mir in einer Glosse meine Verzweiflung von der Seele. Und berufe mich künftig auf die viel beschworene Anarchie während der närrischen Zeit. Jedes (Narren-)Gesetz missachtend sage ich: Fasching.