Deftige Seitenhiebe, spitze Nadelstiche und humorvolle Frotzeleien gegen die Mutterzunft sorgen für Stimmung auf dem Kabisball. Bei einfallsreichen Auftritten kann sich die OB-Vertreterin Ines Gaehn vom Zustand der in der Schwebe steckenden Altstädter Location überzeugen.
Der Kabisball der Altstädter Narrenzunft hat einmal mehr seinen guten Ruf bestätigt. Die Besucher in der voll besetzten Halle erfreuten sich bestens an dem humorvollen Programm wie auch an der guten Bewirtung sowie der Musik der Band „The Mantics“.
Was wäre ein Kabisball ohne deftige Seitenhiebe, spitze Nadelstiche und humorvolle Frotzeleien an die Adresse der närrischen Obrigkeit, der Mutterzunft? Diese habe sich diesmal gar nicht getraut zum Ball zu kommen, meinte Tobias Seeger, der durch das Programm führte.
Im vergangenen Jahr waren die Wadelkappen nämlich von den Kabis-Narren spontan geschröpft worden. Der „Mutti“ hatte man auf der Bühne die Zusage für einen Finanzzuschuss abgerungen. Auch Oberbürgermeister Christian Ruf (er wurde von Bürgermeisterin Ines Gaehn vertreten) traue sich nicht mehr in die Altstadt, weil man mit der neuen Halle immer noch nicht weitergekommen sei, mutmaßte Seeger.
Innerhalb von einer Stunde ausverkauft
Die OB-Vertreterin konnte sich auf der harten Festbank ohne Lehne in der voll gepressten Halle leibhaftig vom rustikalen Standard der Altstädter Location überzeugen. Doch die bescheidene Ausstattung nimmt man im Kabisland für das jährliche Top-Event der Zunft gerne in Kauf: Innerhalb einer Stunde, so der Ansager, seien sämtliche Eintrittskarten verkauft gewesen.
Seeger – er moderierte den Abend zusammen mit der zugeschalteten Altstädter „Henne“ (Benny Seemann) – prangerte die restriktive Mitgliederaufnahme bei der Rottweiler Zunft an. Diese führe unweigerlich zu einer Überalterung der Narren. Wie der Rottweiler Narrensprung im Jahr 2050 aussehen könnte, persiflierte die Kabiszunft beim Einmarsch der Narren. Gebrechliche Schantle mit Gehstock schleppten sich in die Halle.
Schmerzmittel statt Gutsle und Orangen
Die Narren warfen Schmerzmittel statt Gutsle und Orangen aus. Zur Begleitung intonierten die Altstädter „Frohsinn“-Musiker den Narrenmarsch im gemächlichen Tempo eines Prozessionsmarsches. Auf der Bühne standen für die erschöpften Narren Stühle bereit. Von Krankenschwestern wurden sie medizinisch versorgt.
Nach diesem Blick in die Zukunft wurde es festlich: Das österreichische Kaiserpaar Franz und Sissy (Ralf „Hefe“ Armleder und Andreas Fiebach) zog mit Pomp und Gloria in die Halle ein, um den Besitzungen an der äußersten Peripherie des Kaiserreichs, also bis zum Schlagbaum vor der Ortschaft Göllsdorf einen Besuch abzustatten.
Eine Gruppe von Piraten (Aktive der Altstädter Musikkapelle) enterte anschließend die Bühne. Die Gruppe „Kleinkunst“ (Andreas Fiebach, Kai Spreter, Dominik und Roland Vogel) sorgte mit Szenen aus der „Landesschau“ und dem Sketch „Fisch- und Anglerladen“ für Gelächter.
„Der Riesling wird knapp“
Eine gehörige Portion Fett bekam die Mutterzunft beim Auftritt des Kasperletheaters (Ausschussmitglieder) ab. Für das Wadel-Kasperle (Kai Spreter) endete die Suche nach dem „Blondie“-Rössle äußerst tragisch. Es wurde vom Krokodil verspeist. Die von Roland Vogel mit seiner Gitarre vorgetragene Kabis-Hymne „Der Riesling wird knapp“ (auf die Weihnachtsmelodie „Feliz Navidad“) trieb das Stimmungsbarometer weiter in die Höhe.
Die Nachwuchsgruppe „Die jungen Wilden“ feierte mit einer originellen Schattenspiel-Nummer eine gelungene Premiere. Zum Abschluss brachten die „Oldies“ mit einem Tanz irische Pub-Stimmung in die Halle. Was über den ganzen Abend auffiel: Die Kabis-Akteure nahmen sich auch immer wieder selbst auf die Schippe.