Diese Schemen sind zertifiziert, was das Alter anbetrifft, und können so besser einem Schnitzer zugeordnet werden. Foto: Willi Zimmermann

Jede Menge an Narro-Schemen wird man über die Fasnetstage in Villingen sehen. Doch wie alt sind sie, möchte mancher Zuschauer wissen, man sieht es ja nicht jeder Scheme gleich an.

Es gibt mittlerweile eine Methode dies festzustellen, ohne das Gesamtwerk Scheme zu beeinträchtigen, war aus dem Vortrag über die Altersbestimmung von Schemen von Karl Hoch zu erfahren.

 

Mit den Schemen heutzutage ist es in der Regel kein Problem mehr. Wenn man in die Scheme hineinschaut, entdeckt man ein Schnitzerzeichen. Die Schnitzer und ihre Zeichen sind weitestgehend bekannt und dokumentiert. Diese Methode ist jedoch erst nach dem Ersten Weltkrieg üblich geworden.

Bis ins ausgehende 19. Jahrhundert waren die Schnitzer als Bildhauermeister sozusagen Berufsschnitzer. Viele hatten Aufträge von der Kirche, die gegenüber der Fasnet ambivalent eingestellt war, so dass sie sich nicht immer offen dazu bekannten. Die Meister hatten in ihren Betrieben jedoch Gesellen und Lehrlinge, die sich damit beschäftigen durften.

Bis zu 15 Merkmale

Es ist also durchaus möglich, das an einer Scheme mehrere Hände gearbeitet haben. In solchen Fällen kann man sich an Stilvergleichen orientieren. Unter Umständen können es zehn bis 15 Merkmale sein, die genauestens nachgeprüft werden müssen, wie der Verlauf des Mundes, des Kinns, die Art der Augen oder der Nase. Dies einzuschätzen und abzugleichen erfordert jedoch vom Gutachten umfassende und allerbeste Kenntnisse auf diesem Gebiet, um den Schnitzer und das Alter doch bestimmen zu können.

Unsicherheit bleibt

Das Verfahren der Dendrochronologie (Altersbestimmung mittels Jahresringen) scheidet aus, da größere Schäden an der Scheme angerichtet werden müssten. Als technisch machbar hat sich dies mit Hilfe der molekularen IR-Spektroskopie herausgestellt. Dies geschieht durch das Museum d Arte e Scienza in Mailand mit einer Außenstelle in Nonnenhorn am Bodensee.

Nur minimaler Eingriff

Hauptvorteil dieser Datierung ist, für die Entnahme der Holzstaubprobe ist nur ein minimaler Eingriff nötig. Ein winziger Bohrer bohrt ein kleines Loch, vergleichbar mit dem Loch eines Holzwurms, in den Rand der Scheme. Auf ungefähr 20 Jahre genau kann das Fälldatum des Baumes bestimmt werden.

Soweit das Alter, aber der Stilvergleich im Hinblick auf den Schnitzer kommt dann immer noch ins Spiel. Bisher wurde dieses Verfahren sieben Mal für Villinger Schemen angewandt.

Wer es wissen möchte: Etwa 400 Euro kostet solch eine Expertise. Es sollte eher die Ausnahme bleiben, findet Karl Hoch.

Eine Scheme ist mehr als ein wissenschaftlich zu sezierender Korpus. Eine Scheme hat Ausstrahlung, Emotionen, die soll sie behalten, auch wenn die Entstehungsdaten vielleicht noch so vage sind.