Fast zwei Stunden hatten die Narren beim Umzug in Villingendorf Glück. Dann ging er klatschnass zu Ende. Doch das tat der Stimmung keinen Abbruch.
Der Wettergott meinte es spannend mit den Villingendorfer Narren. Während zu Beginn des großen Umzugs einige Regentropfen den zahlreichen Zuschauern Sorgen bereiteten, hatten die Habermüasler Glück.
Die Wolken hielten dicht und ließen den bunten Tross trocken durch die Straßen ziehen. Den Auftakt gestalteten traditionell die Jüngsten mit der kleinen Garde. Sie marschierte mit den Kinder-Bennerrössle und der Musik stolz voran, während die prachtvollen Kostüme der Habermüasler folgten. Dabei zeigten sich die Gastgeber von ihrer spendabelsten Seite.
Schnaps statt Süßes
Sie geizten nicht und beschenkten die Zuschauer am Straßenrand großzügig mit Süßigkeiten und allerlei anderen Leckereien. Für politischen Zündstoff sorgte der Zunftwagen zur Bürgermeisterwahl im Herbst. Mit Wahlurne und Stimmzetteln bewaffnet, ließen die Narren die Bürger zwischen Amtsinhaber Marcus Türk, einem „Spanier“ und weiteren Fantasiekandidaten wählen.
Passend zur zugespitzten Wahldebatte am Straßenrand ahnte Bürgermeister Türk bereits, dass er in diesem Jahr weniger Naschwaren als das ein oder andere Schnäpschen zugesteckt bekommen würde. Mit den Rottweiler Narren erging es ihm da nicht anders: Ein Rottweiler Schantle hielt die Wahlkandidaten gar in seinem Narrenbuch fest und brachte noch weitere Namen ins Spiel.
Großzügige Spenden
Angeführt von den Bajassen folgten Gschell, Federahannes und Fransenkleidle, während zahlreiche Rössle beeindruckend ihr Klepferkönnen zeigten. Bereichert wurde das Bild zudem durch befreundete Narren aus Talhausen. Auch der weitere Narrensamen begeisterte in fantasievollen Kostümen als Cowgirls, Kakteen und Vogelscheuchen.
Dank der großzügigen Spenden aus der dörflichen Sammelaktion, die auch die Kinderfasnet am Schmotzigen sichert, flogen vom Narrenzunftwagen reichlich Süßigkeiten in die Menge. Doch das dicke Ende kam sprichwörtlich zum Schluss: Nachdem der Zug fast zwei Stunden lang für beste Stimmung gesorgt hatte, öffneten sich auf den letzten Metern die Schleusen. Es begann in Strömen zu regnen, wobei sich auch eisiger Schneeregen unter das Nass mischte.
Doch trotz der Nässe zeigten die Kapellen wahre Narren-Disziplin und ließen den Narrenmarsch unverdrossen bis zum letzten Meter lautstark ertönen.