Die Burgnarren in Straßberg tun es wieder: Sie schlagen Honorationen in den Ritterstand. Dieses Mal beugt Landesministerin Nicole Razavi das Knie.
Einmal mehr wurde im Rahmen der Straßberger Fasnet ein Politiker von den Burgnarren zum Ritter geschlagen. Genauer zur Herzogin. Dieses Mal war im Sitzungssaal des Straßberger Rathauses der Nicole-Doppelpack am Start. Neben Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut war auch ihre Kollegin aus dem Ministerium für Landesentwicklung und Wohnen, Nicole Razavi, zugegen. Denn ebendiese sollte von den Burgnarren um den Ersten Burgvogt Daniel Nagraszus in den Adelsstand erhoben werden.
Unter lautem Getöse, angeführt von der örtlichen Musikkapelle, die in Minion-Verkleidung einmarschierte, kam die Entourage mit und von der Landesministerin daher. Doch zunächst hatte der Noch-Hausherr Markus Zeiser als Schultes das Wort in der Bütt, der sich in seiner kurzen Ansprache nur als „kleiner Rathauslenker“ betitelte und der Ministerin versicherte, dass der Schlag nicht schmerzhaft sei – zumindest nicht für ihn, da er ja weit davon weg sei. „Ganz schwarz ist unser Rathaus heut, weil hier von der CDU so viele Leut“, reimte Zeiser närrisch. Und in der Tat: Neben den beiden Ministerinnen waren auch der Bundestagsabgeordnete Thomas Bareiß und Albstadts CDU-Bürgermeister Roland Tralmer zugegen.
Ampel bekam nochmals ihr Fett weg
Als Nächstes war Burgvogt Daniel Nagraszus in der Bütt. Als Narr spreche er so, „wie der Schnabel mir gewachsen“, kündigte der oberste Straßberger Narr an und tat das auch: „So muss ich das nun einfach sagen, die Welt steht Kopf in diesen Tagen.“ Von Trump über Putin bis zum Ukrainekrieg arbeitete sich der Burgvogt ab, aber auch die längst gescheiterte Ampel bekam nochmals ihr Fett weg.
Und auch die aktuelle Merz-Regierung bekam vom Straßberger Burgvogt eine Lektion hinter die Ohren geschrieben: „Investitionsstau an allen Ecken und Enden, Geld alleine hilft nicht, man muss dieses auch verwenden.“ Freilich kam Nagraszus auch auf die Kreisthemen zu sprechen: vom Klinikum, das einst „in Kaiseringens Auen“ versprochen gewesen sei, bis hin zur Müllentsorgung, die jetzt hoffentlich besser werde in diesem Jahr.
Bevor es an den eigentlichen Ritterschlag ging, trat Laudatorin Hoffmeister-Kraut auf den Plan. Das Amt der Hofdame sei „eine hohe Würde und keinesfalls eine Bürde“, so die Ministerin. Gelassenheit und Strategie fordere dieses Amt: „Eine, die davon sehr viel hat, und wie! Das ist Nicole Razavi“, lobte sie die CDU-Kollegin. Der Adelshof werde durch die neue Hofdame bereichert, sie kenne „jede gesellschaftspolitische Wiese“, so Hoffmeister-Kraut. Zum Schluss gab es noch eine Spitze in Richtung der CDU-Männer: „Frauenpower hat schon viel geschafft, so manche Karriere frühzeitig dahingerafft.“ Gejohle im Spaßberger Narrensaal war die Folge.
Trump soll sich Badener holen
Und dann geschah es: Nicole Razavi ging vor Burgvogt Daniel Nagraszus auf die Knie und wurde in den Adelsstand erhoben. Herzogin „Ministerialis von Aberdeen zu Burg Helfenstein der Geilsinger Lande“. So lautet ihr offizieller Titel. Razavi bekam dann freilich noch den Falkenorden umgehängt und die Auflage, sich bei jedem Feste „im geziemenden Häs“ in Straßberg zu präsentieren und mitzuhelfen. Geschehe dies nicht, so gehe das gesamte Vermögen in den Besitz des Burgnarrenvereins über.
Schließlich schritt die frisch geschlagene Herzogin in die Bütt und dankte dafür, dass die Narrenschar sie „süffisant in den Ritterstand“ erhoben hat. Und auch Razavi hatte Frauenpower in ihrer Büttenrede dabei: „Wir Nicoles zeigen ganz markant: Frauen regieren dieses Land.“ Und weil sie sich so toll für die Ankurbelung der Bauwirtschaft engagiere, so reimte Razavi weiter: „Man nennt mich auch Beton-Nicole“.
Freilich arbeitete sich auch die Bauministerin an den internationalen Figuren wie Trump und Co. ab – man stelle sich nur vor: „Trump wollts haben, auch noch unser Schwaben“, textete Razavi. Das komme natürlich nicht in die Tüte und überhaupt: „Soll er sich doch die Badener greifen“. Zum Schluss lobte die Herzogin noch die Fasnet an sich. Die stehe für Lust am Leben. Und überhaupt: „Es soll ewig bleiben, das zollernälbler Narrentreiben.“
Im weiteren Verlauf des Abends war dann noch Bürgermeister Markus Zeiser fällig. Er musste den Rathausschlüssel an die Burgnarrenzunft abgeben und wurde, wie vom Burgvogt angekündigt, aus seinem Amtssitz verjagt.