Die Narren hatten in diesem Jahr leichtes Spiel mit der Obrigkeit- das sorgte erst einmal für Verwunderung. Foto: Schmidt

Nicht der Bürgermeister, sondern die Rathausdamen putzten sich besonders heraus. Aber die Villingendorfer Narren kennen – selbst bei Regenwetter – kein Erbarmen.

Verwundernde Blicke vor dem Rathaus. Erst kam der Schultes 20 Minuten zu spät und dann übergab er froh gelaunt den Rathausschlüssel.

 

Mit dem Bauraaufschtand begann am Schmotzigen Donnerstag in Villingendorf die heiße Phase der Fasnet. Zahlreiche Zuschauer versammelten sich vor dem Rathaus, um das Spektakel zwischen Narrenzunft und Rathauschef mitzuerleben.

Leut’ im Regen stehen lassen

Der Schmotzige markiert traditionell den Beginn der närrischen Regentschaft. Üblicherweise fordern die Narren im humorvollen Schlagabtausch lautstark den Rathausschlüssel, was sie auch in diesem Jahr taten. Nur verlief das weitere Szenario etwas anders. Fast 20 Minuten geduldeten sich die Narren, bis Bürgermeister Marcus Türk endlich am Fenster erschien.

Er begründete seine Verspätung augenzwinkernd mit dem schlechten Wetter. Man habe gehofft, dass der Himmel seine Schleusen schließt. Die eigene Absetzung habe er selbstverständlich nicht vergessen. Für die weitere Überraschung sorgte dann die Damen des Rathauses.

Standhaft verteidigten sie das Rathaus und drohten den Narren mit dem Staubwedel. Frisch geputzt sei das Rathaus und man wäre keinesfalls bereit, die Narren mit ihren schmutzigen Schuhen im frisch gewienerte Rathaus zu dulden. Türk indes zeigte sich kooperativ, was den Narren aber gar nicht gefiel: „Der Schultes spricht heut komisch raus, der lacht und sieht ganz freundlich aus. Mit weillat Fasnet, d willsch des nimmer, mir drohet dir, s`Rothaus wird b´setzt, und du wirsch als Schultes abgesetzt“, erklärten sie die Rolle des Bürgermeisters. Doch dieser blieb gelassen, reichte ein Gläschen und den Schlüssel.