Zunftmeister Markus Fischer beklagt, dass es immer mehr Auflagen für Narrenzünfte gibt. Wegen zu hoher Kosten fällt außerdem in diesem Jahr ein Stück Salzstetter Fasnetstradition weg.
„Spüllomba ahoi!“: In Salzstetten sind die Narren los. Gleich zwei Gruppen der Narrenzunft feiern dieses Jahr ein Jubiläum. Im Rahmen des großen Narrenwochenendes vom 19. bis 21. Januar treiben es die Siebenhügelhexen anlässlich ihrer 40er-Feier wild ab 18.30 Uhr bei der Freilichtaufführung am Freitag, 19. Januar mit anschließendem Hexenball. Beim Eröffnungsball am Samstag, 20. Januar, ab 19.30 Uhr steht das Jubiläum 50 Jahre Schellenbergnarren im Vordergrund. Zum großen Umzug am Sonntag, 21. Januar, um 13.30 Uhr werden rund 2500 Häs- und Maskenträger erwartet. Anlass, um mit Zunftmeister Markus Fischer (53) ein Gespräch zu führen.
Wie ist der Auftakt 2024 am Dreikönigstag gelaufen?
Neben den Neulingen (Tuders: Vanessa Zeller, Schellenbergnarren: Chris Fischer, 7-Hügel-Hexen: Lien Graf, weil er eine Maske erhält) wurde zu seiner Überraschung auch der zuletzt als stellvertretender Zunftmeister gewählte Steffen Schuh nochmals getauft, der „sichtlich gerührt“ war über diese besondere Ehre. Zusätzlich erhielt Janina Störzer, Zunftmeisterin der Narrenzunft Lützenhardt, einen so köstlichen Hexenschnaps. Sie hatte signalisiert, dass sie als Zeichen der guten Kameradschaft als passives Mitglied bei der Narrenzunft Salzstetten eintritt.
Mit wie vielen Aktiven geht die Zunft in das Schaltjahr 2024?
Rund 135 aktive erwachsene Mitglieder und rund 35 Jugendliche und Kinder.
Warum gibt es dieses Jahr keinen Bürgerball?
Wir haben jahrelang versucht, den Bürgerball aufrecht zu erhalten; die letzten Jahre sogar mit freiem Eintritt bei Motto-Gruppen aus einzelnen Vereinen, Vereinigungen. Leider war auch 2023 aufgrund der Auflagen (Security) und der Kosten für die Band sowie weiterer Ausgaben wie Werbung der Bürgerball auch wieder finanziell ein nicht unerhebliches Minusgeschäft. Wir wollen bei der Fasnet nicht reich werden, können uns aber Veranstaltungen, bei denen wir drauflegen, nicht auf Dauer leisten. Damit fällt ein Stück Tradition in Salzstetten weg und es tut uns leid für die wenigen Stammgäste beim Bürgerball. Wir bitten aber auch um Verständnis für diese im Zunftrat gemeinsam getragene Abstimmung.
Was wird in diesem Jahr für den Narrensamen geboten?
Närrischer Unterricht am Schmotzigen in der Schule und anschließend Schule stürmen; Wegzehrung am Narrenschopf für die Kinder und anschließend Kinderumzug bis zum Gemeindesaal, wo dann auch die traditionelle Kinderfasnet stattfindet.
Sie haben die Zunft von 2006 bis 2018 geleitet und 2021 sind sie erneut zum Zunftmeister gewählt worden. Was hat sich seither verändert?
Früher schien alles einfacher oder es liegt daran, dass man inzwischen auch älter geworden ist? Die Fasnet hat sich eigentlich vom Angebot her nicht verändert – im Gegenteil. Gegenüber 2006 kam in regelmäßigen Abständen immer mal wieder was Neues dazu. Was mir persönlich gegenüber früher am meisten fehlt, sind die Nachmittage oder Abende, an denen man bei Privatpersonen – die keine Mitglieder sein mussten – unterkam. Einfach spontan und immer lustig waren solche Erlebnisse.
Und was hat sich weniger gut entwickelt?
Was sich ins Negative verändert hat, sind die Themen und Auflagen im Rahmen der Organisation: Kosten für die Gema, Security, Auflagen und somit Kosten im Zusammenhang mit dem Umzug. Man hat an der ein oder anderen Stelle den Eindruck, dass der Wahrung und Aufrechterhaltung von Traditionen immer mehr Steine in den Weg gelegt werden. Als immaterielles Kulturerbe, zu dem wir anerkannt sind, sollten eigentlich Ämter, Behörden und Kommunen ihr Möglichstes tun, um dieses Kulturgut, die Pflege und Erhalt althergebrachter Fasnetsbräuche in der Schwäbisch Alemannischen Fasnet, aufrecht zu erhalten. Schade, dass dies den Gegenübern (vorneweg der Gema mit Sitz in Berlin) ziemlich egal ist.
Wo bleibt die Motivation?
Wenn es dann endlich soweit ist und die Veranstaltungen – trotz aller Widrigkeiten im Vorfeld – losgehen, sind alle Zunftmitglieder wieder voll dabei und halten zur Stange beziehungsweise tun ihr Möglichstes, um die Bevölkerung – ob jung oder alt – mit allen Kräften zu unterhalten. In diesem Sinne: Spüllomba ahoi!