Mit Bussen und weiteren Fahrzeugen wurde die Umzugsstrecke am Dienstag in Villingen geschützt, hier in der Mönchweilerstraße. Das Konzept hat sich bewährt. Foto: Marc Eich

Die Sicherheit an der Fasnet war in diesem Jahr ein besonderes Thema – auch in Villingen-Schwenningen. Polizei, Stadtverwaltung sowie die Zünfte ziehen Bilanz und erklären auch, inwieweit der Anschlag in Mannheim zum Thema wurde.

Die Fähnle in den Innenstädten wehen am Aschermittwoch noch im Wind, die Narren haben die Schlüssel aber schon wieder zurückgegeben. Trotz aller Wehmut, dass die Fasnet vorbei ist, überwiegt die große Freude: Denn in der Doppelstadt zieht man eine rundum positive Bilanz.

 

Das sagen Polizei und Rettungsdienst

Es kommen sehr viele Menschen zusammen, es fließt reichlich Alkohol – Konflikte sind an der Fasnet nicht ungewöhnlich. Überaus erstaunlich ist in diesem Zusammenhang deshalb das, was Polizeisprecher Daniel Brill zur Bilanz der Hohen Tage in VS berichtet: „Im Raum VS haben wir drei Straftaten mit Fasnetbezug aufgenommen.“ Es könne zwar sein, dass Straftaten erst im Nachhinein angezeigt werden, dennoch zeigen sich die Beamten überaus zufrieden mit dem, wie die Fasnet in der Doppelstadt ablief. „Es war eine äußerst ruhige Fasnet“, fasst es Brill zusammen.

Dafür spricht auch die Tatsache, dass laut des Polizeisprechers lediglich eine einstellige Zahl von Platzverweisen erteilt wurde, mit Bezug zum närrischen Treiben musste keine einzige Person in Gewahrsam genommen werden. Die Villinger Innenstadt stand aus Sicht der Polizei im Fokus, hier kamen deshalb auch Kräfte der Bereitschaftspolizei zum Einsatz.

Ein hilfreiches Mittel sei in diesem Zusammenhang abermals die Videoüberwachung in der Färberstraße gewesen. „Die Videoüberwachung macht sich nicht nur repressiv, sondern vor allem auf präventiv bemerkbar“, so Brill. Konflikte in der Partymeile konnten deshalb im Keim erstickt werden. Zahlreiche Beamte sorgten auch rund um die Umzüge und an den Schleusen über viele Stunden für Sicherheit.

Der Rettungsdienst bestätigt den Eindruck der Polizei und bewertet die Fasnet ebenfalls als durchweg positiv. Abgesehen von fasnetstypischen Einsätzen sei es ruhig gewesen. Dirk Sautter, Leiter der Integrierten Leitstelle, sagt: „Nach bisherigem Kenntnisstand gab es überhaupt nichts Erwähnenswertes.“

Narrozunft und Narrenzunft sind glücklich

Eine gewisse Euphorie schwingt beim Villinger Zunftmeister Anselm Säger mit, wenn er nach der Bilanz gefragt wird: „Bombenwetter, Bombenstimmung – was für eine Fasnet. Eine der schönsten kann man sagen!“ Aus Sicht des Zunftmeisters habe es sich auch bewährt, dass der Historische Umzug am Montag bereits um 8.45 Uhr startete. „Es tat uns gut, dass wir eine Viertelstunde früher angefangen haben – auch wegen der Fairness gegenüber den Clowns und der Katzenmusik“, so Säger. Organisatorische Umstellungen hätten zudem dazu geführt, dass der Umzug „schneller und flüssiger“ durch war.

Der Chef der Historischen Narrozunft lobt die Stadtverwaltung für die Umsetzung des Sicherheitskonzepts: „Man hat sich wirklich maximal bemüht, die Leute haben sich auch wohlgefühlt. Das war eine gute Entscheidung.“ Dass die Stadt weitsichtig handelte und die Umzugsstrecken mit Bussen und Fahrzeugen sicherte, zeigte sich am Montag.

Durch den Anschlag in Mannheim, bei dem ein Mann mit einem Auto in eine Menschenmenge fuhr, rückte die Sicherheitslage auch in Villingen mit Blick auf den großen Umzug am Dienstag erneut in den Fokus. „Wir haben kurz darüber diskutiert, aber uns war klar, dass das Sicherheitskonzept gut ist“, so Säger. Dass dieses in Villingen gut umzusetzen ist, hat einen besonderen Grund. „Die Stadtmauer schützt die Bürgerschaft auch im 21. Jahrhundert.“

In Schwenningen zeigt man sich ebenfalls zufrieden mit der Fasnet. Zunftmeister Lutz Melzer: „Schee war’s!“ Das Sicherheitskonzept sei aufgegangen. Zwar habe der ein oder andere Narr überlegt, ob er überhaupt auf die Fasnet geht, „aber es war alles gut organisiert und hat funktioniert“.

Stadt zieht positive Bilanz

Dank des Sicherheitskonzeptes sei die gesamte Fasnet „sehr ruhig und friedlich“ verlaufen, wie Madlen Falke im Namen der Stadtverwaltung bilanziert. „Unzählige Bürgerinnen und Bürger haben sich bei unseren Mitarbeitenden für die Sicherheitsmaßnahmen und Präsenzen bedankt“, so Falke.

Das Bürgeramt hatte die Sicherheitsvorkehrungen im Vorfeld mit hohem Einsatz verstärkt. Neben vollständigen Zufahrtssperren im Veranstaltungsbereich waren sowohl uniformierte als auch zivile Kräfte des Kommunalen Ordnungsdienstes (KOD) im Einsatz. Sämtliche Veranstaltungen im öffentlichen Raum, inklusive der Umzüge in den kleineren Stadtbezirken, seien eng begleitet und Sicherheitsmaßnahmen flexibel angepasst worden. Laut Aufzeichnung blieb es auch in der Färberstraße an allen Tagen friedlich, die Kneipenmeile war insbesondere am Donnerstag und Samstag gut besucht.

Diese Maßnahmen hat der Kommunale Ordnungsdienst getroffen

Von Vermisstensuche bis Beschlagnahmung
Entfernung von Hindernissen in Fluchtwegen (Stehtische, Bierbänke, Stühle) (50x), Abschleppen von Fahrzeugen (43x), Jugendschutzmaßnahmen (36x), Beschlagnahme nach dem Waffengesetz (zwei Hieb- und zwei Stichwaffen) (3x), Ruhestörung durch Gruppen mit sehr lauter Musikbox (4x), Fundsachen (7x), hilflose Personen an Erziehungsberechtigte übergeben (2x), Kontrolle einer Person mit verdächtigem Rucksack und Verhalten (1x), Verstoß gegen das Sprengstoffgesetz (Böllerwurf Münsterplatz) (1x), gefährliche Körperverletzung (1x), Taschendiebstahl (1x), Platzverweis für „Bier Pong“-Wagen wegen Alkoholabgabe (1x), Suche nach vermisstem Kind (1x), Beseitigung einer Gefahrenstelle (1x), Feuerspucker (1x), unerlaubte Taubenfütterung (1x).