Ein bisschen Schadenfreude darf schon sein – das wissen die Narren auch in Sulz und bereiten die Missgeschicke des vergangenen Jahres für ihr Publikum entsprechend auf.
Die großen und kleinen Missgeschicke bewegen die Menschen – nicht nur die Betroffenen, die im Idealfall selber darüber lachen, wenn ihnen an der Fasnet der Spiegel vorgehalten wird. Das besorgen in Sulz die „Breagler“. Und in deren Bücher durften wir einen Blick werfen, um ein paar Stückle am Schmotzigen Donnerstag zu präsentieren.
Wenn der „Benji-Freund“ eine Reise mit dem Wohnwagen nach Italien macht, gehört es sich für den Hightech-Mitarbeiter bei einem großem Automobilbauer natürlich, drei Navis nebeneinander am Armaturenbrett zu platzieren. Was aber wenn jedes Navi etwas anderes sagt und man falsch fährt? Dann darf die eigene Ehefrau den Wohnwagen samt Auto wieder rückwärts aus dem Fahrradweg bugsiert, weil der Pascha selber mit Wohnwagen nicht rückwärts fahren kann.
Der erste Eindruck – hat Potenzial
Sulz ist eine schöne Stadt! Von Kastell kommend erwarte auf der linken Seite ein „Außenlager von ALBA Süd“ den Reisenden. Weiter ins Mühlengässle – da stünden die Ratten Spalier, und der Breagler empfiehlt Sabrina Glöckler vom Bürgerservice der Stadt Sulz, ein Seminar im Flötenspielen zu belegen – das hat zumindest im Märchen in Hameln auch schon mal geklappt. Weshalb sollte der Rattenfänger-Trick nicht auch in Sulz funktionieren?
Die Edith und der Rudl bestellten ganz bequem im Internet so einen Ohrensessel, um zu chillen. Als das gute Stück kommt, ist leider niemand zuhause. Also stellt der DHL-Fahrer das Paket ganz einfach direkt am Haus ab. Am selben Tag ist auch Papierabfuhr auf der Schillerhöhe – und zwei übereifrige Müllmänner haben Dienst zwängen unter großer Anstrengung das Paket in die Fahrzeugpresse. Der Schaden sei allerdings ersetzt worden, war zu erfahren.
Schlimmer geht immer
Weniger Glück hatte der Rüdiger von der Schillerhöhe. Der Stich einer Biene unterbrach sein entspanntes Sonnenbad, weswegen er fürchterlich zu schreien anhob. Da kein Insektenstichheiler im ganzen Haus auffindbar war, Rüdiger aber weiß, dass hier Wärme hilft, erhitzte einen Teelöffel mit einer Kerze drückt ihn auf die geschundene Stelle – und schrie noch mehr, denn dieser Schmerz ist deutlich schlimmer wie der von der Biene. So endete ein geplantes, chilliges Sonnenbad in der Notaufnahme.
Gewisse Not empfand auch „Piti Kreth“, wesegen er schnell ins „Roma“ ging, um sein Gschäftle zu verrichten – doch ausgerechnet jetzt gab es kein Klopapier. Kein Problem: Piti ruft mit dem Handy vom Klo aus im Lokal an – keine Reaktion. Plötzlich wird ihm ein Blättle unter der Tür durchgeschoben damit er sich bei der Warterei informieren kann, bis man dann Erbarmen mit dem Armen hatte.
Alles für den Ausflug
Der „Blosel Christian“, bei der Narrenkapelle immer ganz vorne, fährt mit den Fahrrädern auf dem Dach nach Günzburg. Dort angekommen, möchte er gleich mit den Rädern in die Stadt fahren, doch der Regen war schon ziemlich nah. Da schien das Auto doch praktischer zu sein. Also rein ins Städtle, nei ins Parkhaus – da macht es einen riesen Schlag, und er sieht im Rückspiegel das ganze Dilemma: Die Fahrräder liegen auf dem Boden das Auto ist verbeult, doch Christian nimmt es ganz sportlich entspannt. Hauptsache der Ausflug war schön.
Polizist Uwe Pfau geht in seine wohlverdiente Pension, nimmt aber noch seinen Resturlaub und rechnet als helles Köpfchen seinen Dienst so aus, dass er danach nicht mehr antreten muss. Seine Knarre gibt er ab und seine Dienstuniform wird leichtfertig verbrannt. Doch er hatte sich verrechnet und musste noch zwei Tage Dienst machen – nur wie?
Zoologisches Phänomen
„Hanse, Hanse, schnell schnell komm. Breng an Kescher, an Eimer mit Deckel mit ond zieh dicke Handschuh a. Bei ons auf da Fensterbank sitzt a riesige Fledermaus. Fang des Ekel.“ – Der Hilferuf entstammt seiner aufgeregten Ursel. Der Hanse kommt angerannt mit den verlangten Utensilien. Doch angekommen beim vermeintlichen Ungeheuer muss laut lachen: Statt einer riesigen Fledermaus liegt der Spielzeug-Vampir vom Enkele auf dem Fenstersims.
Und noch ein Hilferuf war Thema: Axel Steebs Frau hatte sich im Schlamm festgefahren und bat um Abschlepphilfe. Kein Problem, der Göttergatte startet sein Gefährt und fährt neben seine Frau. Genau dort ist allerdings auch der Matsch. Da ist es doch gut, dass es den Bauern Bilger mit dem Traktor gibt.
Neue Erkenntnis
Bei der Rundum-Versorgung auf der „Aida“ fällt es Tobi bei seiner dritten Sparfuchs-Runde schwer, das Gewicht zu halten. So ist der Fitnessraum feste Anlaufstation. Es wird gestrampelt und geschwitzt – und plötzlich schmerzt der Zeh, als wäre er ab. Also schnell zum Schiffsarzt – und der diagnostiziert nichts Verstauchtes, sondern Gicht. Das heißt kein Fleisch, keine Wurst, kein Alkohol, pure Enthaltsamkeit – und das bei „all inklusive“.
„Es isch’d net emmer drenn was drauf stoat“ – Diese bittere Erfahrung musste Simone Trudel bei der Geburtstagsfeier der Opti-Anne in der Ramsau machen. Feiern macht bekanntlich Durst, was jetzt aber kein Problem darstellten dürfte – schließlich steht ja eine Flasche „Römerquelle“ auf dem Tisch. Es ist nur blöd, dass da statt dem darin vermuteten Sprudel Hochprozentiges drinnen war. Simone nahm einen kräftigen Schluck und merkte das Spiel, wollte allerdings nicht auf den Tisch spucken und schluckte den ungeahnten Trunk stattdessen.
So hätten es noch viele Geschichten, die von den Breaglern fleißig zusammengetragen und aufgesagt wurden, verdient, hier erzählt zu werden. Doch keine Sorge: In den Sulzer Lokalen gibt es spätestens an der nächsten Fasnet Nachschub.