Ideenreich präsentierten sich die Hästräger in den VS-Ortsteilen, um die Ortschefs aus ihrem Amt zu heben.
Es war ein spannender und unterhaltsamer Auftakt in die Hohen Tage der Fasnet.
Obereschach
Einen regenfreien Moment erwischte die Gayser-Gilde für die Rathausstürmung am Schmotzigen Donnerstag. Damit die Narren aber nicht so schnell und kampflos an den Rathausschlüssel kamen, hatten die Ortschaftsräte um Ortsvorsteher Jürgen Goltz den Rathauseingang mit Absperrbändern verbarrikadiert und sich dahinter verschanzt. Doch wenn man die grimmigen Gesellen der Gayser-Gilde kennt, die angeführt von den Gayser-Musikanten unter der Leitung von Thomas Haberer in großer Anzahl vor das Rathaus zogen, wurde bald klar, dass die Absperrbänder dem Ansturm nicht lange halten würden.
Und so kam es dann auch. Im Rathausinnern wurden die Gayser dann alsbald fündig, überrumpelten Ortsvorsteher Jürgen Goltz, übergaben diesen an die beiden Zunftmeister Laurin Winterhalder und Patrick Fleig, die diesen unter dem Jubel der Gayser-Musikanten, der vielen Schaulustigen und der übrigen Hästräger vor das Rathaus trugen. Der Ortsvorsteher verlas dann gezwungenermaßen die Urkunde und gewährte den Gaysern während der Fastnachtstage viel Freiheit und übergab an sie symbolisch den Rathausschlüssel, bevor diese zur Dorffasnet zum Vereinshaus Alte Schule weiterzogen.
Weigheim
Im Weigheimer Rathaus begleitete reichlich Wolfs-Blut, Wolfs-Geheul und Halden-Hui die Schlüsselübergabe an die Narrenzunft. Oberhansel alias Lorenz Weißhaar zitierte den stellvertretenden Ortsvorsteher Günter Schilling ans Rednerpult und reklamierte, dass den Narren nun schon in der zweiten Saison in Folge der Zutritt zur Mehrzweckhalle verwehrt bleibt. Das Sanierungsende des aufgrund eines Unwetters zur Dauerbaustelle gewordenen Gebäudes störte ihn mächtig.
Doch er zeigte sich gnädig und gab den politischen Gremien Zeit mit ihren Entscheidungen eine Fertigstellung bis 2027 in die Wege zu leiten. 2028 feiert die Zunft ihren 33. Geburtstag am liebsten in der sanierten Halle. Außerdem befand er es als außergewöhnlich, im dritten Jahr in Folge eine andere Ortsverwaltung befreien zu müssen. „Wir wollen im nächsten Jahr wieder unseren Holger haben“, betonte er unter lautstarkem Beifall aller Anwesenden. Derweil hörte Schilling mit spitzen Ohren zu, als der Hansel auch die maroden Ortsstraßen „Am Berg“ anprangerte. Ein Raunen der Halden-Hexen und Halden-Geister ging durch den Ratssaal als Weißhaar Mühlhausen als Vorort von Weigheim bezeichnete. Doch recht schnell war klar, dass diese beiden Zünfte gut miteinander können.
Beide hatten zum Ziel, im Sauseschritt die Macht im Rathaus zu erobern beziehungsweise dabei zu sein, wenn Wölfe und Hansel das Zepter im Rathaus übernehmen. Schilling leistete in seiner Funktion als stellvertretender Ortsvorsteher kaum Widerstand und rückte den Schlüssel mit wenigen Worten heraus. Dank der Großzügigkeit des Hansels erhielt er im Gegenzug zum Dank einen Orden.
Für die Narrenzunft Weigheim war es an diesem Morgen die dritte Etappe auf ihrem Weg zur Machtübernahme. Bereits morgens befreiten sie mit viel Wolfsgeheul die Kindergartenkinder und die Schulkinder von ihren schulischen Pflichten. Vom Rathaus ging es zur Aufstellung für den Kinderumzug und die anschließende Fasnet für die Jüngsten. Für die Jugendlichen und Erwachsenen begann der Fasnetsparty-Abend mit einem Hemdglonkerumzug.
Herzogenweiler
Eine Formsache war die Übernahme der Rathausgeschäfte in Herzogenweiler durch die Glaser dann doch nicht ganz, wie es vielleicht anfangs den Anschein hatte. „In diesem Jahr habt ihr gewonnen, unser OV kann heute leider nit komme. Ihr wisst ja, wie närrisch ich bin, aber gemeinsam kriegen wir des scho hin“, begrüßte Vize-Ortsvorsteher Wolfgang Meder die erwartungsvollen Glaser, und strählte dann aber leibeskräftig zurück. Die Bedenken der Glaser gegen den Bau der Windkraftanlage mitten im Wald konnte er so nicht teilen. Und das nicht nur, weil die Höhe der Windradmasten den des Narrenbaums bei weiten übertreffen. „Wir brauchen diesen Strom“, hielt er entgegen. Denn, obwohl der Babyboom in Herzogenweiler eine große Freude ist, er habe doch auch mit Stromausfall zu tun.
Auch von noch ganz anderer Seite scheint der Narrenbaum bedroht. Im Brandweiher über der Landstraße hat sich ein Biber häuslich niedergelassen. Wenn der den Weg in den Ort findet und nicht vorher überfahren wird, dann könnte der Narrenbaum umgeknabbert sein, sinnierten die Narren. „Habe ich so kommen sehen“, entgegnete der OV-Vize. Eins machte er seinen Narren aber klar, dass er in den Fasnetsferien sicher nicht auf das Bäumle aufpassen wird, wie angetragen, „kein Dädsch mer“. Mit dem Glasertrunk zur Amtsübergabe konnte sich Wolfgang Meder anfreunden. Als Gegengeschenk gab es einen Biberschwanz (Dachziegel). Heißt, genießt die Fasnet und lasst sie euch nicht vom Biber vermiesen.
Mühlhausen
Ein Geheimtipp für alle, die es lieben die Fasnet klein aber fein zu feiern, war der Kappenabend der Haldenzunft im Göpelhaus genau das Richtige zum Abschluss des Tages.
Haldenzunftchef Enzo Volturana war einmal mehr überrascht über die originellen Verkleidungen, in denen einige der Gäste gekommen waren. So hieß er Obermarie Klaus Mainzer in Begleitung einiger Schwarzwaldmaries ebenso willkommen wie Rotkäppchen, Bienen und andere lustige Gestalten.
Weilersbach
Am Schmotzige Donnschdig feierten die Zunft der Willerschbacher Epfelschittler eine doppelte Premiere, als sie Yvonne Schuler von ihren Pflichten als Rathauschefin befreiten und den Narrenbaum vor der Glöckenberghalle aufrichteten. Doch wer gemeint hatte, die Ortsvorsteherin überlässt kampflos der Zunft den Rathausschlüssel, der irrte gewaltig. Diese musste rückwärts gesungene Fasnetslieder erkennen, was ihr nur unter tatkräftiger Mithilfe der Anwesenden gelang. Doch kaum war der Schlüssel in der Gewalt der Epfelschittler, als der Tross der Narren in Richtung Festhalle weiterzog. Mit dabei auch die abgesetzte Ortsvorsteherin Yvonne Schuler, die inmitten von Epfelschittlern das nächste Minispektakel mitverfolgen konnte.
Auf der Wiese vor der Festhalle lag der Narrenbaum bereit. In den vergangenen Jahren ragte er stets in der Dorfmitte in unmittelbarer Nähe des Rathauses in die Höhe. Nach der Fertigstellung der ersten Etappe der Dorfplatzsanierung bevorzugten die Epfelschittler einen Stellplatz im Bereich des Halleneingangs. Dort ist bereits seit längerem ein Fundament mit geeigneter Baumhülse im Boden vergraben.
Zudem spielt sich während der Hohen Tage in und um die Halle mehr ab als am Rathaus. Hinzu kommt, dass der Baum dort sichtbarer ist. Nicht zuletzt sind auf dem Hallenvorplatz die Zuschauerränge weniger beengt.
Das Aufrichten an neuer Stelle verlangte den Baumstellern dennoch einiges an Konzentration und Ausdauer ab. Befestigt an einem Traktor zur zusätzlichen Absicherung konnte nichts mehr schief gehen.
Nachdem der Baum in den Himmel ragte, belohnte das Publikum mit seinem Beifall die Truppe für ihre Mühen. Die Willerschbacher Schtadtmusik begleitete das Spektakel musikalisch. Kurzweilig und mit wenigen Programmeinlagen setzte sich die Party mit Kappenabend und offener Bühne in der Halle fort.