Fasnetsumzüge in Betra gehören zu den urigsten. Foto: Andreas Wagner

Die „Keaschmecker“ und ihre Gästen feierten mit einem gelungenen Umzug Fasnet.

Beim Fasnetsumzug der Narrenzunft Betra nicht zog es trotz schlechten Wetters dutzende Narren auf die Straße, um in die feucht-fröhliche Stimmung einzutauchen. Über 550 Narren aus 17 verschiedenen Gruppen zogen die närrische Meile entlang. Den traditionellen Auftakt des Zuges machte wie gewohnt der „Bajass“. Als bewährter Kommentator fungierte auch dieses Mal wieder der „Polizischt“ Manfred Thomaier, der den Zuschauern das närrische Treiben nicht nur moderierte, sondern auch spannende Hintergründe zur Entstehung und Bedeutung der einzelnen Zünfte und Gruppen lieferte.

 

Nachdem der Narrenrat und die Flößer der NZ Betra vorbeigezogen waren, sorgte der örtliche Musikverein „Harmonie“ unter der Leitung von Dirigent Elias Kowalski für die musikalische Untermalung. Die unangefochtene Hauptfigur der Zunft ist der „Keaschmecker“. Diese Figur geht tief in die Geschichte der Gemeinde Betra zurück. Einst war die Region stark landwirtschaftlich geprägt und von dichten Wäldern umgeben.

Fasnet erzählt Geschichte

In dieser Zeit sicherte der Verkauf von harzhaltigen Kienspänen den Einwohnern ein wichtiges Zusatzeinkommen. Das Holz für diese Späne wurde aus dem Wurzelstock von Kiefern gewonnen. In speziellen Halterungen dienten sie in erster Linie als Fackeln zum Feuermachen und als Beleuchtung. In der Literatur findet sich dieser Ursprung ebenfalls wieder. So notierte Bruno Stehle im Hohenzollerischen Heimatbuch: „Die Betraer graben und verkaufen viel Kienholz. Deshalb sind sie die Kienschmecker, mundartlich Keaschmecker.“ Dieser frühe Handelsberuf hat sich auch in einem alten schwäbischen Mundart-Vers verewigt: „I ben vo Betra ond handle mit Kea, welletern schmecka, welletern sea – dr isch no grasgrea.“

Das Bild der großen Zunft wird durch eine Vielzahl weiterer Gruppen abgerundet. Dazu gehören die Alt- und Burgstallhexen, Schantle, Felben sowie die klanggewaltige Narrenkapelle „Kandldabber“. Ein fester Bestandteil des Umzugs ist außerdem der traditionelle Umzugswagen mit dem Kennzeichen „BET-RA 1“. Dessen Geschichte reicht bis in die 1920er Jahre zurück, als sich der Gemeinderat noch standesgemäß in einer von Pferden gezogenen Kutsche am Umzug beteiligte. Einer schönen Tradition folgend, ließen es sich Ortsvorsteher Stefan Schäfer und sein Gremium auch in diesem Jahr nicht nehmen, von diesem Wagen aus Süßigkeiten an die Besucher zu verteilen. Und auch an die verliebten Narren wurde am Valentinstag gedacht. Dafür sorgte vor allem die „Fasnetsgruppe Schnittchen“ mit ihrem Motto „Amore Mio“. So regnete es schließlich neben Konfetti und Bonbons auf den Straßen von Betra auch Rosen und neben den Rauchschwaden, welche die Hexenschar hinter sich her zog, lag letztlich auch närrische Romantik in der Luft.