Gut sechs Minuten lang schmeißen die Männer Golddukaten in die Menge. Der Bürgermeister fasst es nicht, und auch der Narrenmeister scheint erstaunt. Foto: Schnekenburger

Bei der Proklamation der Rottweiler Fasnet wird klar: Die Mangelverwaltung zu Prachtentfaltung umzukehren, haben die Narren als Kunst längst perfektioniert.

Wenn man sich eine markante Zahl anschaut, liegt der Schluss nahe, dass es der Stadt nicht ganz so schlecht geht, wie sie gerne tut: Dass die Narren am Fasnetsonntag die Macht im Rathaus übernahmen, ist klar, auch der genaue Blick in die Schubladen – immer gefasst auf Unfassbares – ist gute Übung. Dass die Zunft Geld mit vollen Händen ausgibt, gehört einfach dazu.

 

Doch diese Zahl wirft Fragen auf: Gut sechs Minuten lang schmissen die Männer Golddukaten in die Menge. So lange brauchten sie seltenst. Was bedeutet: Entweder hat die Fasnet 2026 schon vor der Proklamation von der Kondition Tribut gefordert, die Stadt hat geheime Geldreserven, oder das Gold ist eine lausige Legierung. Manches Kind stellte unterdessen fest: Statt der erhofften Schokolade enthielt mancher Taler lediglich zusammengedrückte Luft.

Närrisches Schattenkabinett

Also doch alles wie immer. „Groß tun und wenig bringen“ schwebt als Generalverdacht über den Amtspersonen. Zum Glück haben die Narren in ihren Reihen geeignete Spezialisten, die in den verschiedenen Fach- und Funktionsbereichen besondere Kompetenzen einbringen können. Schneller als die Rathaus-Besetzung sind sie allemal.

Nicht nur die Proklamation am Sonntag startet ein bisschen früher als geplant, auch der Kinderumzug am Nachmittag sollte in einem zeitlichen Zwischenraum starten: Zwar zeigte der Zeiger am Schwarzen Tor erst vier Minuten vor Start, allerdings erklang das Glöckchen bereits vernehmlich. Was den Schluss nahe legt, dass entweder die Stadt, vielleicht mit Blick auf Brückenschlag, Gartenschau und anderes mehr einfach das Raum-Zeit-Kontinuum außer Kraft gesetzt hat, oder eben die Narrenzunft. Aus welchen Gründen auch immer.

Blankes Entsetzen

Es war vielleicht das blanke Entsetzen, das die Narren packte angesichts der Methoden, die die Obrigkeit anwendet, um doch noch an ein paar Kröten zu kommen. Ob warten, bis der Fisch zum Goldfisch wird, sich der geknutschte Frosch in einen Prinzen mit Goldkiste verwandelt oder der Esel im Chefbüro endlich das ausscheidet, was endlich die Kassen wieder füllen und vor allem Glanz in die Stadt bringen könnte – dem Schrecken sind kaum Grenzen gesetzt. Zur Tilgung der Schulden würde allerdings auch dieser Goldcoup nicht reichen.

Aber glanzvoller sollen die Zeiten ja werden. Verkündet immerhin der Herold – und liegt damit Jahr für Jahr fast richtig. Anscheinend haben die Narren das bessere Konzept: Die Gartenschau wird abgesagt – damit es keine Baustelle mehr gibt. Hilfsweise würde man das ganze Projekt auch nach Göllsdorf verlegen.

Oder man lässt sie doch in der Stadt, lege sie aber tiefer. Da ist unten dann mehr los als oben, was die Touristen freut, die heimische Baggerwirtschaft hat ein Auftragspolster geologischen Zeitmaßes, und die Geschäftsführerin hätte bei den zahlreichen Fototerminen kein Wind-Haar-Problem mehr.

Wie wird der Narrensprung 2027 ff.?

Ungemach droht allerdings in Sachen Friedrichsplatz: Da bestehen Zweifel ob der Zeitplanung. Schon ist die Rede von zwölf Jahren Bauzeit. Dass nächstes Jahr Essig ist mit der klassischen Sprungführung, ist eh’ klar.

Aber die Rottweiler Narrenzunft wäre nicht sie, wenn sie nicht schon ein ganzes Bündel an Alternativen entwickelt hätte – bis hin zum MC, der einem Dompteur, der seien Kätzchen durch die Manege dirigiert, die Narren sicher durch die Innenstadt leitet. Damit lässt sich arbeiten. Wenn die Narrensprünge vorbei sind, bis zum Betzeitläuten. Dann sieht man weiter.