Das Schmücken des Narro-Brunnens ist der traditionelle Auftakt der Villinger Fasnet. Das Brauchtum der Narrozunft geht auf die Idee eines närrischen Quartetts zurück.
Ein Mal im Jahr, am Dreikönigstag, steht er im Mittelpunkt des Villinger Stadtgeschehens. Abends um 18 Uhr pilgern annähernd 1000 Leute zu ihm, schunkeln, lachen und singen ihm zu Ehren. Die Rede ist vom Narro auf dem Brunnen in der Oberen Straße, die begleitet von der Stadtmusik, jugendlichen Fackelträger und dem Zunftrat der Narrozunft durch die Stadt gebracht wird, um sie mit einem Reisigkranz und einem Band in den Stadtfarben weiß-blau auf die Stele des Brunnens zu stellen.
Es ist eine einzigartige Stimmung, wenn der „Zunftmoaster“ sein „Narri-Narro“ in die dunkle Nacht ruft und der Wueschtvater einige Wueschtsprüchle im Antlitz der Weihnachtsbäume loslässt, die Besucher sich einhaken, schunkeln und singen.
Mittlerweile steht die Figur seit 89 Jahren an ihrem Platz. Den eigentlichen Geburtstag darf sie erst am 5. und 6. Juni feiern. Im Sommer 1937 wurde sie aufgestellt zur Aufführung des historischen Festspiels „Villingens Wasserbelagerung durch die Schweden 1634“.
Ursprünglich stand der Brunnen vor dem Gebäude der einstigen Thurn- und Taxis’schen Posthalterei „Zur Sonne“, in der heute die Stadtkasse untergebracht ist. In der Absicht, das Stadtbild zu verschönern und der Traditionsfigur ein bleibendes Denkmal zu setzen, bekam Eugen Merz, Vater des Schemenschnitzers Manfred Merz, von Bürgermeister Hermann Schneider den Auftrag, einen Narro zu schnitzen. Die Figur aus Eichenholz war 1,20 Meter groß. Der Narro steht in majestätischer Haltung im Häs mit Foulard, Kragen und Masch sowie Scheme und Rollen auf den Narrosäbel gestützt auf einer Brunnensäule. Den oberen Teil der 2,20 Meter hohen Säule bildet ein Sockel, der auf einem Kranz holzgeschnitzter Narrorollen aufsitzt. Erst 1972 malte der Häsmaler Richard Fuhrer die vornehme Figur an.
Mit Frack und Zylinder zum Brunnen gezogen
Vor 74 Jahren kam es Heinrich Bär, Herbert Förnbacher, Helmut Kurz und Konrad Panther in den Sinn, den Brunnenheiligen über die Fasnet noch mehr herauszuputzen und ihn zu schmücken. Dies geschah nach dem Genuss einiger Viertele Wein. Vom Metzger Bär, so Förnbacher, wurde von einem alten Fass der mittlere Reifen abgenommen und ohne Hilfsmittel mit viel Mühe zu einem Triumphbogen zu Recht gebogen. Die Bekränzung wurde von den Christbäumen nach den Feiertagen abgeschnitten. Kurz malte das Stadtwappen dazu. Am Abend vor Dreikönig versammelten sie sich im „Wilden Mann“ und zogen pünktlich um 24 Uhr standesgemäß mit Frack und Zylinder zum Brunnen.
Unter Absingen des Bürgerlieds wurde der Bogen angebracht, was gewisse Schwierigkeiten bereitete. Das Wappen wurde schon nach drei Jahren gestohlen. Nach zwei Jahren setzte die Narrozunft unter Zunftmeister Franz Kornwachs das Schmücken des Brunnens fort, und seither wird es offiziell als Fastnachtsauftakt gefeiert.
Zur Fasnet-Eröffnung am 6. Januar 2017 wurde der heutige Narro eingeweiht. Thomas Straub, 1976 in Villingen geboren, schuf die Figur 2016 in seinem Atelier in Köln. Der Künstler und Bildhauer hat dem Narro ein neues Leben eingehaucht. Die Figur aus Bronze bezieht die Betrachter mit ein, indem er sie mit dem Zeigefinger direkt anspricht.