Die Fruchtmaale führten bei der „Abstaubede“ auf dem Vollmaringer Dorfplatz ihren traditionellen Fruchtmaale-Tanz auf. Foto: Daniel Steinrode

Mit der traditionellen „Abstaubede“ hat die Narrenzunft Vollmaringen auf dem Dorfplatz offiziell die neue Fasnetssaison eröffnet.

Trotz eisiger Temperaturen versammelten sich zahlreiche Narren und Besucher vor der winterlichen Kulisse der St. Georgskirche, um diesem festen Bestandteil des schwäbisch-alemannischen Brauchtums beizuwohnen.

 

Zu Beginn der Veranstaltung stellte Zunftmeister Wolfgang Stein die einzelnen Figuren der Narrenzunft vor und erläuterte deren Herkunft, Bedeutung und Besonderheiten. Im Mittelpunkt standen dabei die drei prägenden Gestalten der Vollmaringer Fasnacht: die Hexe, der Teufel und das Fruchtmaale.

Die Hexe, die 1983 ins Leben gerufen wurde, ist nach dem Weiher zwischen Vollmaringen und Mötzingen benannt und gilt als Wasserhexe. Dies spiegelt sich besonders in der markanten Holzmaske wider: Eine lange, gebogene Nase sowie ein Fisch im Mund verweisen auf die enge Verbindung zum Wasser. Die helle Gesichtsfarbe sowie rote Nase und rote Wangen verleihen der Maske ein vergleichsweise freundliches Erscheinungsbild und mildern ihre ursprünglich groteske Wirkung. Zum Häs gehören ein schwarzer Janker, ein langer schwarzer Rock, eine farbig gestreifte Schürze sowie ein beiges Halstuch. An den Füßen trägt die Hexe Strohschuhe mit dunkelgrünen Stülpen. Schwarze Handschuhe, ein grünes Leinentuch an der Maske, das weit über die Schultern fällt, sowie der typische Reisigbesen vervollständigen das Erscheinungsbild.

Von Anfang an dabei: die Teufel

Zu den ältesten Figuren der schwäbisch-alemannischen Fasnacht zählen die Teufel, die ebenfalls bereits im Gründungsjahr der Narrenzunft Vollmaringen geschaffen wurden. Ihr Häs hat sich im Laufe der Jahre weiterentwickelt und zeigt sich heute mit schwarzer Jacke und schwarzer Hose, auf die rote, untergezahnte, rautenförmige Filzplätze aufgenäht sind. Die dunkelbraune Holzmaske mit angeschnitztem Haar, markantem Haaransatz und geschnitztem Kinnbart wird durch ein langes schwarzes Heidschnuckenfell ergänzt. Besonders auffällig ist der an der Maske befestigte Fuchsschwanz – ein altes Narrensymbol, das nach neuerer Deutung den Narren als unehrlichen und gesellschaftlich unterprivilegierten Teil der Gemeinschaft kennzeichnet. Schwarze Handschuhe und schwarze Schuhe sind für dieses Häs obligatorisch.

Als jüngste, aber mittlerweile fest etablierte Brauchtumsfigur wurde das Fruchtmaale vorgestellt. Das Häs wurde 1986 erstmals präsentiert und symbolisiert die Schönheit der Natur sowie die fruchtbare Landschaft rund um Vollmaringen. Getragen werden eine gelbe, kornfarbene Hose und ein gleichfarbiges Oberteil, an dem an Armen und Beinen gestickte Ähren auf braunen Streifen eingearbeitet sind. Über dem Häs befindet sich ein zweiriemiges Geschirr. Die kugelförmige, freundlich blickende Maske orientiert sich an der klassisch weißnarrentypischen Glattlarve. Augenbrauen und Bart werden durch angeschnitzte Ähren dargestellt.

Narrenrat entstaubt die Larven

Ergänzend zur Vorstellung der Figur führten die Fruchtmaale auf dem Dorfplatz ihren traditionellen Fruchtmaaletanz auf. Mit der choreografierten Darbietung setzten sie einen lebendigen und farbenfrohen Akzent innerhalb der Abstaubede und machten die Bedeutung dieser Figur für die Vollmaringer Fasnet auch tänzerisch erlebbar. Der Tanz unterstrich die enge Verbindung des Fruchtmaales zur Natur und zur landwirtschaftlich geprägten Umgebung des Ortes und wurde von den Anwesenden mit großem Beifall aufgenommen.

Im Anschluss an die Vorstellung der Figuren wurden die Masken durch den Narrenrat feierlich abgestaubt. Dieser symbolische Akt markiert traditionell den Beginn der närrischen Zeit und erweckt die Figuren sinnbildlich aus ihrem Winterschlaf. Schnee, Kälte und die besondere Atmosphäre des Dorfplatzes verliehen der „Abstaubede“ in diesem Jahr einen ganz eigenen, eindrucksvollen Charakter.

Mit der „Abstaubede“ setzt die Narrenzunft Vollmaringen ein sichtbares Zeichen für den Auftakt der Fasnacht und unterstreicht einmal mehr die Bedeutung der Brauchtumspflege sowie die enge Verbundenheit der Zunft mit dem Ort und seiner Geschichte.