Pfiffig wie immer präsentierten sich die Hästräger in den Ortsteilen von VS am Schmotzige. Eine besondere Aufgabe musste die Marbacher Ortsvorsteherin erfüllen.
Das nass-kalt-windige Wetter war freilich in allen Ortsteilen Thema. Doch dies machte den Hästräger nichts aus.
Marbach
In Marbach hat Rathauschefin Irina Ebauer bis zum Aschermittwoch nun nichts mehr zu melden. Die Talbachhexen und das Waldgsindel haben sich den Rathausschlüssel abgeholt und haben nun das Sagen.
Trotz ungemütlich nassem Wetter traf die große Narrenschar pünktlich und gut gelaunt am Rathaus ein und lauerte auf die Schlüsselübergabe. Matthias Lachnit und Christian Breithaupt blickten in Versform auf das vergangene Jahr zurück, in dem Irina Ebauer als Ortsvorsteherin tätig war.
„Es gibt nichts zu klagen, sie hat ihre Sache gut gemacht an allen Tagen,“ wurde ihr versichert. Auch an schwierige Aufgaben habe sie sich gewagt. Weil auch in Marbach gespart werden muss, wurde auf eine Sitzgarnitur vor dem Rathaus verzichtet, die war nur imaginär vorhanden und musste gedanklich zur Seite gestellt werden, da der Platz für verschiedene Aufgaben benötigt wurde.
Die Narrenschar wurde von der Ortsvorsteherin herzlich begrüßt, doch so einfach wollte sie den Schlüssel natürlich nicht rausrücken. Acht Reifen hatte sie ausgelegt, durch diese mussten die beiden Zunftmeister springen, um an zwei mit Behälter mit Tannenzweigen und schleimiger Masse zu gelangen.
Dort waren 23 bunte Buchstaben versteckt, die sie, nachdem sie sich bis über die Ellenbogen reichende Schutzhandschuhe aus ihrem Narren-Notfallkoffer angezogen hatten, nicht nur herauswühlen mussten, sondern auch sinnvoll zusammensetzen. Heraus kamen die Worte TALBACH HEXEN und WALDGSINDEL.
Nach der bestandenen Aufgabe kam der Rathausschlüssel jubelnd in Narrenhand, anschließend ging es in den Rathaussaal, wo alle großzügig mit Getränken und Gebäck versorgt wurden.
Tannheim
Im Rathaus in Tannheim haben bis Aschermittwoch die Osemali-Narren die Dienstgeschäfte übernommen. Alles war gut vorbereitet für den Rathaussturm, denn niemand hielt es bei diesem unnärrischen Wetter länger als notwendig im Freien auf. Zumindest die Gute-Laune-Tour war sehr erwärmend fröhlich.
Die erste Etappe des närrischen Lindwurms ging vom Zunftlokal zum Kindergarten, wo man überschwänglich und gut vorbereitet erwartet wurde. Jedenfalls waren die Kinder textstärker beim Osemalilied als mancher Hästräger.
In der Schule gehörte die Große Pause zwar noch zum Dienst, die Lehrer hatten aber bereits ausgeschlumpft. Im Rathaus angekommen, ganz schnell an die gedeckte Tafel im Ratssaal, als guter Festhallenersatz, nur etwas gedrängter. Die meiste närrische Arbeit blieb an Zunftmeister Tobias Baumgärtner hängen. Beim Hissen der Narrenfahne, da hätte die närrische Berufsgenossenschaft ein paar Runzeln mehr ins Narrengesicht bekommen.
Die Sturmglocke auf dem Rathaus war wieder einsatzfähig, nachdem sie im vergangenen Jahr am Schmotzige kurzfristig ihren technischen Geist aufgab. „So gohts, des mosch so mache“, lernte Tobias Baumgärtner seinen künftigen Glöckner ein, der als alter Dannemer erstmals in seinem Leben auf dem Speicher des Rathauses vor diesem technischen Wunderwerk stand.
Und da war auch noch der Rathausschlüssel. Den hatte Ortsvorsteherin Anja Keller die ganze Zeit unterm Arm. Alle Rathausbesatzer haben sich für alles interessiert, nur nicht für den Schlüssel. Ein ganz offizielles Übergabefoto geht aber doch immer, und wenn es zwischen Tür und Angel ist, wenigstens im Trockenen.
Pfaffenweiler
Die Wolfbach-Rolli-Fahne hing schon am Rathaus, die Narrenschar wartete tropfnass vor dem Feuerwehrhaus auf den Fasnetsbeginn, aber von Ortsvorsteher Martin Straßacker und seinem Rathausschlüssel keine Spur. So etwas, bei dem Sauwetter, dürfe er sich als Rentner nicht mehr antun, ließ er verlauten, und verlegte Kraft Amtes die Zeremonie kurzerhand in die Rathaus-Außenstelle Festhalle, denn dahin kommen die Narren sowieso.
Wenn er meint, sagten sich die überwiegend jungen Narren, machten sich auf den Umzugsweg in die Halle, und siehe da, kaum angekommen, der Himmel riss kurz auf zu einem Splitter Sonnenschein. Die Schlüsselübergabe konnte nachgeholt werden, und dieses Mal ohne die technischen Beschallungs- und Abseil-Defizite und Hindernisse wie im vergangenen Jahr.
„Aber mal im Ernst, müssen wir uns um deine Gesundheit sorgen? Wie ist nun dein Rentnerleben, hast du noch Zeit oder nur im Stress“, musste sich der Ortsvorsteher fragen lassen. Zum Tanzen auf dem Let’s Fetz-Festival war er nicht zu sehen. Einige Male kurzfristig musste er auch eine „Ortsverwaltung-Außenstelle“ auf einem Camping-Platz in Spanien und in der Speicherstadt Hamburg eröffnen.
Als Globalplayer war er schließlich auch in Sachen Weltkulturerbe Wolfbach-Rolli unterwegs. In Pfaffenweiler, ja, das neue Feuerwehrhaus kommt. Gebaut wird nach der Fastnacht, er weiß nur nicht in welchem Jahr, verkündete Martin Straßacker. Immerhin die Langzeit-Straßenbaustelle vor der Kita ist fertig, sogar im Nachhinein mit einem tollen tierschutzgemäßen Belag, dass sich die Wolfbach-Rollis nicht die Pfoten aufreißen bei Sturzflügen.
Der Rolli-Nachwuchs durfte dann den Schlüssel übernehmen, nicht ohne ihm zuvor eine Hallenrunde Malzer und andere Leckerli zukommen zu lassen.