Riesig war der Andrang bei der Hauptversammlung der Villinger Narrozunft, so dass die Ratsmitglieder einige Zeit mit dem Auszählen der Stimmzettel beschäftigt waren. Foto: Martina Zieglwalner

Um der ungebremsten Entwicklung des historischen Umzugs einen Riegel vorzuschieben, steht die Teilnahme künftig nur noch Mitgliedern offen. Geplant ist eine Kennzeichnung.

Das Brauchtum der Fasnet zu bewahren und den nächsten Generationen weiterzugeben, hat sich die Historische Narrozunft Villingen auf die Fahnen geschrieben.

 

Mit einer überwältigenden Mehrheit haben die Mitglieder bei der Hauptversammlung in der Neuen Tonhalle die Weichen neu gestellt: Künftig ist für die Teilnahme am historischen Umzug und dem Maschgerelauf am Fasnetsmentig eine Zunftmitgliedschaft erforderlich. Und für neue Hästräger ist der Besuch eines Willkommensnachmittag verpflichtend, um den Verein vorzustellen und sie an die Traditionen heranzuführen.

Zudem steht im nächsten Jahr eine Satzungsänderung an: die Unterscheidung zwischen passiven und aktiven, also den Umzug laufende Mitglieder, für die eine Erhöhung des momentanen Jahresbeitrags von 15 Euro geplant ist.

Dass dringender Handlungsbedarf angesichts von Partynarren, misslungenen Schemen oder schlecht angezogenen Maschgere besteht, klang in den Berichten immer wieder durch. In den vergangenen zehn Jahren sei die Zunft nicht nur rasant auf inzwischen mehr als 5600 Mitglieder angestiegen, sondern auch die Zahl der Umzugsteilnehmer sei explodiert, verdeutlichte Zunftmeister Anselm Säger.

Zuletzt hätten 4100 und 4200 Umzugsabzeichen nicht mehr für alle ausgereicht. Ein Ende dieses Wachstums sei ohne Regelungen nicht absehbar. Immer wieder habe der Rat intern über mögliche Schritte diskutiert und mit der Mitgliederbefragung den Prozess angestoßen, eine gemeinsame Richtung zu finden.

Breites Meinungsbild zusammengekommen

Mit einem Rücklauf von 1347 Fragebögen aus allen Altersschichten und den verschiedenen Häsgruppen sei ein breites Meinungsbild zusammengekommen, stellte Säger fest. Die Auswertung zeige, dass sich viele um den Verlust der Traditionen sorgen und der Pflege des Brauchtums eine wichtige Rolle zuschreiben, mehr als die Hälfte eine strengere Häskontrolle als bisher fordert und sich 83 Prozent für eine zwingende Mitgliedschaft der Umzugsteilnehmer und 90 Prozent davon für eine Kennzeichnung samt entsprechender Überprüfung aussprechen.

53 Prozent der Befragten würden jedoch eine Begrenzung der Umzugsteilnehmer ablehnen. „Das spricht für eine offene Fasnet“, betonte Säger. Allerdings decke die Mehrheit der Zunft den Rücken, dass der Umzug künftig nur noch Mitgliedern offen steht.

Kontroverse Diskussionen im Rat

Nach durchaus kontroversen Diskussionen habe sich im Rat die Lösung abgezeichnet, an aktive Mitglieder jährlich mit dem Zunftblättle eine Art Knopf als Kennzeichnung zu verschicken, die sich am Häsärmel befestigen lässt, erklärte der Zunftmeister. Bei Neuanmeldungen für Jugendliche ab 14 Jahren und Erwachsene sei zunächst der Besuch der Informationsveranstaltung notwendig, bevor ein Wechsel von einer passiven zur aktiven Mitgliedschaft möglich sei.

Dieser Vorstoß kam bei den Mitgliedern, die sich bei der Hauptversammlung zu Wort meldeten, an. Kritisch sahen einige allerdings die Kennzeichnung gerade mit Blick auf die Anonymität der Hästräger und die Möglichkeiten der Kontrolle.

Vorgesehen sei ein unauffälliges Abzeichen, entgegnete Säger. Eine Kontrolle wie das ironisch ins Feld geführte „Drehkreuz“ am Niederen Tor stehe nicht zur Debatte. Vielmehr winke das Umzugsabzeichen am Ende nur noch den Mitgliedern, und die Zunft setze auf den Einfluss der Hästräger untereinander. Es gebe keine andere Chance, den Andrang zu reduzieren, zudem das Wachstum des Vereins selbst in der Hand zu haben, machte sich Säger für das ganze Paket an Vorschlägen stark.

Volle Unterstützung eines Besuchers

Er bekam die volle Unterstützung eines Besuchers: „Es wurde viel genörgelt, ihr tut was“, lobte er den Plan, der mit Maß und Ziel umzusetzen sei. Dies sahen denn die Mehrheit so. 89 Prozent stimmten für eine verpflichtende Mitgliedschaft, 71 Prozent für die Kennzeichnung. 70 Prozent sprachen sich für die Einführung von aktiver und passiver Mitgliedschaft aus. Und 68 Prozent sind mit der Erhöhung des Beitrags für aktive Mitglieder einverstanden. Ob drei oder fünf Euro ist noch nicht geklärt.

Mit den Beschlüssen sei die Basis für die Entwicklung geschaffen, erklärte Säger. „Wir sind auf einem guten Weg, das Brauchtum zu erhalten. Aber es wird dauern, bis wir ans Ziel kommen“, schwor er auf Durchhaltevermögen ein – auch auf die ein oder andere Kurskorrektur, falls sich Ideen oder Sackgassen auftun.

Und er legte allen die Broschüre unter dem Motto „Tradition leben, Gemeinschaft tragen, Zukunft gestalten“ ans Herz, in der die Zunft im Zuge der Umfrage ihre Visionen und Missionen auf den Punkt gebracht hat.